Trump hofft auf eine runde Krönungsmesse

18. Juli 2016, 06:00
104 Postings

Der Aufstand gegen Donald Trump als Präsidentschaftskandidat der Republikaner scheint im Sand zu verlaufen. Beim Parteitag in Cleveland werfen sich aber kaum prominente Parteikollegen für ihn in die Schlacht

Vor vier Jahren, als sich die Republikaner in Tampa zu ihrem Wahlparteitag versammelten, war es eigentlich nur die bizarre Vorstellung eines gealterten Schauspielers, die im Gedächtnis haften blieb: Clint Eastwood, der Dirty Harry der Leinwand, stahl dem damaligen Präsidentschaftsbewerber mit einer Einlage die Show, die als eine der launigsten in die Chronik der Conventions eingehen dürfte. Er stand auf der Bühne und unterhielt sich minutenlang mit einem leeren Stuhl, auf dem er sich Barack Obama vorstellte. Kaum einer sprach danach noch vom Auftritt des eigentlichen Präsidentschaftskandidaten, des späteren Wahlverlierers Mitt Romney.

So etwas wird nicht passieren, wenn sich die US-Republikaner von heute, Montag, an wieder zu einem Nominierungsparteitag treffen, diesmal in der Quicken Loans Arena in Cleveland. Donald Trump, der Milliardär aus New York, ein Selbstdarsteller mit langer Reality-TV-Erfahrung, wird sich von niemandem die Schau stehlen lassen. Schon die Auswahl der Redner lässt darauf schließen, dass der Rest eher ein Begleitprogramm mit leichter Substanz wird, bei dem es vor allem darum geht, Hillary Clinton, die Kontrahentin des Bauunternehmers, herunterzumachen. Vor 13 Monaten, als der schrille Populist seinen Hut in den Ring warf, schien es noch undenkbar, dass er es sein würde, den die Republikaner im rot-weiß-blauen Konfettiregen ins Rennen ums Weiße Haus schicken.

Angriff abgewehrt

Nun aber steht er als glänzender Sieger da, anfangs sträflich unterschätzt und nun umso selbstsicherer; und wenn nicht alles täuscht, als Herr der Lage. Ein paar hitzige Wortgefechte wird es sicher noch geben, doch mit dem Nervenspiel einer "Contested Convention", eines Parteitags mit dramatischen Kampfabstimmungen, rechnet keiner mehr.

Einen Aufstand der Parteirebellen haben Trumps Leute, angeführt von dem erfahrenen Strippenzieher Paul Manafort, offenbar abgewehrt, bevor er richtig beginnen konnte. Ein Komitee, das die Regeln der Konferenz formuliert, lehnte mit klarer Mehrheit einen Antrag von Gruppen wie "Free the Delegates" ab, nach dem die Delegierten des Parteitags nicht mehr an das Votum der Vorwahlen gebunden sein sollten, sie also einem potenziellen Herausforderer Trumps den Zuschlag hätten geben können. Von einem prominenten Herausforderer, auch das erklärt das Scheitern der Revolte, ist allerdings weit und breit nichts mehr zu sehen.

Vor ein paar Wochen machten Regieszenarien die Runde, laut denen Trump an jedem der vier Kongressabende sprechen werde; es wäre der komplette Bruch mit ungeschriebenen Gesetzen gewesen. Der Kandidat ließ die Spekulationen für eine Weile ins Kraut schießen, dann gab er den Bescheidenen. "Ich möchte nicht, dass die Leute denken, ich betreibe Effekthascherei", sagte er.

Auf der offiziellen Rednerliste ist nun eher B-Prominenz vertreten, aus der höchstens der in Frankfurt am Main geborene Internet-Milliardär Peter Thiel und die Astronautin Eileen Collins ein wenig hervorstechen. Mark Geist und John Tiegen, die im September 2012 den Angriff radikaler Islamisten auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi überlebten, werden Attacken gegen Clinton reiten, damals Außenministerin. Reden wird auch ein früheres Unterwäschemodel: ein Schauspieler namens Antonio Sabato. Bereits vor Wochen hat Trump klargestellt, dass er Wert auf Unterhaltung legt. "Es ist sehr wichtig, einem solchen Kongress Showbiz beizumengen, sonst schlafen die Leute ja ein."

"Lügen-Ted" soll helfen

Auch einige ehemalige Vorwahl-Konkurrenten sollen die Trommel für ihn rühren, etwa der texanische Senator Ted Cruz, von Trump einst als "Lügen-Ted" geschmäht, oder der frühere Hirnchirurg Ben Carson. Am letzten, dem wichtigsten Tag des Konvents dreht sich alles um die Familie. Gattin Melania, Tochter Ivanka, die Söhne Donald und Eric, sie alle dürfen ein Loblied auf den Tycoon singen.

Dass die "Grand Old Party" womöglich auf eine Spaltung zusteuert, zumindest auf eine Sinnkrise, zeigt sich indes an der Reihe der potenziellen Parteitagsgäste, die ihre Teilnahme an der Trump-Gala abgesagt haben. Das Establishment meutert. Weder wollen die beiden noch lebenden republikanischen Ex-Präsidenten, George H. W. Bush und sein Sohn George W. Bush, nach Cleveland reisen noch die beiden letzten republikanischen Spitzenkandidaten vom letzten Mal, John McCain und Mitt Romney. McCain ließ in lakonischer Kürze wissen, er werde im Grand Canyon wandern. Jeff Flake, aufstrebender Senator aus Arizona, sprach vom Rasen, den er mähen müsse. Die Partei, lehnte sich Flake aus dem Fenster, sollte bereit sein, mit Trump zu brechen. (Frank Herrmann aus Cleveland, 18.7.2016)

  • Letzte Handgriffe, bevor ab heute, Montag, in der Quicken Loans Arena in Cleveland (Ohio) der republikanische Parteitag über die Bühne geht.
    apa/afp/getty images/drew angere

    Letzte Handgriffe, bevor ab heute, Montag, in der Quicken Loans Arena in Cleveland (Ohio) der republikanische Parteitag über die Bühne geht.

Share if you care.