T-Mobile US untergräbt Netzneutralität mit "Pokémon Go"

15. Juli 2016, 18:08
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Telekomanbieter lockt Kunden mit Gratis-Traffic für Smartphone-Spiel

Nicht nur Millionen Spieler sind auf den mit Volldampf fahrenden "Pokémon Go"-Zug aufgesprungen, auch Unternehmen haben die Verschmelzung der physischen Welt mit den virtuellen "Taschenmonstern" für sich entdeckt. Während Cafés nahe gelegene "Pokéstops" mit Lockmodulen ausrüsten, um ihr Laufkundschafts-Aufkommen zu steigern, hat die US-Tochter der Deutschen Telekom einen anderen Zugang gewählt, der jedoch mit der Netzneutralität kollidiert.

Zero Rating für Monster-Trainer

In Bezug auf das Smartphone-Game bietet T-Mobile US ein sogenanntes "Zero Rating"-Angebot, das – zumindest vorerst – auf ein Jahr beschränkt ist. Im Klartext: Bestehenden und neuen Kunden wird der vom Spiel generierte Datenverkehr ein Jahr lang nicht von ihrem gekauften Kontingent abgezogen. Gleiches bot und bietet das Unternehmen auch im Bezug auf Musik- und Videostreaming-Dienste an, ergänzt Heise.

Dies bedeutet eine Ungleichbehandlung von Datenströmen und somit einen Verstoß gegen die Netzneutralität. T-Mobile muss, um den Traffic von "Pokémon Go" korrekt zu berechnen, den Datenverkehr seiner Kunden auch durchgehend analysieren.

"Zero Rating" wird mitunter auch von den jeweiligen Serviceanbietern selbst finanziert, um sich einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Beim "monströsen" Angebot des US-Mobilfunkers handelt es sich allerdings nicht um eine Kooperation mit den Spielemachern.

Netzneutralitätsgegner ziehen vor Supreme Court

Anfang 2015 hatte die Regulierungsbehörde FCC Provider als Infrastrukturanbieter klassifiziert und strenge Regeln hinsichtlich Netzneutralität festgeschrieben. Bisherige Versuche, diese zu Fall zu bringen, sind bislang gescheitert. Lobbyverbänden und Anbieter wie AT&T ziehen nun vor den Obersten Gerichtshof. (gpi, 15.07.2016)

  • Zero Rating für "Pokémon Go" steht im Widerspruch zur Netzneutralität
    foto: pokemon go

    Zero Rating für "Pokémon Go" steht im Widerspruch zur Netzneutralität

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