Großbritannien strebt zahlreiche Handelsabkommen an

18. Juli 2016, 10:05
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Gespräche mit Australien und Kanada – USA werden besonders wichtig für May-Regierung

London – Die neue britische Regierung unter Theresa May bereitet nach dem Brexit-Votum Freihandelsabkommen mit mehren Ländern vor. Das Büro der Premierministerin teilte am Sonntag mit, der australische Regierungschef Malcolm Turnbull sei so schnell wie möglich an einer Vereinbarung interessiert. Das sei das Ergebnis eines Gesprächs vom Wochenende.

Großbritanniens Handelsminister Liam Fox kündigte in der Zeitung "Sunday Times" auch Neuverhandlungen mit anderen Partnerländern an. Dazu werde er bald in die USA reisen. Mit Kanada habe er bereits am Freitag "sehr erfolgreiche" Gespräche geführt. Fox strebt rund ein Dutzend Vereinbarungen mit Staaten außerhalb der EU an. Sie sollen stehen, wenn die weltweit fünftgrößte Volkswirtschaft die EU verlässt.

Als Teil der Europäischen Union profitiert die Insel vom gemeinsamen Binnenmarkt und den Handelsabkommen mit wichtigen Partnern in Amerika und Asien. Die Scheidung von der EU dürfte mehrere Jahre dauern. In dieser Zeit will die Regierung in London die Weichen stellen, um neue Handelsabkommen auszuarbeiten. Der neue Brexit-Minister David Davis sagte Sky News, Großbritannien werde weiter Zugang zum europäischen Binnenmarkt haben. Die Frage sei, ob dies ohne Zölle funktioniere. "Ich denke ja, das ist es, was wir anstreben."

Wichtiger Deal mit den USA

Besonders wichtig ist den Briten auch ein Deal mit den USA. Deren Präsident Barack Obama hatte für den Fall eines EU-Ausstiegs gewarnt, dann würde sich Großbritannien am "Ende der Warteschlange" wiederfinden. Die USA würden zunächst ein Abkommen mit "dem größten Handelspartner – dem europäischen Markt" anstreben, hatte Obama, der allerdings im Jänner 2017 aus dem Amt scheidet, im April gesagt.

Die Mehrheit der Briten lehnt einer Umfrage zufolge eine neuerliche Abstimmung über die EU-Mitgliedschaft ab. 57 Prozent sprachen sich gegen ein zweites Brexit-Referendum aus, wie aus einer ComRes-Studie für die Zeitungen "Sunday Mirror" und "Independent" hervorgeht, die am Samstag veröffentlicht wurde. Die neue Premierministerin von den Konservativen soll der Umfrage nach den Austritt vorantreiben, ohne vorher Neuwahlen anzusetzen: 46 Prozent sprachen sich gegen einen Urnengang aus, 38 Prozent dafür.

Bei dem Referendum am 23. Juni hatten 52 Prozent für den Brexit gestimmt. Viele EU-Anhänger hatten daraufhin eine neuerliche Abstimmung gefordert. Inzwischen haben vier Millionen Menschen eine entsprechende Petition unterzeichnet. Allerdings hat May das bereits ausgeschlossen. Kritische Stimmen dazu kamen aus der Opposition. Owen Smith, einer der drei Kandidaten für den Vorsitz der Labour Party, forderte in der BBC weitere Gespräche: "Ich denke nicht, dass wir akzeptieren sollten, definitiv auf dem Weg nach draußen zu sein." Labour-Politikerin Angela Eagle, die sich ebenfalls um den Vorsitz bewirbt, forderte einen Brexit-Konsens aller Parteien. (APA, 18.7.2016)

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