Belvedere-Chefin Husslein-Arco: Wegschauen und Mitspielen

Kommentar15. Juli 2016, 17:05
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Das Belvedere-Kuratorium wusste seit Jahren um Hussleins Verfehlungen Bescheid

In der Causa um die mögliche Vertragsverlängerung von Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco hat sich Kulturminister Drozda (SPÖ) noch einmal zwei Wochen Bedenkzeit verschafft. Er sollte sie dringend nützen. Denn neben nicht unerheblichen Compliance-Verstößen müsste er sich als Sozialdemokrat auch Gedanken zum Führungsstil der seit 2007 amtierenden Direktorin machen.

Die fachliche Eignung spricht Husslein niemand ab. Ob sie aber wirklich die in der Ausschreibung gesuchte "teamorientierte Persönlichkeit mit hoher kommunikativer und integrativer Kompetenz" verkörpert, darf bezweifelt werden. Ihr herrischer Umgang mit und eklatanter Verschleiß von Mitarbeitern ist im Kulturbetrieb traurige Legende. Klagen gibt es darüber viele. Dies auch öffentlich anzuprangern, kann sich ein am Hungertuch nagender Unterbau nur schlicht nicht leisten. Eine Chefin, die niemandem mehr traut, verübt im Haus nun den personellen Kahlschlag.

Dazu kommt, dass das Belvedere-Kuratorium offenbar seit Jahren um Hussleins Verfehlungen Bescheid wusste. Das riecht nach Wegschauen und Mitspielen – Systemversagen, wie man es in größerer Dimension vom früheren Burgtheater kennt. Für die Zukunft im Land der New Deals daher ein (alter) Vorschlag: Hohe Posten im Kulturbereich auf, sagen wir, zehn Jahre beschränken! Der Entstehung verkrusteter bis feudalistischer Machtsysteme würden derartige Regelungen Grenzen setzen. (Stefan Weiss, 15.7.2016)

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