"Braunschlag": Maria schlägt zurück

18. Juli 2016, 15:19
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Die TV-Serie existiert nun auch im Theaterformat. Die Uraufführung von Stefan Vögels Bühnenadaption beim Filmhof Weinviertel geriet mau

Asparn an der Zaya – Der Madonna spritzt Blut im weiten Bogen aus den Augen. Wenn das kein Zeichen ist für einen salbungsvollen Ort! Braunschlag, die kleine Waldviertler Gemeinde, hat jede Zuwendung bitter nötig. Unklug investierte Bürgermeister Tschach; das Casino in Tschechien ist ein Flop. Auch der örtlichen Polizei kann geistige Unterstützung nicht schaden. Die beiden Sheriffs schreiten im Bundesbeamtenblues, die Hände in den Hosentaschen, über den bunten Pappkarton-Marktplatz. Die Zeiger der Kirchturmuhr drehen sich vor idyllisch gemalter Niederösterreich-Kulisse wie von Zauberhand. Doch arg wenig Glück bringt die Gottesmutter ...

David Schalkos TV-Serie Braunschlag (2012) existiert nun auch im Theaterformat. Autor und Kabarettist Stefan Vögel hat die acht Folgen um zwei halbseidene Dorfkaiser (wacker: Manuel Witting und Christian Strasser) für das Sommertheater des Filmhofs Weinviertel eingedampft. In Hakon Hirzenbergers Trash-Inszenierung begegnen sich die acht Protagonisten in Kurz- und Kürzestszenen, um ihren Grundproblemen (Untreue, Erbschleicherei etc.) erschrocken ins Auge zu blicken. Der Schmäh kommt in dieser Nummerndramaturgie aber rasch zum Erliegen, man büßt den Spirit des Originals ein.

Braunschlag gerät so zum kabarettistisch anmutenden, grob zusammengeschnittenen Zweistünder. Die Witze sind arg abgegriffen und werden doch breitgewälzt. Je zwingender sie in Erscheinung treten, umso fahler wirken sie: Angelika Niedetzky als Tennis-Pupperl; David Wurawa als Lederhosen-Hochwürden. Der eigentliche Wert der Serie geht verloren: der aus genialen Schauplätzen generierte Grenzlandgroove, die Milieustudie, das ganze "Fleisch" des Gemeindelebens, das gerade durch Vielstimmigkeit kenntlich wird.

Durch die Verortung in Niederösterreich ("Liebe Grüße vom Onkel aus St. Pölten") war es gewiss verlockend, den kultigen Serienstoff ins hiesige Sommertheaterprogramm zu integrieren. Diese abendfüllende Kurzfassung war aber noch nicht die Lösung. (Margarete Affenzeller, 18.7.2016)

Filmhof Weinviertel, Asparn a. d. Zaya, im wetterfesten Stadl, jeweils 20 Uhr, bis 20.8.

  • Im Braunschlag aus Pappe (Bühne: Reinhard Taurer) gibt's handfeste Probleme.
    foto: martin hesz

    Im Braunschlag aus Pappe (Bühne: Reinhard Taurer) gibt's handfeste Probleme.

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