Ein Hackbrett-Leben mit vielen Facetten

23. Juli 2016, 20:27
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Carmen Gaggl erforscht die Geschichte des Hackbretts jenseits der Volksmusik

Graz – Den allerersten Grundstein ihrer wissenschaftlichen Arbeit legte die Vorsehung, als Carmen Gaggl mit sechs Jahren im Rahmen ihrer musikalischen Früherziehung vom Klang des Hackbretts verzaubert wurde. Den zweiten fügten dann Karl-Heinz Schickhaus und Elisabeth Seitz hinzu, bei denen sie etliche Jahre später an der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz die Ausbildung am Instrument ihres Lebens absolvierte. "Die beiden waren für Hackbrett die erste Adresse in Europa", so die 34-jährige Kärntnerin. "Sie haben die Alte Musik mit diesem Instrument wiederbelebt und auch mich für diese Art der Musik begeistert."

Deshalb konzentrierte sie sich schon während des Studiums auf das "Salterio", das Barockhackbrett. "Oft wird das Hackbrett heute ausschließlich mit Volksmusik assoziiert", so Gaggl. Dabei seien an den europäischen Höfen und in Klosterbibliotheken des 18. Jahrhunderts sogar speziell für das Hackbrett geschriebene Kompositionen belegt. Durch das Aufkommen des Klaviers aber wurde das beliebte Saiten- und Schlaginstrument in die alpenländische Volksmusik abgedrängt.

Um den frühen Teil der Hackbrettgeschichte zu erkunden, befasst sich Carmen Gaggl in ihrer Dissertation an der Grazer Kunst-Uni mit den vielfältigen Hackbrett- und Psalteriumsdarstellungen aus dem Spätmittelalter. "Da aus dieser Zeit weder Instrumente noch spezifische Noten erhalten sind, setzt die Erforschung der Instrumente bei den bildlichen Quellen an", erklärt die Musikerin. "Meine Arbeit konzentriert sich deshalb auf die Realienkunde: Wie haben die Instrumente ausgesehen? Sind sie technisch plausibel abgebildet? Was sagt die Darstellung über die Spielweise aus?"

Sakrale Quellen

Für ihre Recherchen durchforstet Gaggl Kirchen, Diözesanmuseen und Archive im gesamten Alpen-Adria-Raum. "Ich konzentriere mich auf die sakralen Quellen, weil sie die meisten Darstellungen aus dieser Zeit enthalten – etwa in Form von Wand- und Tafelmalereien oder Skulpturen." Dass sie dabei das Hackbrett von seinem Image als reines Volksmusikinstrument löst, habe keineswegs mit einer Missachtung der Volksmusik zu tun, betont Carmen Gaggl. Das glaubt man ihr gern, immerhin hat sie selbst nach ihrer klassischen Ausbildung ein ergänzendes Volksmusikstudium am Kärntner Landeskonservatorium absolviert und in ihrer Jugend mehrere einschlägige Musikpreise gewonnen.

Vielseitig wie die Musik ihres Herzensinstruments sind auch die Aktivitäten der Klagenfurterin: So unterrichtet sie parallel zu ihrer Forschungsarbeit seit 2009 an den Musikschulen des Landes Kärnten, ist dort seit 2014 Fachgruppenkoordinatorin und tritt als Mitglied des renommierten internationalen Ensembles für Alte Musik L'Arpeggiata unter der Leitung von Christina Pluhar in ganz Europa auf. Außerdem ist sie ausgebildete Kulturmanagerin und Musik-Kinesiologin.

"Ja, mein Hackbrett-Leben hat viele Facetten", lacht sie. Dass es dabei zeitlich manchmal eng wird, nimmt sie in Kauf: "Ich finde es bereichernd, wenn sich Wissenschaft und Praxis treffen!" Als Spross einer hochaktiven Musikerfamilie kommt natürlich auch die Hausmusik nicht zu kurz. Müßig, hier noch nach Freizeitaktivitäten zu fragen. "Die Musik ist mein Beruf und mein Hobby!" (Doris Griesser, 23.7.2016)

  • Wissenschafterin, Ensemble-Mitglied bei L'Arpeggiata und Musiklehrerin: Carmen Gaggl.
    foto: weichselbraun/"kleine zeitung"

    Wissenschafterin, Ensemble-Mitglied bei L'Arpeggiata und Musiklehrerin: Carmen Gaggl.

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