Dominic Thiem will die Gams

18. Juli 2016, 10:13
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In Kitzbühel wird wieder Tennis gespielt. Turnierdirektor Antonitsch setzt langfristig auf Dominic Thiem, der aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten die Zuschauer raunen lässt

Kitzbühel/Wien – Alexander Antonitsch ersucht höflichst darum, "die Dinge positiv zu sehen". Zum sechsten Mal ist der 50-Jährige Turnierdirektor in Kitzbühel, und er sagt, "dass es immer besser wird. Weil wir unsere Hausaufgaben erledigen." Die Veranstaltung ist 2010 scheintot gewesen. Man hatte die ATP-Lizenz verloren, der vom Reichtum gesegneten Stadt schien Tennis wurscht zu sein, ein billiger Challenger reichte.

Im davor zerstrittenen Tennisklub kam man überein, an einem Strang zu ziehen, und so gab es 2011 ein Comeback. Antonitsch wurde der Direktor, das Aushängeschild, schließlich kennt er die Branche und die Welt. "Man wollte das Turnier nicht sterben lassen. Ein weiser Entschluss."

250

Die Generali Open sind schon einmal größer gewesen. Nun zählen sie zur 250er-Kategorie, dotiert sind sie mit 520.000 Euro, budgetiert mit 2,5 Millionen. Der Sieger kassiert 82.450 Euro. Und der sollte oder könnte diesmal Dominic Thiem heißen, jedenfalls ist der 22-jährige Niederösterreicher topgesetzt. Hinter dem Weltranglisten-Neunten klafft eine Lücke, ihm folgen Titelverteidiger Philipp Kohlschreiber und Marcel Granollers, die Nummern 22 und 45.

Antonitsch verweist auf die parallel in Umag, Gstaad und Washington stattfindenden Turniere. "Die haben keine bessere Besetzung, im Gegenteil." Der Kalender sei suboptimal ("eine Dummheit"), die Topstars haben Olympia und die Hartplatzsaison in Nordamerika im Kopf, die Lust auf Sand ist begraben. Antonitsch könnte natürlich an Größen wie Roger Federer oder Rafael Nadal denken, mangels Sinnhaftigkeit lässt er es bleiben. 2019 soll die Tour reformiert werden. "Warten wir ab, ob Kitzbühel aufgewertet wird."

Thiem ist der Ticketseller. Logischerweise lässt er sich sein Antreten entlohnen, über Startgelder spricht Antonitsch aber nicht. "Es ist ein fairer Vertrag. Wir haben uns nicht in eine Abhängigkeit begeben." Man solle lieber froh sein, "dass wir in Österreich wieder einen absoluten Topmann haben. Jahrelang haben wir gesudert und darauf gewartet." 2011 hat Thiem in Kitz sein allererstes ATP-Match bestritten, eine Art Liebesbeziehung ist entstanden, seither sind sieben Turniersiege und das Halbfinale der French Open vergangen. Allein in dieser Saison hat er 1,9 Millionen Dollar Preisgeld verdient. Antonitsch ist restlos begeistert. "Thiem ist das Meisterwerk von Günter Bresnik."

Das Meisterwerk

Trainer Bresnik hat bisher 27 Spieler in die Top 100 geführt. "Aber keiner war annähernd so gut wie Dominic. Er ist jung, hat zehn oder mehr Jahre vor sich." Die Konsequenz, der Wille, die Disziplin, das Talent, die Qualität der Schläge seien phänomenal. "Es hat schon lange nicht einen Spieler mit so einer attraktiven Spielweise gegeben. Während der Ballwechsel wird gestaunt, man hört im Publikum ein Raunen." Ein frühes Scheitern von Thiem wäre, so der Direktor, unerfreulich. "Es ist aber kein Horrorszenario. Horror ist, was derzeit auf der Welt passiert."

Thiem litt an einer Stirn- und Nebenhöhleneiterung, seit Freitag ist er wieder voll im Training. Die erste Runde hat er dank eines Freiloses überstanden, am Mittwoch wartet Jürgen Melzer oder der Japaner Taro Daniel. "Die Pause war vielleicht gar nicht so schlecht. Das ganze System ist ein bisserl zusammengefallen. Aber jetzt ist das Supergefühl wieder da. Natürlich ist der Turniersieg mein Ziel, ich will in meiner Karriere mindestens einmal die große Gams holen." Alexander Antonitsch hat keine Zweifel. (Christian Hackl, 18.7.2016)

  • Dominic Thiem fehlt noch ein Turniersieg in Österreich. Das möchte er nun in Kitzbühel ändern.
    foto: apa/punz

    Dominic Thiem fehlt noch ein Turniersieg in Österreich. Das möchte er nun in Kitzbühel ändern.

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