9/11-Bericht lässt die alten Fragen weiterhin offen

17. Juli 2016, 19:28
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28 bisher unter Verschluss gehaltene Seiten zur Rolle von Saudis freigegeben

Washington – Der US-Kongress hat am Freitag die geheimnisumwobenen 28 Seiten des offiziellen Berichts über die Attentate vom 11. September 2001 veröffentlicht, in denen potenzielle Verbindungen der Täter zu Offiziellen in Saudi-Arabien angesprochen werden. Saudi-Arabien hat die Veröffentlichung begrüßt und die Angelegenheit für erledigt erklärt. Außenminister Adel al-Jubair, der sich in Washington aufhielt, sagte in einer Pressekonferenz, der Bericht habe Saudi-Arabien entlastet.

Besonders Hinterbliebene der 9/11-Opfer hatten auf die Veröffentlichung gedrängt – und auf einen Gesetzesentwurf, der die juristische Verfolgung saudischer Offizieller in den USA wegen Beteiligung an 9/11 erlauben würde.

Tatsächlich ist man jedoch nach der Lektüre der 28 Seiten nicht viel klüger als zuvor: Einiges ist geschwärzt, die Fragen bleiben, es wurde ausdrücklich festgehalten, dass die angeblichen Verbindungen, auf die im Bericht verwiesen wird, nicht verifiziert wurden. Aber jene, die an die Verbindungen glauben, werden dies auch weiterhin tun.

Fünfzehn der 19 Attentäter von 9/11 waren saudi-arabische Bürger. "Laut diversen FBI-Dokumenten und einem CIA-Memorandum", steht im Bericht zu lesen, "hatten einige der Flugzeugentführer, während sie sich in den USA aufhielten, Kontakte zu Personen, die vielleicht in Verbindung mit der Regierung Saudi-Arabiens standen." Im Bericht sind diese Fälle aufgelistet: Dazu gehören Kontakte zwischen Saudi-Arabern in Kalifornien, mögliche Überweisungen von Mitgliedern der saudischen Königsfamilie an die Attentäter sowie die Behauptung, dass ein Beamter des saudi-arabischen Innenministeriums im gleichen Hotel in Virginia abgestiegen ist wie einer der Flugzeugentführer.

Enthalten ist auch der Bericht, dass Omar al-Bayoumi, angeblich ein saudi-arabischer Geheimdienstler, zwei der Täter getroffen habe, nachdem sie in San Diego eingetroffen waren. Laut FBI war sein Gehalt zwei Monate, nachdem die beiden in Kalifornien eingetroffen waren, von 465 auf 3700 Dollar gestiegen.

Das Büro der US National Intelligence hielt fest, dass die Freigabe der 28 Seiten nicht bedeute, dass es die Schlussfolgerungen teile, denen zufolge es Verbindungen gegeben habe. In einem anderen Bericht, der beurteilen sollte, ob Riad vor oder nach 9/11 Al-Kaida unterstützt habe, heißt es, dass die saudische Regierung und etliche saudische Institutionen von Sympathisanten Osama Bin Ladens infiltriert waren, die sich ihrer bedienten. (red)

B I L D U N T E R S C H R I F T: Riad sieht sich durch Bericht über 9/11-Hintergründe entlastet.

Foto: AP

(18.7.2016)
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