Japanischer Milliardendeal mit dem britischen "Austro-Chip"

18. Juli 2016, 16:23
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Der Österreicher Hermann Hauser hat den Chipriesen ARM gegründet. Nun legt Softbank knapp 30 Milliarden Euro hin

London/Wien – Dass Chipgiganten wie Intel kaum Platz im Handy finden, hat einen Grund: Er heißt Hermann Hauser. Der Österreicher, Kogründer des nicht allzu erfolgreichen PCs Acorn, gliederte die Halbleiterentwicklung 1990 aus dem britischen Unternehmen aus. Der unter ARM (Advanced RISC Machine) laufende Spin-off, an dem auch Apple beteiligt war, breitete sich rasch bei Druckern und in der Unterhaltungselektronik aus. Der weltweite Durchbruch kam dann – nicht zuletzt wegen des geringen Stromverbrauchs der Prozessoren – mit dem Vormarsch der Smartphones und Tablets.

Hauser ging mit dem Verkauf von Acorn an Olivetti als Forschungsleiter zum italienischen Konzern, später gründete er mehrere Unternehmen und trug wesentlich zum Boom der Gründerszene in Cambridge bei, wo der Physiker auch seinen Doktortitel erwarb. Apple wiederum verdankt ARM viel. Ohne den Verkauf seiner Anteile am Prozessorspezialisten wäre der US-Konzern möglicherweise nicht der Krise entwischt.

Lizenz statt Produktion

Der Tiroler Hauser erachtet das Geschäftsmodell von ARM als Grundstein für den Erfolg. Während beispielsweise Intel Chips produziert, lizenzieren die Briten. Sie entwerfen Chip-Architekturen, auf die sie dann Lizenzen an Hersteller verkaufen oder auch an die Geräteproduzenten wie Apple und Samsung, die auf dieser Basis eigene Prozessoren entwickeln.

Nun wird ARM japanisch. Am Montag hat der auf Mobilfunk und Onlineplattformen spezialisierte Konzern Softbank die Übernahme des Prozessorgiganten um umgerechnet knapp 30 Milliarden Euro angekündigt. Für Softbank ist es das erste große Investment in der Halbleiterbranche. Allerdings ist das rasante Wachstum in der Smartphonebranche vorüber, sodass sich das Unternehmen neue Gebiete erschließen will. In diesem Jahr kaufte ARM etwa den britischen Bildverarbeitungsspezialisten Apical. Die Firma entwickelt unter anderem Software, mit der Computer Fotos analysieren können.

Internet der Dinge

Auch Softbank orientiert sich derzeit um und will stärker auf Investments in Hightech-Unternehmen setzen. Dafür hat Firmengründer Masayoshi Son seinen eigentlich geplanten Rückzug aus der Unternehmensspitze abgesagt. Ausschlaggebend für den Strategiewechsel sind laut seinen Worten Trends wie künstliche Intelligenz oder die zunehmende Vernetzung von Autos, Gebäuden oder Hausgeräten – das "Internet der Dinge".

Softbank hatte in den vergangenen Monaten Anteile etwa am chinesischen Amazon-Konkurrenten Alibaba verkauft und damit umgerechnet mehr als 17 Milliarden Euro eingenommen. Experten gingen zunächst davon aus, dass Son mit dem Geld Schulden tilgt oder den Aktienkurs von Softbank mithilfe eines Rückkaufs von Anteilsscheinen auf die Sprünge hilft. Der Konzern hatte im Jahr 2013 die Mehrheit am verlustreichen US-Mobilfunker Sprint für 22 Milliarden Dollar übernommen. Der Schuldenberg lastet noch heute auf den Japanern.

Vertrauensbeweis für Briten

Die britische Regierung wertete die Übernahme als Vertrauensbeweis. "Nur drei Wochen nach dem Referendum zeigt sich, dass Großbritannien bei internationalen Investoren nichts von seiner Attraktivität eingebüßt hat", sagte der neue Finanzminister Philip Hammond. Auch Premierministerin Theresa May wertete den Deal als Beleg dafür, dass die britische Wirtschaft auch nach dem Referendum erfolgreich sein kann.

Nach dem Votum der britischen Wähler für einen Austritt aus der EU sind Befürchtungen aufgekommen, dass Großbritannien als Wirtschaftsstandort stark leiden könnte. Einige Volkswirte sagen dem Königreich für das kommende Jahr eine Rezession voraus. Banken haben damit gedroht, Stellen aus London zu verlagern, falls das Land seine Mitgliedschaft im Europäischen Wirtschaftsraum verliert. "Ich bin das Gegenstück dazu", sagte Softbank-Gründer Son. "Ich glaube ganz fest an Großbritannien." Das Brexit-Votum habe seine Entscheidung nicht beeinflusst. Er versprach, die Stellenzahl in Cambridge zu verdoppeln. Die Anleger setzen auf die Story, ARM-Aktien legten massiv zu und beflügelten auch andere Chipwerte. (as, Reuters, 19.7.2016)

  • Softbank-Chef Masayoshi Son macht ARM-Chairman Stuart Chambers auf die zentralen Vereinbarungen aufmerksam. Die beiden Partner hatten sich zuvor den Segen des britischen Finanzministers für den Deal geholt. Für London ist die Übernahme von ARM Balsam auf die Wunden nach dem Brexit-Votum, wird sie doch als Beleg für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts auch nach einem EU-Austritt gesehen.
    foto: afp / niklas hallen

    Softbank-Chef Masayoshi Son macht ARM-Chairman Stuart Chambers auf die zentralen Vereinbarungen aufmerksam. Die beiden Partner hatten sich zuvor den Segen des britischen Finanzministers für den Deal geholt. Für London ist die Übernahme von ARM Balsam auf die Wunden nach dem Brexit-Votum, wird sie doch als Beleg für die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts auch nach einem EU-Austritt gesehen.

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