Rapid eröffnet Stadion mit Testsieg über Chelsea

16. Juli 2016, 20:35
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Neues Stadion in Hütteldorf mit Festakt und einem Sieg der Hausherren eingeweiht. Joelinton und Tomi trafen

Wien – Das Allianz-Stadion in Hütteldorf bestand am Samstagabend seine Feuertaufe. Rapid schlug Chelsea vor 28.000 Fans mit 2:0 (1:0). Einen perfekten Einstand im neuen Zuhause feierten der Brasilianer Joelinton und der Spanier Tomi mit den Siegestreffern (8. bzw. 82. Minute).

Körner, Fischer und die Sängerknaben

Die offizielle Eröffnung nahm unter lautstarken Ovationen Alt-Bundespräsident und Rapid-Fan Heinz Fischer gemeinsam mit Rapid-Präsident Michael Krammer und der 90-jährigen Club-Legende Alfred Körner vor. Wie schon beim Abschiedsspiel aus dem Gerhard-Hanappi-Stadion vor zwei Jahren intonierte Körner die alte Rapid-Hymne ("D'rum zieht sich auch durch meine Brust das grün-weiße Band"). "Das Ganze ist wirklich super", sagte Fischer und wünschte den Grün-Weißen möglichst viele erfolgreiche Spiele.

Lautstark spulte Marek das Eröffnungsprogramm mit Videosequenzen über die Entstehung des Stadions oder Highlights aus der Rapid-Historie sowie Leitsprüchen wie "Tradition trifft Innovation" oder "Alte Heimat – Neues Zuhause" ab. Ein Harley-Davidson-Corso röhrte abgasreich zu den Klängen des Steppenwolf-Klassikers "Born to be wild" um das Spielfeld. Alkbottle ("Football is coming home") und Ostbahn Kurti gaben Eröffnungsständchen zum Besten. "Wia san daham", rief Alkbottle-Frontman Roman Gregory. Kurt Ostbahn sang mit der "Rapid-Familie" ein paar seiner Hits. Die Wiener Sängerknaben trällerten die "Tritsch-Tratsch-Polka" und den Donauwalzer.

Rapid-Legenden wie Franz Hasil, Leopold Grausam, Christian Keglevits, Reinhard Kienast, Rudi Nuske, Gustl Starek, Rene Wagner, Ernst Dokupil, Herbert Feurer oder Heribert Weber trugen alte Vereinswappen in die neue Arena und zogen damit eine Linie von der Vergangenheit in Gegenwart und Zukunft. Der Gast aus London brachte einen schmucken Teller als Geschenk mit.

Vorgestellt

Der "Block West" – nunmehr auf der Südtribüne – zeigte von Beginn an, wer der Herr im neuen Haus ist. Der tosende Support bewies, dass die neue Arena auch von der Akustik her alle Stückeln spielt. Erstmals ganz laut wurde es in der 8. Minute: Joelinton ging auf Lochpass-Befehl in den Strafraum und bugsierte den Ball an Keeper Asmir Begovic zum 1:0 ins Netz. Rapids erstes Tor im "Allianz-Stadion".

In einer schnellen und kampfbetonten Partie zeigte das Team von Rapid, bei dem der 20-jährige Ungar Tamas Szanto in der Startelf stand, dass sie in der Vorbereitung schon ein Stück weiter ist als der von Kapitän John Terry angeführte Champions-League-Sieger von 2012. Chelsea wurde erst in der 35. Minute so richtig gefährlich, als Diego Costa vor Rapid-Keeper Jan Novota auftauchte, aber den Schuss knapp verzog. Ähnlich erging es im Gegenzug Rapid-Kapitän Steffen Hofmann, der die Chance auf das 2:0 nicht nützen konnte. Ebenso wie Philipp Schobesberger in der 43. Minute.

Conte auf 100

Schon unmittelbar davor hatte Schobesberger Begovic mit einem strammen Schuss geprüft, den Abpraller brachte Kapitän Hofmann jedoch nicht im Tor unter. Chelsea wurde in dieser Phase allenfalls durch den quirligen Papy Djilobodji gefährlich. Dieser sorgte auch kurz nach Wiederanpfiff für eine Schrecksekunde, als er in einem Zweikampf mit Christopher Dibon im Strafraum zu Fall kam, aber dafür keinen Elfer bekam.

