Sturm Graz: Dieser Weg wird kein leichter sein

19. Juli 2016, 13:54
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Schwarz-Weiß muss sich wieder neu erfinden, Franco Foda den Abgang von 16 Spielern verkraften. "Wir werden dennoch ein gutes Team auf die Beine stellen", sagt der 50-Jährige, der in seine neunte Saison als Sturm-Trainer geht

Wien/Graz – Das ganze Leben ist ein ewiges Wiederanfangen. Dass weiß natürlich auch Franco Foda, wenn er in der Früh aufsteht. 16 Spieler haben Sturm Graz diesen Sommer verlassen, die halbe Mannschaft wurde quasi ausgetauscht. "Dieses Jahr ist es extrem. Die neuen Abläufe werden nicht von heute auf morgen funktionieren. Ich freue mich aber auf die Herausforderung. Wir werden dennoch ein gutes Team auf die Beine stellen", sagt Foda. Für den 50-jährigen Deutschen ist es mit einer Unterbrechung bereits die neunte Saison als Trainer von Sturm.

Nur ein Auszug: Schalke holte sich seinen an Sturm verliehenen Rohdiamanten Donis Avdijaj zurück, Tormann Michael Esser ging nach Darmstadt, der Grieche Anastasios Avlonitis zurück zu Olympiakos Piräus. Eigentlich sollte der Kader nur auf drei oder vier Positionen verändert werden. Das Wort Ausbildungsverein kommt Franco Foda nicht über die Lippen, "als Trainer in Österreich muss man halt damit leben, dass starke junge Spieler abwandern. Das passiert auch den Salzburgern, die viel mehr Möglichkeiten haben als wir." Zum Saisonauftakt am 23. Juli empfängt Sturm die Bullen in Graz.

Sparkurs

Als Spieler hat Foda die Ära Kartnig erlebt, in dieser war Geld quasi abgeschafft. Was will Sturm jetzt sein? "Mit Ansprüchen", sagt Foda, "muss man vorsichtig sein. Damals wurden für einen Charles Amoah 60 Millionen Schilling hingelegt. In der jetzigen Transferperiode hat Sturm bisher nur ablösefreie Spieler geholt." Und das, obwohl bei der Kampfmannschaft nicht gekürzt wird. Bei allen anderen Posten wird eisern gespart. Eine Million Euro möchte der Vorstand weniger ausgeben als im abgelaufenen Geschäftsjahr.

Sturms neuer Sportvorstand Günther Kreissl will erfolgsorientierten Fußball sehen. Dafür sollen auch einige Neuzugänge sorgen. Der prominenteste unter ihnen ist der Serbe Uroš Matić, der Bruder von Nemanja Matić (FC Chelsea). Zudem wurde die Defensive neu aufgestellt: Mit dem Ex-Hannover-Kapitän Christian Schulz kommt ein neuer Abwehrchef, mit dem ehemaligen Leipziger Stefan Hierländer ein Mann für das defensive Mittelfeld.

Die vergangene Saison endete für Sturm nicht wie gewünscht. Trotz mancher sportlich schmerzhafter Abgänge wie jenes von Abwehrchef Michael Madl zu Fulham "hätte die Mannschaft locker den vierten Platz erreichen können". Es blieb auch Positives in Erinnerung, etwa dass Sturm nur zwei Spiele zu Hause verlor. Nach Niederlagen schläft Foda schlecht, er hat schon als Spieler ungern verloren. "Nach einem Sieg bin ich aber auch nicht immer zufrieden. Es geht darum, die Dinge richtig einzuordnen."

Voll gefordert

Fodas Vertrag läuft noch bis 2017, was danach passiert, weiß er selbst noch nicht. Die Arbeit als Trainer findet praktisch immer statt, sieben Tage die Woche. "Darum sage ich meinen Spielern, sie sollen so lange wie möglich Fußball spielen. Als Trainer kannst du kaum abschalten, nach dem Training ist vor dem Training. Du bist auch Pädagoge, Psychologe und in manchen Fällen sogar Vaterfigur. Es ist ein Rundumjob."

Außer man ist Teamchef. Vor fünf Jahren war Foda als Nachfolger von Didi Constantini beim ÖFB im Gespräch. Es wurde dann bekanntlich der Schweizer Marcel Koller. Foda: "Der ÖFB ist gut aufgestellt, auch wenn die EM nicht nach Wunsch verlaufen ist. Die Erwartungshaltung war groß. Ich habe aber schon gewusst, dass die Gruppe nicht einfach wird. Das Thema Teamchef tangiert mich nicht. Ich beschäftige mich nur mit Sturm." (Florian Vetter, 19.7.2016)

  • Die Sturm 2016/17
1. Reihe von links: Marko Stankovic, Sascha Horvath, Philipp Huspek, Tobias Schützenauer, Christian Gratzei, Fabian Ehmann, Romano Schmid, Lukas Skrivanek, Kristijan Dobras
2. Reihe von links: Trainer Franco Foda, Co-Trainer Thomas Kristl, Geschäftsführer Sport Günter Kreissl, Marvin Potzmann, Marc-Andre Schmerböck, Dario Maresic, Bright Edomwonyi, Konditionstrainer Walter Niederkofler, Tormanntrainer Stefan Loch, Scout Imre Szabics
3. Reihe von links: Sandi Lovric, Mannschaftsärztin Tina Köppel-Klepp, Physiotherapeut Josef Flicker, Zeugwart Simo Maric, Masseur Gerhard Wallner,Reha und Athletiktrainer Bernd Prorok, Masseur Gerhard Hierzer, Andreas Gruber
4. Reihe von links: Uros Matic, Lukas Spendlhofer, Simon Piesinger, Roman Kienast, Christian Schoissengeyr, Charalampos Lykogiannis, Deni Alar, James Jeggo.
    foto: apa/scheriau

    Die Sturm 2016/17

    1. Reihe von links: Marko Stankovic, Sascha Horvath, Philipp Huspek, Tobias Schützenauer, Christian Gratzei, Fabian Ehmann, Romano Schmid, Lukas Skrivanek, Kristijan Dobras

    2. Reihe von links: Trainer Franco Foda, Co-Trainer Thomas Kristl, Geschäftsführer Sport Günter Kreissl, Marvin Potzmann, Marc-Andre Schmerböck, Dario Maresic, Bright Edomwonyi, Konditionstrainer Walter Niederkofler, Tormanntrainer Stefan Loch, Scout Imre Szabics

    3. Reihe von links: Sandi Lovric, Mannschaftsärztin Tina Köppel-Klepp, Physiotherapeut Josef Flicker, Zeugwart Simo Maric, Masseur Gerhard Wallner,Reha und Athletiktrainer Bernd Prorok, Masseur Gerhard Hierzer, Andreas Gruber

    4. Reihe von links: Uros Matic, Lukas Spendlhofer, Simon Piesinger, Roman Kienast, Christian Schoissengeyr, Charalampos Lykogiannis, Deni Alar, James Jeggo.

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