Finanzkommunikation: Nichts geht über den direkten Draht

24. Juli 2016, 11:23
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Für Finanzvorstände ist direkte Kommunikation mit Geldgebern das wichtigste Mittel, um Finanzierungen zu sichern und niedrige Kosten beizubehalten

Wien – Auch in der Finanzkommunikation gilt: Vertrauen ist eine der härteren Währungen. Das Informationsbedürfnis der Geldgeber ist in den vergangenen Jahren dank Finanzkrise und größerer Unsicherheiten am Markt gewachsen. Eine Aufgabe, der sich die Finanzvorstände von Unternehmen, auch bekannt als CFO, seit geraumer Zeit stellen müssen.

In einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger und der HHL Leipzig Graduate School of Management wurden 45 Finanzvorstände großer Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum zu ihren Erfahrungen in der Finanzkommunikation befragt.Wesentliches Ergebnis der Studie: Die Bedeutung von persönlicher Kommunikation mit Investoren und Geldgebern nimmt zu, standardisierte Kommunikationsformen, wie Geschäftsberichte oder Informationen zu Investors Relations auf der Website eines Unternehmens hingegen werden als weniger wirksam eingeschätzt.

Zwei Drittel der Befragten investieren mehr als zehn Prozent ihrer Arbeitszeit in den direkten Austausch mit ihren Geldgebern. Kurz gesagt: Je unmittelbarer der Kontakt, also im direkten Gespräch, bei einer Roadshow oder einem Investorenmeeting, desto größer wird die Wirkung eingeschätzt.

"Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass diese Kommunikation keine Einbahnstraße ist", sagt Matthias Holzamer, Mitautor der Studie und Partner bei Roland Berger. Der CFO könne Feedback und Einblicke in den Markt erhalten. "Im aktuellen Umfeld zunehmender Volatilität, ist es wichtig, schnell ein Ohr am Markt zu haben, Entwicklungen zu erkennen und Sensoren für sich ändernde Stimmungen zu haben."

Weiter mit den Banken reden

Neben dem direkten Gespräch mit Investoren, kommt auch der Bankenkommunikation eine nicht unwesentliche Rolle zu. Gerade in Zeiten wie diesen, wo dank Niedrigzinsumfeld die Finanzierung recht einfach funktioniert, sollte sie nicht vernachlässigt werden. "Das Umfeld ist eigentlich ein Paradies für CFOs, die sich fremdfinanzieren wollen. Es ist die Frage, wie lang dieses Umfeld anhält", so Holzamer. Vertrauen bauen Unternehmen vor allem auch dann auf, wenn sie in einfachen Zeiten den Kontakt zur Bank halten und sie mit Informationen versorgen und nicht nur dann, wenn man Geld brauche, sagt Holzamer. Banken ihrerseits blicken vor allem auf Finanzdaten aus der Vergangenheit, sollten aber auch zukunftsorientierte Zahlen einfordern.

Weg vom Zahlenjongleur

Grundsätzlich habe sich die Rolle von Finanzvorständen stark verändert. Bilanzen erstellen, mit Zahlen jonglieren, Budgets verantworten und auf die Kosten schauen. Lange Zeit beschränkte sich die Welt der Finanzvorstände auf die Welt der Zahlen und des Rechnungswesens. Doch: "Keine Vorstandsposition hat sich so radikal verändert, wie die des CFO", sagt Holzamer. Er sei mittlerweile zum Strategen "auf Augenhöhe mit den Vorstandschef" geworden, der nicht nur die Zahlenwelt des Unternehmens beherrscht, sondern auch die strategische Dimension dahinter. Außerdem baue ein CFO sich ein sehr breites Netzwerk mit Investoren und der Bankencommunity auf, sagt Holzamer weiter. Mit dieser Basis würde mittlerweile in Nachbesetzungsfragen oft aus dem CFO der CEO werden. (roda, 24.7.2016)

  • Beim Reden kommen die Leut' zam – egal, ob im direkten Gespräch, per Telefon oder Videokonferenz.
    foto: christian fischer

    Beim Reden kommen die Leut' zam – egal, ob im direkten Gespräch, per Telefon oder Videokonferenz.

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