Dritte Generation schafft es ins Bürgermeisteramt

20. Juli 2016, 08:00
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Seit den 1980ern versuchte eine rote Familie aus Sellrain, den ÖVP-Bürgermeister aus dem Amt zu hebeln. Georg Dornauer junior hat es geschafft

Innsbruck – Der wahrscheinlich zufriedenste Mensch am 28. Februar dieses Jahres war Georg Dornauer juniors Großmutter. Exakt 36 Jahre lang hatte die Familie auf diesen Moment gewartet. Drei Generationen hat es gebraucht, um das Vorhaben zu verwirklichen. "Es hatte sich ein Zeitfenster aufgetan", sagt Dornauer junior und lächelt. Seit Ende Februar ist der 33-jährige Bürgermeister der Tiroler Ortschaft Sellrain.

Bis vor kurzem durfte sich die 1.350-Seelen-Gemeinde noch jene mit dem längstdienenden Bürgermeister Österreichs nennen. ÖVP-Mann Norbert Jordan hatte den Ortschefposten im Jahr 1977 während der laufenden Periode vom damaligen Altbürgermeister übernommen. "Schon damals gab es eine kleine, rührige SPÖ-Fraktion, angeführt von meinem Großvater", erzählt Dornauer. Bei der Wahl 1980 startete dieser dann eine Mission, die seine Familie noch über Jahrzehnte beschäftigen sollte: Jordan aus dem Amt zu hebeln. "Im Sechs-Jahres-Takt haben ihn zuerst mein Großvater und ab 1998 dann mein Vater herausgefordert."

Vergebens. Jordan hielt sich fast vierzig Jahre lang im Ortschefsessel. Vor der Bürgermeisterwahl 2016 legte er mit 72 Jahren das Amt dann freiwillig nieder und übergab seine Liste an den 27-jährigen Benedikt Singer – gegen den Georg Dornauer junior in der diesjährigen Bürgermeisterwahl schließlich mit 54,5 Prozent der Stimmen gewann. Allerdings: nicht mit der roten Liste seines Großvaters und Vaters. "I'm not part of their game", sagt Dornauer.

Dissertation zu Tiroler ÖVP

Politisch interessiert sei er schon seit Kindertagen gewesen. Nach der Matura begann Dornauer dann auch, Politikwissenschaft zu studieren. Seine Dissertation schrieb er zum Thema "Ursachen und Hintergründe für die Hegemonie der ÖVP in Tirol". Kaum war die abgegeben, wollte er es selbst wissen: Bei der Kommunalwahl im Jahr 2010 trat er mit seiner neuen Liste "Wir Sellrainer" gegen Jordan – und seinen eigenen Vater an. Mit drei Mandaten zog er in den Gemeinderat ein.

Dornauer junior nennt seine Liste "parteifrei". Seine Nähe zur SPÖ lässt sich allerdings nicht leugnen. Er arbeitet seit einigen Jahren für den roten Landtagsklub und ist Bezirksvorsitzender der SPÖ Innsbruck Land. Sein Vater Georg Dornauer senior ist roter Landesgeschäftsführer und sitzt seit dem Jahr 2013 auch wieder im Tiroler Landtag – zu dieser Zeit legte er auch das Amt des Vizebürgermeisters von Sellrain zurück, woraufhin sein Sohn den Posten übernehmen konnte.

Radikale Verjüngungskur

"Das hat mir natürlich geholfen. Während der Hochwasserkatastrophe im Juni 2015 war ich der zweite Krisenmanager", sagt der junge Dornauer. "Hätte das mein Gegenkandidat als Jungspund binnen acht Wochen kompensiert, hätte ich was falsch gemacht." Etwas "konsterniert" sei die Gegenseite nach der Wahl allerdings dennoch gewesen. "Meine ersten Monate als Bürgermeister waren sehr emotional."

Langsam spiele sich nun aber alles ein, ist Dornauer überzeugt. Auch die Gemeindemitarbeiter hätten sich an die radikale Verjüngungskur inzwischen gewöhnt. Nachdem er die Last des ewigen Zweiten von der Familie genommen hat, setzt Dornauer sich nun neue Ziele: In der Gemeinde soll eine "Mehrzweckhalle" errichtet werden, die für Veranstaltungen genutzt wird und einen Ganztageskindergarten beherbergen soll. Langfristig strebt Dornauer ein Nationalratsmandat an. Ob auch das ein Generationenprojekt wird, ist offen. (Katharina Mittelstaedt, 20.7.2016)

  • Großvater rot, Vater rot, Sohn in roten Diensten, aber nicht "part of their game": Dornauer will in den Nationalrat.
    foto: spö tirol

    Großvater rot, Vater rot, Sohn in roten Diensten, aber nicht "part of their game": Dornauer will in den Nationalrat.

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