Deutsche Grüne streiten über mögliche Regierungsbündnisse im Bund

16. Juli 2016, 16:01
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Kretschmann warnt vor Rot-Rot-Grün – Trittin gegen Zusammengehen mit Union

Berlin – Bis zur deutschen Bundestagswahl ist es noch mehr als ein Jahr – aber die Grünen streiten bereits eifrig über mögliche Regierungsbündnisse. Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) plädierte am Wochenende für eine Koalition mit der CDU und warnte vor einem Zusammengehen mit den Linken.

Ex-Fraktionschef Jürgen Trittin wiederum riet von Schwarz-Grün ab und forderte Vorbereitungen für eine Dreierkoalition aus SPD, Grünen und Linkspartei.

Kretschmann gegen Doppelspitze

Kretschmann, der selbst in Stuttgart ein Bündnis mit der CDU anführt, kritisierte die Linken als wenig realitätstauglich. Die Linke lebe "in der Welt einer Nationalökonomie" und befinde sich außenpolitisch "im Niemandsland", sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Samstagsausgaben). Die Partei sei also "eher eine Protestbewegung". "Wie soll man mit der Linkspartei ein exportorientiertes Industrieland regieren?", fragte Kretschmann. Angesichts des derzeitigen Zustands der Linken würden schon Sondierungsgespräche scheitern.

Kretschmann kritisierte zudem, dass die Grünen wieder mit einer Doppelspitze in die Bundestagswahl ziehen wollen. "Von Doppelspitzen halte ich generell nichts", sagte er. Viele grüne Landtagsfraktionen hätten sich "längst davon abgewendet", die Bundespartei aber noch nicht.

Wagenknecht vor Seehofer

Trittin wiederum wertete die schwarz-grünen Landesregierungen als Beleg für die Untauglichkeit dieser Variante. Durch diese Koalitionen stelle man fest, "dass für eine Partei der linken Mitte wie die Grünen die Schnittstellen mit den Sozialdemokraten und auch mit weiten Teilen der Linken einfach höher sind als mit der CDU und vor allem der CSU", sagte er dem "Spiegel".

Nach den Worten Trittins gibt es "bei manchen Grünen die Haltung, (SPD-Parteichef) Sigmar Gabriel sei ein Proll, den mögen wir nicht". Kanzlerin Angela Merkel (CDU) werde dagegen als "ruhig, sachlich und so sympathisch" gesehen. Jetzt lerne man aber plötzlich, dass es mit der Union doch nicht so einfach sei. Im Zweifel sei die Zusammenarbeit mit Linksfraktions-Chefin Sahra Wagenknecht leichter als mit CSU-Chef Horst Seehofer, sagte Trittin dem Magazin. (APA/AFP, 16.7.2016)

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