Urbano Cairo wird Patron des "Corriere della Sera"

17. Juli 2016, 16:08
1 Posting

Der ehemalige Berlusconi-Vertraute wird künftig mindestens 48,8 Prozent des Aktienkapitals der RCS Media Group kontrollieren

Es ist Urbano Cairos bisher größter Coup: Am Freitag hatte sich der 59-jährige Medien- und Werbeunternehmer überraschend als Sieger im Bieterwettbewerb um die RCS Media Group herausgestellt. Cairo wird künftig mindestens 48,8 Prozent des Aktienkapitals des Mailänder Medienunternehmens kontrollieren; das Konkurrenzangebot des Investors Andrea Bonomi musste sich mit 37,7 Prozent bescheiden.

Die RCS Media Group gehört zu den wichtigsten Medienhäusern des Landes und gibt u. a. den Corriere della Sera heraus, das Flaggschiff des italienischen Qualitätsjournalismus und Leib-und-Magen-Blatt des Bildungsbürgertums; ebenfalls dazu gehört die Gazzetta dello Sport, Zentralorgan der italienischen Fußballtifosi. Trotz prestigereicher Publikationen schreibt die RCS Media Group seit längerem rote Zahlen, die Schulden belaufen sich auf 500 Millionen Euro. Hauptgrund waren unglückliche Beteiligungen im Ausland; um die Finanzlöcher zu stopfen, wurde ein Teil des Tafelsilbers verscherbelt. Unter anderem wurde der traditionsreiche Redaktionssitz des Corriere an der Via Solferino in Mailand verkauft.

Cairo ist ein Selfmademan, bei dem sich in den letzten Jahren praktisch alles, was er in die Hand genommen hat, in Gold verwandelt hat. Zu seinem Konzern Cairo Communication gehören allerlei Klatschzeitschriften sowie Männermagazine, Koch-, Garten-, Reisehefte. 2013 übernahm Cairo von der Telecom Italia zudem den kriselnden Fernsehsender La7, den er per Neustrukturierung wieder auf Kurs brachte.

Ohne politische Ambitionen

Heute ist La7 der einzige wirklich unabhängige nationale Sender neben den drei staatlichen Rai-Kanälen und den drei Sendern des Berlusconi-Imperiums. Im Unterschied zum "Cavaliere" soll Cairo keine politischen Ambitionen haben; bei La7 hat er die redaktionelle Unabhängigkeit nie infrage gestellt. Insgesamt verzeichnet die Cairo Communication einen Jahresumsatz von rund 260 Millionen Euro.

Der neue Corriere-Patron, der die Mailänder Bocconi-Universität absolvierte, hatte sein Handwerk bei Silvio Berlusconi gelernt: Mit 24 wurde er persönlicher Assistent des Medientycoons und späteren Regierungschefs. Danach war er Manager in dessen Werbeunternehmung Publitalia – wo er entlassen wurde: Im Rahmen des Korruptionsskandals Mani pulite Anfang der 1990er kooperierte er als einziger Publitalia-Manager mit den Staatsanwälten, legte illegale Schwarzgeldmechanismen offen. Das hatte ihm der damalige Publitalia-Chef Marcello Dell'Utri nicht verziehen. Aufgrund seiner Kooperationsbereitschaft kam Cairo mit einer relativ milden Bewährungsstrafe von 19 Monaten Gefängnis davon; sie ist inzwischen gelöscht.

Mit der Machtübernahme von Cairo beginnt bei der RCS Media Group eine neue Ära: Es heißt, der neue Patron wolle seine Cairo Communication mit RCS fusionieren. Damit entstünde eine Mediengruppe mit einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro. (Dominik Straub aus Rom, 18.7.2016)

Nachlese

Cairo siegt im Ringen um Corriere della Sera-Macher RCS

Turiner Unternehmer behauptete sich gegen Holding aus Mediobanca

  • Mit der Machtübernahme von Cairo beginnt bei der RCS Media Group eine neue Ära.
    foto: apa/epa/alessandro di marco

    Mit der Machtübernahme von Cairo beginnt bei der RCS Media Group eine neue Ära.

Share if you care.