Republikanischer Parteitag: "Wir befinden uns an einem Abgrund"

18. Juli 2016, 20:58
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Die Krönung Donald Trump’s soll durch nichts gestört werden – Eine kleine Gruppe Delegierter versucht trotzdem dem Unmut in der Partei Gehör zu verschaffen

Die letzte Bastion des Widerstands findet sich im 16. Stock eines verlassenen Hochhauses an der Superior Avenue. Am Ende eines finsteren Ganges, in einem improvisierten Büro läuft Dane Waters zwischen seinen Unterstützern hin und her. Es sind die letzten Stunden, in denen gegen Donald Trump noch etwas ausgerichtet werden kann. Waters Telefon läutet ununterbrochen, ein Delegierter von South Carolina verabschiedet sich, lässt seine Kontaktdaten zurück.

teresa eder
Dane Waters von "Delegates Unbound".

Am Schreibtisch von Dane Waters stapeln sich die Formulare mit Unterschriften. Sie sind das Zünglein an der Waage. Aus sieben Staaten braucht Waters mit seiner Gruppe "Delegates Unbound" eine Mehrheit, um noch für etwas Aufruhr zu sorgen und einen "Roll Call" zu erzwingen, bei dem jeder Delegierte vor der Kamera seine Stimme abgeben muss. "Es ist wie ein Schach-Spiel. Die Trump-Leute versuchen uns bei jedem Zug zu schlagen. Aber wir geben nicht auf", sagt Waters zum STANDARD. Er deutet auf eine neonfarbene Kappe. Man hätte geplant, diese zu nutzen, um im Convention-Center aufzufallen, doch das Team um Trump hätte "zufällig" die gleiche Idee gehabt.

Auch wenn die Revolte nicht aufgeht, die republikanische Partei müsse sich dringend erneuern, sagt Waters. "Wenn es nicht bei diesem Parteitag passiert, dann beim nächsten." Die derzeitige Führung sei eine Antithesis zur Demokratie. Dass man vergangene Woche im Rules Committee die Macht der Delegierten weiter beschnitten hätte, ärgert Waters sichtlich: "Wir befinden uns an einem Abgrund, das heißt, eine Veränderung steht kurz bevor."

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Die Halle, in der der Parteitag der Republikaner abgehalten wird, füllt sich langsam.

Auf der Bühne der Quick Loans Arena sieht man das anders. Die Singing Angels eröffnen am Montagnachmittag den Parteitag mit der amerikanischen Hymne, der Pledge of Allegiance wird vorgetragen.

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Patriotismus wird am Parteitag großgeschrieben.

Reince Priebus peitscht das Programm durch und will keine Zweifel aufkommen lassen, wer hier zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wird. Er ignoriert die Nay-Rufe aus den Delegationen zur Änderung des Parteitagsregelwerks und ruft zur Tagesordnung. Donald Trump soll so schnell wie möglich der Weg bereitet werden.

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Perfekte Inszenierung: Trump soll so schnell wie möglich gewählt werden.

(Teresa Eder aus Cleveland, 18.7.2016)

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