Schleichwerbungs-Vorwurf: Youtube-Star Pewdiepie sauer auf Medien

15. Juli 2016, 15:03
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Hat bezahlte Promotion ausgewiesen – "Nachrichtenartikel nutzen mich als Clickbait und ziehen meinen Namen in den Dreck"

Die US-Kartellbehörde FTC ließ in den vergangenen Tagen mit einem Urteil gegen Warner Brothers aufhorchen. Nach Untersuchung kam man zu dem Schluss, dass das Unternehmen Youtuber zur Schleichwerbung angestiftet hatte. Zahlreiche Videomacher erhielten teils fünfstellige Geldbeträge dafür, über eine noch in Entwicklung befindliche Version von "Mittelerde: Schatten von Mordor" zu berichten, mit der Bitte, Fehler nicht zu thematisieren. Eine Anweisung, die Bezahlung auszuschildern, gab es allerdings nicht.

In der Tat nahmen zahlreiche Youtuber das Angebot an, darunter auch der als "Pewdiepie" bekannte Schwede Felix Kjellberg. Mit 46 Millionen Abonnenten führt er den reichweitenstärksten Kanal, der sich mit Videospielen befasst. Er fühlt sich von den Medien zu Unrecht kritisiert und holte in einem Video zum Gegenschlag aus.

pewdiepie

"Ich bin nur enttäuscht"

"Der Pewdiepie-‘Skandal‘", hat er den Clip ironisch betitelt. "Ich bin nur enttäuscht", so sein Fazit zur Berichterstattung. Diese hätte eine Welle an Empörung in seine Richtung losgetreten, unter anderem sei er auf Twitter zigfach direkt der Schleichwerbung bezichtigt worden. Dabei habe er den 2014 veröffentlichten Clip korrekt als bezahlte Promotion ausgewiesen.

Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. In der Tat findet sich im Beschreibungstext des Videos die Zeile "This Video was sponsored by Warner Brother[s]" – allerdings erst, wenn man sich diese mit Klick auf "mehr anzeigen" in ihrer Vollständigkeit betrachtet. Im Clip selber erwähnt Kjellberg den Deal nicht. Bei Einbettungen scheint die Beschreibung normalerweise auch nicht auf.

Eine Verfehlung, die er auch selbst eingesteht. "Ich könnte es deutlicher ausgewiesen haben", sagt er dazu, zumindest noch innerhalb der ersten vier Zeilen, die standardmäßig immer zu sehen sind. Das Video findet sich auch auf seiner Homepage, dort benötigt es zwei Klicks, um den Hinweis zu sehen, da zu Beginn überhaupt keine Beschreibung eingeblendet wird.

FTC erließ erst 2015 Regeln für Youtube

"Nachrichtenartikel nutzen mich als Clickbait und ziehen meinen Namen in den Dreck, obwohl ich nichts falsch gemacht habe", so Pewdiepie weiter. Außerdem wäre ihm auch ein bezahlter Test unterstellt worden, obwohl er per Definition gar kein Reviewer sei. Pewdiepie unterhält seine Fans mit Let‘s Play-Videos. Man sieht ihm beim Spielen von Games zu, während er das Geschehen zusätzlich mit mehr oder weniger launigen Kommentaren beschreibt.

Viele andere Youtuber, die sich ebenfalls "Shadow of Mordor" gewidmet hätten, hätten überhaupt nicht kenntlich gemacht, Geld von Warner Bros. bekommen zu haben. Dazu habe die FTC überhaupt erst 2015 Richtlinien bezüglich solcher Youtube-Videos erlassen.

"Ich bin voll dafür, dass man bezahlte Inhalte als solche ausweist", erklärt er weiters. Daher erwähne er Promotion-Deals mittlerweile nicht nur in der Videobeschreibung, sondern auch am Anfang eines Clips.

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Kritik an Medien und Lesern

Dass er trotz des Hinweistextes in zahlreichen Schlagzeilen gelandet war, kritisiert Kjellberg scharf. "Das passiert immer wieder mit Medien: Sie nehmen jemanden, der bekannt ist und bringen Geschichten so, dass sie möglichst viele Klicks erhalten", meint er. "Ich brauche euch verdammt nochmal nicht", richtet er zahlreichen Spieleseiten aus. "Ihr seid unbedeutend und deswegen macht ihr diesen Mist", vermutet er.

Kritisch sieht er allerdings auch die Rolle der Leser. Diese würden oft nur Überschriften lesen und sich dann bereits für informiert halten.

Spiel erhielt positive Rezensionen

"Shadow of Morder" wurde knapp einen Monat nach dem Pewdiepie-Video veröffentlicht. Das Action-RPG erhielt großteils sehr lobende Rezensionen für seine atmosphärische Umsetzung von Mittelerde, das Beziehungssystem zu den Feinden und die eingängige Kampfmechanik.

Kritik musste das Game allerdings wegen einiger technischer Probleme einstecken, insbesondere die Umsetzung für Xbox 360 erwies sich zum Release noch als stark fehlerbehaftet. (gpi, 15.07.2016)

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