Dopingfall Russland: Zu einfache Lösung

Kommentar17. Juli 2016, 18:30
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Forderungen nach Olympia-Sperre ohne Wenn und Aber sind kontraproduktiv

Es gibt keine einfachen Lösungen für sehr komplizierte Probleme. Man muss den Faden geduldig entwirren, dass er nicht reißt." Maximal unbewusst argumentieren russische Sportfunktionäre in der laufenden Dopingdebatte sinngemäß mit ihrem Ex-Präsidenten Michail Gorbatschow. Das, was sich diesbezüglich im russischen Sport abgespielt hat und vermutlich da und dort immer noch abspielt, hat mit Glasnost aber auch gar nichts zu tun. Tarnen, täuschen und schließlich betrügen, sich selbst und die Konkurrenz, war (ist) offensichtlich Programm.

In welchem Umfang von staatlichen Stellen unterstützt, wird schwer zu quantifizieren sein. Es gibt Zeugen, selbst aus dem innersten Kreis, aber die werden, wenn schon nicht mundtot gemacht, so doch diskreditiert. Der Bericht, den der Chefermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur über mutmaßlich zugunsten russischer Athleten manipulierte Dopingproben bei den Winterspielen 2014 in Sotschi heute vorlegt, wird bei erwartetem Inhalt als politisch motiviert und daher wertlos bezeichnet werden.

Gerade deshalb haben jene neun nationalen Anti-Doping-Agenturen, die das Internationale Olympische Komitee (IOC) vorsorglich zum Ausschluss aller russischen Sportler von den kommenden Spielen in Rio de Janeiro auffordern, sollte der Bericht ergeben, was sie vermuten, der Sache einen Bärendienst erwiesen. Dass die US-Agentur an der Spitze steht, lässt besonders leicht argumentieren – ohne Konkurrent Russland wäre die olympische Spitzenstellung des Teams USA, manifestiert im Medaillenspiegel, umso einfacher zu verteidigen. Schon der Ausschluss der russischen Leichtathleten durch den zuständigen Verband sei unter dieser Perspektive zu sehen. Diese einfache, fast schon primitive Argumentation hat die geforderte, ganz einfache Lösung – Ausschluss einer ganzen Nation – ermöglicht. Man hätte es besser mit Gorbatschow gehalten. (Sigi Lützow, 17.7.2016)

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