Indes enttäuschte Chelsea-Trainer Antonio Conte die Zuschauer nicht. Er zeigte, dass ihm auch ein Vorbereitungsspiel nicht einerlei ist. Selbst wenn er Stars wie den Belgier Eden Hazard oder den Katalanen Cesc Fabregas schonte. Conte hampelte nämlich – wie schon als Italiens Teamchef bei der Fußball-EM – wie ein Rumpelstilzchen an der Outlinie entlang, um lautstark und gestenreich Kommandos zu geben.

Festlicher Abschluss

Auch in Hälfte zwei bemühte sich vorerst das Team von Trainer Mike Büskens mehr um das Spiel und hatte wieder durch Joelinton (54.) die Chance auf das 2:0, doch verfehlte der Brasilianer trotz Grätscheinlage eine scharfe Hereingabe. Bei Chelsea brachte dann aber in Folge vor allem der zur Pause eingewechselte Oscar frischen Wind und den Rapid-Strafraum öfters in Bedrängnis. Zu einem echten Sturm auf das seit der Pause von Richard Strebinger gehütete Tor entwickelte sicher dieser aber auch nicht. In der 65. Minute köpfelte Costa über das Gehäuse, kurz darauf (69.) schoss Louis Schaub auf der Gegenseite daneben.

Erfolgreicher war in der 82. Minute Tomi. Nachdem Begovic einen Schuss von Thomas Murg abprallen ließ, versenkte der Spanier den Ball zum Endstand von 2:0. Er fixierte damit einen Sieg, der angesichts vieler Wechsel und taktischer Spielereien gewiss nur eine bedingte Aussagekraft hat, in der Rapid-Chronik im Kapitel "Stadioneröffnung 2016" aber durchaus einen schlanken Fuß macht. (APA, red. 16.7.2016)

Testspiel, Samstag

SK Rapid Wien – Chelsea London 2:0 (1:0)
Allianz-Stadion, 28.000 Zuschauer (ausverkauft)

Tore: Joelinton (8.), Tomi (82.)

Link: Liveticker Nachlese

  • Stimmen:

Mike Büskens (Rapid-Trainer): "Für unsere Jungs war das definitiv ein Highlight. Aber wir wissen das einzuschätzen: Wir waren am Ende der Vorbereitung und Chelsea ist erst am Anfang. Wir haben es heute aber gut gemacht, haben uns nicht versteckt. Wir haben auch versucht, Chelsea zu attackieren, obwohl sie eine große individuelle Klasse haben. Und wir haben selbst eigentlich wenig zugelassen."

Zum neuen Stadion: "Die Atmosphäre ist echt total geil. Es war heute wirklich Wahnsinn, welche Energie uns die Leute gegeben haben. Ich wünsche mir das jede Woche, denn wir haben eine junge Mannschaft. Die braucht diesen Impuls von außen."

Steffen Hofmann (Rapid-Kapitän): "Es war ein ganz gutes Spiel von uns gegen einen guten Gegner mit dem dementsprechend guten Ergebnis. Ein Ergebnis, das dem Stadion auch würdig war. Es macht richtig Spaß, hier Fußball zu spielen."

Antonio Conte (Chelsea-Trainer): "Es war schwer für uns nach drei Tagen intensivem Training, aber ich verliere nie gerne. Die Spieler auch nicht. Wir können aus dem Spiel eine Menge lernen. Ich habe einige Dinge gesehen, an denen wir arbeiten müssen. Die Atmosphäre im Stadion war gut. Wir sind froh, in so einer Atmosphäre zu spielen. Aber in England ist das immer so."

  • Eröffnet.
    reuters/bader

    Eröffnet.

  • Gehuldigt.
    reuters/bader

    Gehuldigt.

  • Geschpoltert.
    foto: apa/punz

    Geschpoltert.

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