Junge und Sex: Offen, aber teilweise schlecht informiert

18. Juli 2016, 15:19
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Nur 28 Prozent der Jungen glauben, genug über sexuell übertragbare Krankheiten zu wissen. Eine Minderheit sieht sich als strikt heterosexuell

Wien – Junge Frauen und Männer in Österreich könnten besser über Geschlechtskrankheiten informiert sein – das sagen sie selbst. Laut einer Befragung von 300 16- bis 30-Jährigen fühlen sich nur 28 Prozent "sehr gut" über sexuell übertragbare Krankheiten informiert. 22 Prozent geben ihren Wissensstand mit "teils, teils" und vier Prozent mit "eher schlecht" bis "sehr schlecht" an.

Die Zahl der Infektionen mit Geschlechtskrankheiten (exklusive HIV/Aids) steigt seit dem Jahr 2000 nahezu stetig. Jugendministerin Sophie Karmasin (ÖVP), die die Studie in Auftrag gegeben hat, ortet "Nachschulungsbedarf".

Offen fürs gleiche Geschlecht

In der Studie wurden junge Menschen auch zu ihrer sexuellen Identität und ihren Einstellungen zu Sexthemen befragt. Demnach scheint Liebe zwischen Frau und Frau, Mann und Mann oder anderen Geschlechtstypen weniger verpönt zu sein, als es manche Ältere vermuten würden. Eine Minderheit der Jungen, nämlich 42 Prozent, gibt an, sich nur für das jeweils andere Geschlecht zu interessieren. 35 Prozent sagen, sie können sich überhaupt nicht vorstellen, mit einer Person desselben Geschlechts Sex zu haben, wobei dieser Vorbehalt bei jungen Männern mit 37 Prozent etwas ausgeprägter ist als bei jungen Frauen (32 Prozent).

Acht Prozent geben an, sie hätten noch nie eine Gelegenheit zu gleichgeschlechtlichem Sex gehabt, würden es aber gern einmal ausprobieren. Dass sich Schwule oder Lesben in der Öffentlichkeit als Liebespaar outen, lehnen fünf Prozent der Befragten "komplett" ab, 40 Prozent finden das hingegen "sehr gut" und 14 Prozent "eher gut". 16 Prozent der Jungen halten die übliche Unterteilung in "männlich" und "weiblich" – und somit das Fehlen eines dritten Geschlechts – für nicht ausreichend.

Gewalt und Schmerzen

Befragt zu Sexerfahrungen, sagt jede fünfte junge Frau, beim ersten Sex Schmerzen empfunden zu haben, zehn Prozent der weiblichen Befragten bezeichnen das erste Mal sogar als "schrecklich", neun Prozent hätten sich überrumpelt gefühlt, und drei Prozent seien sogar zum ersten Sex gezwungen worden. Sex ohne Zustimmung kommt bei jungen Männern seltener, aber ebenfalls vor. Ein Prozent der Befragten berichtet von Zwang beim ersten Mal. In puncto Verhütung bleibt die Studie vage: 87 Prozent hätten beim ersten Sex verhütet – welche Art von Verhütung es war, ob Schutz vor Schwangerschaft oder Infektion, ob sicher oder riskant, habe man aber nicht abgefragt, gesteht Karmasin.

Aufklärung zu Fragen rund um Sex und Verhütung soll die Broschüre "Erster Sex und große Liebe" des Jugendministeriums bieten. Der Nachfolger des 2012 erschienenen Folders "Love, Sex und so" ist zwar deutlich dünner als sein Vorgänger und bietet weniger Infos bezüglich Verhütung, dafür behandelt er das Thema Sex nicht mehr primär aus heterosexueller Sicht. Die Broschüre ist bei allen Jugendinfos erhältlich und kann hier heruntergeladen werden. Für Schulklassen und Gruppen bietet das Jugendministerium zudem sogenannte "Sextalks" an. (Maria Sterkl, 18.7. 2016)

  • Eine Minderheit der Jungen, nämlich 42 Prozent, gibt an, sich nur für das jeweils andere Geschlecht zu interessieren.
    foto: apa/kahnert

    Eine Minderheit der Jungen, nämlich 42 Prozent, gibt an, sich nur für das jeweils andere Geschlecht zu interessieren.

  • Die Erhebung "Jugend und Sexualität", durchgeführt von Mindtake im Auftrag des Bundesministeriums für Familien und Jugend.

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