Schärengarten Bohuslän: Inselhüpfen mit 8.000 Möglichkeiten

17. Juli 2016, 14:00
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Die herrliche Inselwelt vor der westschwedischen Küste ist deutlich weniger bekannt als jene der Ostsee. Ein historisches Schiff durchkreuzt diesen Schärengarten, in dem Ingrid Bergman und einige Krimis geboren wurden

Auf Gullholmen, der "süßen Insel", ist wirklich noch alles "mysigt". So sagen die Schweden zu jener altmodisch-heimeligen Atmosphäre, die Spitzenvorhänge und -deckchen, Messinglampen und Kerzenhalter, Veranden und Rosenstöcke mit sich bringen. Ein Hauch von Puppenküche und Dornröschenschlaf umweht bis heute die Siedlungen auf der westschwedischen Insel nördlich von Göteborg, in jedem zweiten Garten ist die Nationalflagge gehisst.

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Grundstücke auf Gullholmen wurden früher vom schwedischen Staat verschenkt. Heute kosten dort selbst kleine Holzhäuschen ein Vermögen.

Früher einmal gehörte die Insel Gullholmen dem schwedischen Staat. Um hier überhaupt jemanden herzulocken, wurden Landparzellen verschenkt. Nur ein paar Fischer kamen in die damalige Arme-Leute-Gegend, heute ist sie ein schwedisches Parade-Idyll, jedes der Häuser hunderttausende Euro wert. Bewohnt werden sie nach wie vor von Fischern, dazu von Ruheständlern und Ferienhausbesitzern. Selbst die einfachsten Bootshütten werden teils zum Wohnen genutzt. Doch die Behörden achten penibel darauf, dass sie, wie hierzulande viele Schrebergärten, nicht zu ganzjährigen Wohnsitzen werden.

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Kreuzfahrten mit historischen Schiffen sind im Schärengarten von Bohuslän ein besonderes Erlebnis.

Gullholmen ist auch Ausgangspunkt einer recht ungewöhnlichen Kreuzfahrt, die von hier aus in Richtung Norden führt. Die Svea af Bohuslän ist ein restauriertes Schiff aus dem Jahr 1905, das gut 40 Personen aufnehmen kann, es gibt weder Kombüse noch Kajüten, gespeist und genächtigt wird an Land entlang der Route zwischen Göteborg und Grebbestad. "Wir nennen diese Landschaft mit ihren rund 8.000 Inseln den Schärengarten von Bohuslän", steckt Fredrik Åkerfeldt, Reeder der Svea af Bohuslän, sein Revier ab. Wobei Bohuslän eigentlich die Küstenprovinz im Norden von Göteborg bis zur norwegischen Grenze bezeichnet.

Übergroße Kieselsteine

In der Nähe von Göteborg besteht dieser Schärengarten noch aus blühenden, grünen und bewaldeten Inselchen mit dicht aneinandergedrängten Ortschaften, weiter nordwärts werden die Eilande felsiger und karger, ähneln zu großen Kieselsteinen aus rötlichem Granit. Wenn die Brise weht, und das tut sie vor dieser Küste beständig, färbt sich das Meer intensiv dunkelblau, die Wolken fasern auseinander, und der Horizont scheint sich noch ein wenig weiter zu strecken.

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Gut 8.000 Eilande und Inselchen zählt der westschwedische Schärengarten.

Wie Delfine begleiten kleinere Segelyachten die Svea af Bohuslän, während das Schiff auf Fiskebäckskil zusteuert – auch das wieder so ein ruhiger, fast kitschig wirkender Ort. Die einen Hügel hinaufwachsende Gemeinde ist seit dem 19. Jahrhundert Luftkurort.

Zu Wohlstand gebracht hat sie es schon davor durch die vielen Kapitäne und Reeder, die von hier aus Handel trieben. Sie bauten sich geräumige Häuser ganz oben auf dem Hügel, während unten die Fischer in besseren Hütten und auf der Ostseite des Hafens die Arbeiter der Fischfabrik lebten. Eine soziale Schichtung, die nicht mehr gilt: Heute kann sich jeder glücklich schätzen, der hier ein Holzhäuschen besitzt, egal wo.

Abends treffen sich die Ferienhäusler in Restaurants wie jenem im Hotel Gullmarsstrand, wo sie unter weißen Holztäfelungen sitzen, durch große Fenster auf die See blicken und sich an allem erfreuen, was das Meer hergibt. Das ist einiges: Hering, Makrelen, Kabeljau, Scholle, Shrimps und wildwachsende Muscheln.

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Smögen gilt am Wochenende als "Partyinsel" – unter der Woche geht es dort eher ruhig zu.

Für wen sich das alles ein wenig zu bieder anhört, der ist auf Smögen vielleicht besser aufgehoben – sie gilt als die "Partyinsel" von Bohuslän. Die jungen Leute vom Festland kommen an den Wochenenden hierher, um sich auszutoben. Entlang der Hafenpromenade sind Cafés, Bars und Boutiquen mit vorzugsweise Segel- und Freizeitkleidung aufgefädelt. Man kann aber auch einfach nur den Schweden und Norwegern auf ihren Yachten beim Dösen oder Schmausen zusehen. Nach der Anzahl der Boote zu schließen, dürfte der Lebensstandard im Land intakt sein: Eineinhalb der neun Millionen Schweden besitzen wenn schon keine Yacht, so zumindest ein Schinakel.

