Konkurrenz für Dr. Google

18. Juli 2016, 08:00
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Onlineplattform Meinarztonline verbindet Arzt und Patienten – Geschäftsmodell mit variierenden Abogebühren

Wien – Dr. Google ist gefragt. Zumindest wenn man Umfragen der Sozialversicherungsanstalt (SVA) glaubt. Demnach informiert sich jeder zweite Österreicher bei Gesundheitsthemen im Internet.

Ein Grund dafür könnte sein, dass die Ärztin des Vertrauens üblicherweise außerhalb der Ordinationszeiten nicht zu erreichen ist. Telefonate sind oft nur während der Praxiszeiten möglich, E-Mails oder soziale Netzwerke für vertrauliche Konsultationen wenig geeignet. Dabei gilt für den Praxisbesuch Ähnliches wie bei anderen Öffnungszeiten auch – Patienten hätten gern mehr davon: Laut der SVA-Umfrage würden gern vier von fünf Patienten Ärzte außerhalb der Ordination kontaktieren.

Vollbetrieb Endes des Jahres

Das Start-up "Meinarztonline" setzt genau an diesem Punkt an. Die vom universitären Gründerservice Init geförderte Onlineplattform verbindet Mediziner und Patienten. Seit einigen Monaten ist sie im Testbetrieb, Ende des Jahres soll durchgestartet werden, sagt Mitgründer und Geschäftsführer Christoph Berdenich.

Mit den derzeit neun teilnehmenden Medizinern wird intensiv daran getüftelt, passende Nutzungsangebote für die teilnehmenden Patienten zu schnüren. 300 nutzen das Angebot bereits. Sinnstiftend soll es am Ende für beide Seiten sein, so Berdenich: "Für Ärzte, weil sie ein besonderes Serviceangebot bereitstellen und dafür auch etwas verrechnen können, und für Patienten, weil sie unkompliziert mit ihrem behandelnden Arzt in Verbindung treten können."

Stadt-Land-Gefälle

Was die Mediziner sinnvollerweise anbieten, wissen diese am besten selbst, sagt Berdenich: "Ein Neurochirurg bietet etwa ein Dreimonatsabo an, weil das in etwa der Behandlungsdauer seiner Patienten entspricht." Andere schnüren Jahresabos, aber auch die Variante Einzelanfragen ist möglich. Monatlich 48 Euro Grundgebühr und 20 Euro pro Patient und Jahr fallen derzeit für die Mediziner an.

Wie viel die Ärzte verlangen, entscheiden diese hingegen selbst: Derzeit variieren die Jahresabogebühren je nach Lage – im Weinviertel ist es günstiger als in der Wiener Innenstadt – von 60 bis 250 Euro. Auch die Information, wie schnell mit Reaktionen zu rechnen ist, findet der Patient online – für Notfälle ist das System nicht gedacht, sagt Berdenich. "Patienten wollen oft nach dem Praxisbesuch noch bei Details wie den Medikamenten nachhaken."

Verrechnung mit Versicherungen

Für Ärzte sei einer der Vorteile jener der gesicherten Informationsübertragung, so können etwa auch Befunde versendet werden. Eine Funktion, mit der die Verrechnung mit den Versicherungen durchgeführt werden kann, und eine Onlinezahlungsmöglichkeit sollen noch kommen.

Was derzeit mit Wahlärzten beginnt, könnte in einigen Jahren auch für Kassenärzte interessant werden, spinnt Berdenich schon Ideen für die Zukunft. (Regina Bruckner, 18.7.2016)

  • Den Arzt auch außerhalb der Praxiszeiten konsultieren: Meinarztonline.
    foto: istockphoto

    Den Arzt auch außerhalb der Praxiszeiten konsultieren: Meinarztonline.

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