Wirklich gefährlich ist das ganz normale Bankgeschäft

Blog16. Juli 2016, 12:24
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Italiens Bankenkrise ist typisch: Faule Kredite sind ein noch größeres Risiko als viele Spekulationen

In den Monaten vor dem Kollaps von Lehman Brothers am 15. September 2008, als die Finanzkrise noch Subprime-Krise hieß, erklärten österreichische Banker vollmundig, warum sie von den Problemen der US-Banken nicht betroffen wären. Statt windiger Spekulationsgeschäfte betreibe man ein solides Einlagen- und Kreditgeschäft.

Als dann die Krise nach dem Lehman-Kollaps nach Europa überschwappte, gab es ein Land, das sich besonders sicher fühlte: Italien. Denn dank einer strengen Aufsicht hätten italienische Banken auf Finanzalchemie verzichtet und sich darauf beschränkt, wofür Banken eigentlich geschaffen sind: ganz normale Kredite an Unternehmen und an Privatpersonen, die etwa ein Haus bauen, zu vergeben.

Auswüchse des angelsächsischen Finanzkapitalismus

Auch die Regulierung der Banken war in den Jahren nach 2008 meist bemüht, spekulativen Handel, exotische neue Finanzprodukte und andere Auswüchse des angelsächsischen Finanzkapitalismus zu unterbinden. Würden Banken zu ihrem Stammgeschäft zurückkehren, dann müssten sie nicht ständig gerettet werden.

Deutschland wehrte sich gegen eine europäische Aufsicht ihres großen Sparkassensektors. Denn lokale Sparkassen, so die Überzeugung, wären kein großes Risiko.

US-Banken sind saniert, europäische Institute nicht

Wie falsch diese Einschätzung war: Während sich die US-Banken rasch wieder erholten, sind zahlreiche europäische Banken in einem katastrophalen Zustand – aber nicht wegen fehlgeschlagener Spekulationen, sondern wegen fauler Kredite und Unternehmen und Hausbesitzer.

Zuerst waren es die Banken in Irland und Spanien, die nach dem Platzen der Immobilienblasen in ihren Ländern zum sündteuren Sanierungsfall wurden.

Hypo vergab Kredite – am Balkan

In Österreich war es die Hypo Alpe Adria, die ebenfalls durch Kreditvergaben zum teuersten Spaß der österreichischen Geschichte wurde. Gut, kann man sagen, die Hypo-Darlehen waren meist an windige Projekte am Balkan geflossen. Das sollten Banken nicht tun.

Jetzt sitzen die italienischen Banken auf einem Berg von 360 Milliarden Euro an faulen Krediten, der vielfach als größte Bedrohung für das Überleben des Euro gesehen wird. Und sie haben ihre Gelder nicht im Ausland verjuxt, sondern ganz brav im eigenen Land vergeben – in vielen Fällen ganz lokal. Da gilt auch für die Bank-Austria-Mutter Unicredit, die sich vom europäischen Champion zum Sanierungsfall gewandelt hat.

Darlehen an den Geschäftsmann vor Ort

Genau das ist die größte Gefahr, die vom Bankgeschäft ausgeht. Bankmitarbeiter in lokalen Instituten verleihen Geld an die Menschen, die sie kennen – den Geschäftsmann vor Ort oder die Jungfamilie, die ein Eigenheim errichtet.

Da wird noch so genau auf Bilanzen und Verdienst geschaut, da wird vertraut, dass es schon bald besser gehen wird. Und die Aufsicht der Bank oder Sparkasse obliegt oft regionalen Politikern, die eine Kreditvergabe an ihre Wähler keinesfalls bremsen wollen.

Das ist im Einzelfall sympathisch und vorteilhaft für die lokale Wirtschaft. Aber es entstehen gewaltige Klumpenrisiken, die bei einer negativen Entwicklung schlagend werden.

Schwäche der italienischen Konjunktur

In Spanien und Irland war es der kollektive Wahn, dass Häuserpreise immer weiter steigen müssten. In Italien ist es die jahrelange Schwäche der Konjunktur, die immer mehr Familienbetriebe in Bedrängnis bringt – und in weiterer Folge auch zu steigenden Ausfällen bei Hypothekarkrediten führt. Dazu kam eine zu großzügige Ausschüttung von Gewinnen an Aktionäre – Geld, das den italienischen Banken jetzt fehlt

Das heißt nicht, dass man der ungebremsten Spekulation das Wort reden soll. Aber es ist auch in Österreich notwendig, sich der Gefahren im gewöhnlichen Kreditgeschäft bewusst zu werden. Dagegen helfen nur große Kapitalpolster, mit denen Kreditausfälle leichter verkraftet werden können. Und die liegen bei heimischen Instituten unter dem europäischen Durchschnitt. (Eric Frey, 16.7.2016)

  • Auch die Bank-Austria-Mutter Unicredit steckt durch zu viele faulen Kredite in der Bredouille.
    foto: afp/cacace

    Auch die Bank-Austria-Mutter Unicredit steckt durch zu viele faulen Kredite in der Bredouille.

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