Ordentlich abkassiert

"Im Frieden von Roskilde, im Jahr 1658, haben wir Schweden ordentlich abkassiert. Die Provinz Schonen von den Dänen, Bohuslän von den Norwegern. Aber die revanchieren sich jetzt, indem sie Bohuslän auf dem Seeweg zurückerobern", sagt Reeder Fredrik Åkerfeldt im Scherz und mit Blick auf den Hafen. Die wohlhabenden Norweger sind mit ihren ausladenden Segelyachten in Bohuslän stark vertreten, denn hier ist die Küste weniger schroff als weiter nördlich bei ihnen, die Preise sind vergleichsweise günstig.

Bei den Schweden ist Bohuslän als Urlaubsregion aber ebenso beliebt – nicht nur unter jenen aus dem Großraum Göteborg, sondern sie kommen auch von der anderen Seite des Landes. Aber die haben doch die Ostsee? Die Stockholmer würden es zwar nie zugeben, aber an der Westküste macht es mehr Spaß zu segeln, die Wasserqualität ist höher, und die Fische schmecken besser. Das hier sei immerhin der Atlantik, kein bloßes Binnenmeer wie die Ostsee, erklären einem die Einheimischen.

Der windigste Ort Schwedens

Letzte Station dieser Kreuzfahrt ist Fjällbacka, wo es schon wieder deutlich traditioneller und unaufgeregter zugeht als auf Smögen. Auf der Terrasse des Restaurants Bryggan Fjällbacka kann man sich unter die urlaubenden Skandinavier mischen, danach auf der hübschen Hafenpromenade flanieren und die Halbinsel Väderöarna, den windigsten Ort Schwedens, besuchen oder an einer "Krabbensafari" teilnehmen – also selbst Garnelen fischen und dann gleich ganz frisch verzehren.

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Fjällbacka ist relativ bekannt für seine Krabbensafari – wirklich bekannt ist die Insel, weil dort Ingrid Bergman geboren wurde.

Weltweit bekannt ist Fjällbacka aber nicht wegen dieser Safari, sondern wegen Ingrid Bergman. Die wurde vor genau 101 Jahren dort geboren und verbrachte ihre Urlaube immer wieder auf Dannholmen, einer der Inseln vor Fjällbacka. Ihr damaliger Mann, der Produzent Lars Schmidt, hatte die Insel erworben, nachdem er mit dem Musical My Fair Lady einen großen Erfolg gelandet hatte.

Dannholmen ist ein abgeschiedenes Eiland, aber man darf nicht glauben, dass die Familie Bergman sie ganz für sich gehabt hätte: Jeder darf in Schweden anlegen und schwimmen gehen, wo immer er will, die Küsten und Strände sind öffentlicher Raum. Wie auch jedermann in der Wildnis für eine Nacht sein Zelt aufschlagen oder ohne besondere Erlaubnis mit einer Angel fischen kann.

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Echte Kriminalfälle sind in den Kleinstädten von Bohuslän selten. Krimis sind dort aber recht viele angesiedelt.

Die ebenfalls aus Fjällbacka stammende Camilla Läckberg ist eine der ganz Großen des Genres "Schwedenkrimi". Von ihren sinistren Geschichten rund um die Hobbyermittlerin Erica Falck wurden Millionen Exemplare in dutzenden Ländern verkauft, etliche davon verfilmt. Schön und gut, aber Kapitalverbrechen im idyllischen Fjällbacka? Aber ja doch, gerade solche friedlichen Settings würden die kriminelle Energie freisetzen, weiß auch Läckbergs Kollegin Viveca Sten, die im Schärengarten auf der anderen Seite Schwedens vor Stockholm morden und ermitteln lässt.

Mit Passion und in aller Ausführlichkeit gehen Guides wie Åsa Cunnif vor Ort auf die Tatorte und Plots in Camilla Läckbergs Krimis ein – wohl auch in Ermangelung echter Kriminalfälle: Der letzte nennenswerte soll in Fjällbacka angeblich in den 1950er-Jahren vorgekommen sein. (Harald Sager, 17.7.2016)

Service:

Anreise: Flug z. B. mit Airberlin via Berlin Tegel nach Göteborg.

Kreuzfahrt: Die Reederei Kulturbåtarna organisiert mehrtägige Kreuzfahrten auf historischen, aber selbstverständlich generalüberholten Booten durch den Schärengarten von Bohuslän. Busfahrt ab Göteborg nach Gullholmen, danach Kreuzfahrt; Rückfahrt nach Göteborg per Bus ab Fjällbacka oder Grebbestad.

Unterkunft: Das Gullmarsstrand Hotell & Konferens in Fiskebäckskil hat Bungalows im reduziert-schicken skandinavischen Stil und einen altmodischen luftigen Speisesaal mit weißen Holztäfelungen und großen Fenstern auf die See. Man speist sich gepflegt durch das, was diese hergibt, nämlich Hering, Makrelen, Kabeljau, Scholle, Krebse, Shrimps und Muscheln, die hier übrigens, große Ausnahme, vor Ort wild wachsen. Das Spa liegt auf einem Steg am Ufer, für Abkühlung nach der Bastu (Sauna) – die überraschenderweise im Badeanzug zu betreten ist – sorgt das Meer, das nicht viel wärmer ist als eine sehr kalte Dusche.

Das Smögens Hafvsbad auf einem Hügel über Smögen mit Blick aufs Meer besteht seit 1900. Die damalige Ferienpension im skandinavischen Stil mit Holzbau, Spitzgiebeln und Veranden ist ordentlich ausgeweitet worden (und fasst jetzt, auf zwei Gebäude verteilt, 73 Zimmer), es geht im Hafvsbad aber nach wie vor sehr gediegen zu. Mit Restaurant, Bar und Spa.

Nützliche Websites für die Region: www.westsweden.com, www.goteborg.com sowie www.VisitSweden.com.

Die Reise erfolgte auf Einladung von VisitSweden.

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