Epic-Chef: Konsolen werden immer mehr wie PCs

18. Juli 2016, 14:17
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Games-Veteran Tim Sweeney erfreut über Xbox Scorpio und PS4 Neo – schätzt, dass Weg zu Fotorealismus noch lange dauern wird

Etwa drei Jahre nach ihrem Marktstart werden die aktuellen Konsolen von Microsoft und Sony bald eine Auffrischung erhalten. Die PS4 Neo und Xbox Scorpio sollen die Plattformen für 4K-Bildschirme machen, aber auch eine bessere Basis für Virtual Reality liefern. Ein Schritt, der durchaus kontrovers debattiert wird, fürchten doch Käufer der ersten Generation der Konsolen, entgegen der Beteuerungen der Hersteller vielleicht bald ein veraltetes Produkt zu besitzen.

Das Upgrade definitiv für einen sinnvollen Schritt hält Tim Sweeney, Mitgründer und Chef der Spieleschmiede Epic Games ("Unreal", "Paragon"). Er sprach mit Gamespot über die Entwicklung der Branche und den langen Weg zum Fotorealismus in Spielen.

Konsolen gehen Richtung PC

Seiner Ansicht nach entwickeln sich Konsolen in Zukunft immer mehr hin zum Modell des PCs. Neuere, stärkere Versionen von Xbox und Co. würden die gleichen Games bieten, wie ältere Modelle. Jedoch wird sich die grafische Darstellungsqualität je nach Leistungsfähigkeit unterscheiden.

Xbox 360 und Playstation 3 war eine Lebensdauer von gut acht Jahren vergönnt. Hergestellt werden sie zwar noch, das Angebot an neuen Spielen – insbesondere Blockbuster-Titeln – schrumpft aber zusehends.

Kein Neuaufbau der Spielerbasis mehr

Für die Industrie sei der Schritt zu einem Upgrade zur Hälfte der üblichen Konsolenlebensdauer gut. Denn durch ein solches Modell könnten die Hersteller ihre bestehende Spielerbasis weiter pflegen und ausbauen. Bei einem Neustart, wie er bisher immer mit neuen Gerätegenerationen erfolgt ist, müssen man diese Basis erst wieder mühsam erarbeiten.

Es dürfte noch zehn Jahre oder länger möglich sein, ältere und neuere Iterationen der gleichen Konsole parallel mit den gleichen Spielen laufen zu lassen. Programmiertechnisch ließen sich Games dafür ausreichend in ihren Anforderungen skalieren. Bei Spiele-PCs wird dies schon länger so praktiziert.

Eingeschränkter Fotorealismus bereits möglich

Auch in Hinsicht auf die grafische Entwicklung wagt Sweeney eine Prognose: Bis handelsübliche Rechner fotorealistische Spielegrafik wiedergeben können, dürfte es demnach noch einige Jahre dauern. Mit heutiger Hardware ist es möglich, fotorealistische Szenen zu schaffen, solange keine Menschen darin vorkommen und die Beleuchtung statisch ist.

Will man allerdings komplexere Umgebungen in täuschender Echtheit abbilden, die neben dynamischer Lichtgebung auch noch Wasser-Reflexionen und ähnliches darbieten sollen, sei bedeutend leistungsfähigere Hardware notwendig. Er schätzt die notwendige Rechenpower für diesen Meilenstein auf 40 Teraflops ein, also 12 Billionen Gleitkommastellenoperationen pro Sekunde.

Langer Weg durchs "Uncanny Valley"

Zum Vergleich: Die aktuelle Playstation 4 bietet ein Leistungspotenzial von 1,8 Teraflops. Nvidias derzeit stärkste Consumer-Grafikkarte, die Geforce GTX 1080, schafft es auf neun Teraflops. Das Knacken der 40-Teraflop-Marke sei allerdings erst der Anfang. Um Menschen fotorealistisch abzubilden, seien noch mehr Ressourcen notwendig.

Schon heute kennt man das Phänomen, auf dem Computer entworfene Lebewesen zu betrachten, die auf den ersten Blick real erscheinen, aber aufgrund mancher Details immer noch als künstlich erkennbar sind. Bei manchen Menschen löst dies ein beunruhigendes Gefühl aus. Im englischsprachigen Raum wird dieser "Graubereich" zwischen sehr guter, aber klar identifizierbarer Computergrafik und Fotorealismus in Bezug auf die Darstellung von Menschen oft als "Uncanny Valley" ("Unheimliches Tal") bezeichnet, ein Begriff, den ursprünglich der japanische Robotiker Masahiro Mori geprägt hat. (gpi, 18.07.2016)

  • Sony und Microsoft dürften dem klassischen Konsolenzyklus abschwören.
    foto: reuters

    Sony und Microsoft dürften dem klassischen Konsolenzyklus abschwören.

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