Maybrit Illner: "Erdogans Rache" – Wenige Brücken zur Türkei

22. Juli 2016, 17:10
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Wer hätte gedacht, dass in diesen hochkochenden Wortgefechten am Ende jemand noch einen positiven Gedanken fassen würde können

Jeder braucht eine Sommerpause. Maybrit Illner aber hat sie wirklich verdient. Ihre Diskussionssendung im ZDF setzt fünf Wochen aus. Zum Abschied lag es an der stets gefassten, sachlich sattelfesten Moderatorin, einen Disput über Wesen und Folgen des Putsches in der Türkei anzuleiten. Wie selten im deutschen Fernsehen gingen die Emotionen hoch.

Insbesondere deshalb, weil der Erdogan-Getreue Mustafa Yeneroglu (AKP) nicht müde wurde, die Säuberungen in den Dienst der "Demokratie" zu stellen. Yeneroglu ist Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses des türkischen Parlaments und hat also gerade frei.

Wie sehr die Positionen an diesem runden Tisch einander fremd waren, wie wenige Brücken es zur türkischen Politik derzeit gibt, machten diese 63 Minuten überdeutlich (nachzusehen in der ZDF-Mediathek).

Yeneroglu verglich die Putschisten mit dem RAF-Terror; Sevim Dagdelen (Die Linke) sprach in Bezug auf die Suspendierungen, Folterungen, Drohungen von einer "Progrom
stimmung gegen Andersdenkende". Andreas Scheuer von der CSU stellte klar, dass die jetzige Erdogan-Politik in der Europäischen Union keinen Platz haben könne etc.

Wer hätte gedacht, dass in diesen hochkochenden Wortgefechten am Ende jemand noch einen positiven Gedanken fassen würde können.

Dazu in der Lage war ein besonnener Wissenschafter: Historiker Michael Wolffsohn räumte ein, dass Deutschland und die EU durch die Migrationsströme längst Teil des Nahen Ostens geworden seien und es nun für die hier lebende türkische Minderheit die Chance gebe, ganz klar zu zeigen, für welche Werte sie einstehe. Das war als Aufruf zu verstehen. (Margarete Affenzeller, 22.7.2016)

  • Thema bei Maybrit Illner am Donnerstagabend: "Erdoğans Rache – Ist die Türkei noch unser Partner?".
    foto: zdf

    Thema bei Maybrit Illner am Donnerstagabend: "Erdoğans Rache – Ist die Türkei noch unser Partner?".

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    foto: screenshot/zdf.de
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