Ungleiche HIV-Last auf der Welt

18. Juli 2016, 09:57
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Das einst todbringende Virus lässt sich heute durch Medikamente in Schach halten – doch längst nicht alle Menschen haben Zugang

Wie ist der Kampf gegen HIV und Aids bis 2030 endgültig zu gewinnen? Auf der Suche nach Antworten treffen rund 18.000 Forscher, Aktivisten und Regierungsvertreter in Südafrika zur Welt-Aids-Konferenz zusammen. Gegenwärtig infizieren sich jährlich noch rund 2,1 Millionen Menschen mit dem HI-Virus.

In Zentralasien und Osteuropa stieg die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen Jahren sogar stark an. Weltweit sterben jedes Jahr etwa 1,1 Millionen Menschen an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids, zumeist in Afrika. "Es gibt viel Zuversicht, dass wir endlich die nötigen Werkzeuge haben, die Aids-Epidemie unter Kontrolle zu bringen", sagte der Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft (IAS), Chris Beyrer. "Aber es ist viel zu früh, um einen Sieg zu verkünden."

Zur Eröffnung der einwöchigen Konferenz in der Hafenstadt Durban wird UN-Generalsekretär Ban Ki Moon erwartet. Auch mehrere Prominente, die sich im Kampf gegen HIV engagieren, werden an der Konferenz teilnehmen: der britische Prinz Harry, der Sänger Elton John und die Schauspielerin Charlize Theron etwa.

Zugang zu Medikamenten

Anfang Juni legte sich die internationale Gemeinschaft darauf fest, die Aids-Epidemie bis 2030 beenden zu wollen. Wie dieses Ziel erreicht werden kann, wird ein zentrales Thema der Konferenz sein. Ein wichtiger Ansatz ist, allen HIV-positiven Menschen Zugang zu den lebensrettenden Viren hemmenden Medikamenten zu verschaffen. Sie verhindern den Ausbruch von Aids und können das Ansteckungsrisiko vermindern. Gegenwärtig bekommen von weltweit 37 Millionen HIV-positiven Menschen nur 17 Millionen solche Medikamente.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Prävention. Hier müssen nach Ansicht von Experten die Anstrengungen verstärkt werden: Die Zahl der weltweiten Neuinfektionen sei zuletzt nur noch marginal gesunken. Besonders Risikogruppen müssen demnach gezielter informiert werden. In Osteuropa sind das zum Beispiel Drogenabhängige und Männer, die Sex mit Männern haben.

In Südafrika sehen viele Experten vor allem sexuell aktive Mädchen und Frauen bis zu 25 Jahren als Risikogruppe. "Jugendliche Mädchen und junge Frauen zu erreichen, vor allem in Afrika südlich der Sahara, wird ein Schlüsselfaktor zum Beenden der Aids-Epidemie sein", erklärt die Anti-Aids-Organisation der Vereinten Nationen (UNAIDS). Im Gastland der Konferenz leben mit sieben Millionen Menschen besonders viele HIV-Positive – jeder Fünfte zwischen 15 und 49 Jahren gilt als infiziert.

Vorsorge besser als Nachsorge

Ein wichtiges Thema der Tagung werden auch neue Medikamente sein, die bei täglicher Einnahme eine Infektion mit HIV verhindern können. Eine der offenen Fragen ist, ob nur Risikogruppen oder weitere Teile der Bevölkerung die sogenannte Präexpositionsprophylaxe (PrEP) nutzen sollten. In Österreich oder Deutschland sind solche Medikamente bisher nicht zugelassen, in Südafrika werden sie bereits kostenlos an Prostituierte ausgegeben.

Experten werden bei der Konferenz auch über den Fortschritt bei der schwierigen Suche nach einer vorbeugenden Impfung und einem Heilmittel sprechen. Bisher kann das Virus im Körper nur in enge Schranken verwiesen, aber nicht komplett vernichtet werden. (APA, 18.7.2016)

  • Eine HIV-Infektion ist keine tödliche Krankheit mehr, sondern chronifiziert. Voraussetzung: Medikamente müssen verfügbar sein.
    foto: afp

    Eine HIV-Infektion ist keine tödliche Krankheit mehr, sondern chronifiziert. Voraussetzung: Medikamente müssen verfügbar sein.

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