Welterbekomitee setzt nach Putschversuch in der Türkei Sitzung aus

16. Juli 2016, 11:58
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Zahlreiche Stätten aus Europa und Asien am Freitag zum Welterbe erklärt – Entscheidung zu Corbusiers Werk wird vertagt

Istanbul – Nach dem Putschversuch in der Türkei ist die Sitzung des Welterbekomitees der Unesco bis auf Weiteres ausgesetzt worden. Das teilte Unesco-Sprecher George Papagiannis mit. Wann die Sitzung fortgesetzt wird, war zunächst unklar. Die Beratungen sollten ursprünglich am Sonntag enden.

Eigentlich sollte am Samstag unter anderem entschieden werden, ob die Häuser der Stuttgarter Weissenhofsiedlung des Stararchitekten Le Corbusier zum Welterbe ernannt werden. Die zwei Häuser sind Teil eines Antrags aus sieben Ländern, der das Werk des Architekten und Stadtplaners Le Corbusier (1887-1965) würdigen will. Der internationale Antrag war schon zweimal abgelehnt worden. An der überarbeiteten Form haben sich jetzt sieben Staaten von drei Kontinenten beteiligt. Der Antrag betont die herausragende Bedeutung Le Corbusiers für die Architektur des 20. Jahrhunderts.

Zahlreiche neue Welterbe-Stätten

Am Freitag hatte die Unesco mehrere Stätten aus Europa und Asien zum Weltkulturerbe erklärt, darunter das antike Philippi in Griechenland. Philippi sei ein "außergewöhnliches Zeugnis der Eingliederung von Regionen ins Römische Reich", hieß es in der Beschlussempfehlung. Überreste der Kirchen in dem Ort auf der antiken Route von Europa nach Asien zeugten vom frühen Wachstum des Christentums.

Zum Auftakt der Beratungen nahm die Kulturorganisation der Vereinten Nationen am Freitag Stätten aus China, Indien, dem Iran, Mikronesien, Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Montenegro, Serbien, Griechenland und Spanien in die Welterbeliste auf. Welterbe sind jetzt unter anderem die Felsmalereien der Kulturlandschaft am Hua Shan und am Fluss Zuo Jiang im Süden Chinas. Sie stammen aus dem 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung bis zum 2. Jahrhundert und illustrieren Leben und Rituale des Volks der Luoyue.

Indien und Mikronesien

Aus Indien wurde die Ruinenstadt von Nalanda im Osten des Landes aufgenommen. Dort befand sich einst eine große buddhistische Universität. Zum Welterbe zählt nun auch das persische Qanat-Bewässerungssystem, ein System von Brunnen und Kanälen zur Bewässerung vor allem in Wüstengebieten.

Auf die Liste genommen wurden außerdem Nan Madol, eine Ruinenstadt auf 99 künstlichen Inseln in Ost-Mikronesien, und die mittelalterlichen Grabsteine auf dem Gebiet des früheren Jugoslawiens. Zum Weltkulturerbe dürfen sich außerdem die Megalithgräber Dolmenes de Antequera in Spanien zählen. (APA, red, 16.7.2016)

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