Sexuelle Erfahrung bringt Mäusemännchen keinen Vorteil

16. Juli 2016, 07:00
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Wiener Biologin: Jungfräuliche Mäuse beim Kinderzeugen genau so erfolgreich wie sexuell erprobte

Wien – Manchmal ist Erfahrung im Bett nicht automatisch ein Vorteil: Mäusemännchen beispielsweise profitieren gegenüber dem weiblichen Geschlecht kaum von einer sexuellen Vorgeschichte. Die Wiener Verhaltensforscherin Kerstin Thonhauser und ihre Kollegen zeigten, dass sexuell verdiente Mäuseriche im Wettstreit mit unbedarften Geschlechtsgenossen nicht mehr Nachkommen zeugen und auch bei den Weibchen nicht begehrter sind.

In ihrer Studie, die sie nun bei einem Verhaltensbiologie-Kongress in Wien vorstellte, hat Thonhauser vom Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinischen Universität Wien Hausmäusen entweder vor dem eigentlichen Versuch erlaubt, mehrere Tage Kontakt mit weiblichen Artgenossen zu pflegen und Kinder zu zeugen, oder sie keusch gehalten und nur mit dem Geruch von Weibchen stimuliert. "Das ist für die Männchen wichtig, damit sie sexuell aktiv werden", erklärte sie.

Dann setzte die Forscherin jeweils zwei Männchen zu einem Weibchen in einen Versuchsaufbau mit mehreren Zimmerchen und die drei wurden fünf Nächte lang von einer Videokamera beobachtet. Die beiden Männchen waren dabei entweder beide erfahren, beide jungfräulich, oder einer hatte eine sexuelle Vorgeschichte und der andere nicht. An den weiblichen Mäusen lag es nun, zu entscheiden, mit wem sie die Zeit verbringen.

Zu Besuch bei zwei Mäusemännern

"Sie paarten sich in allen Fällen mit beiden", berichtete Thonhauser. Man könne sich das so vorstellen: "Das Weibchen geht zu einem Männchen, das reitet auf, sie verlässt seinen Bereich und geht ins Territorium des anderen, das nun ebenfalls aufreiten darf". Dieses Vergnügen währe manchmal mehrere Stunden.

Es war dabei vollkommen irrelevant für die Mäusinnen, ob die Mäuseriche sexuell Neulinge waren oder nicht, sie verbrachten genau so viel Zeit mit den einen wie mit den anderen. Sie erwählten ihre Erstkontakte auch nicht nach diesem Kriterium, und am Ende stammten nicht mehr oder weniger Nachkommen von den Routiniers als von den Greenhorns.

Die soziale Präferenz der Mäusefrauen hat sich aber recht schnell gezeigt: Mit dem Männchen, das sie jeweils zuerst besuchten, verbrachten sie stets mehr Zeit. Auch je schneller sie bei einem Mäuserich waren, umso länger weilten die weiblichen Mäuse im Beobachtungszeitraum bei ihm, so die Forscherin.

Auf die Dauer kommt es an

Für den Reproduktionserfolg der Männchen war dies aber nicht zwingend dienlich. Dieser wurde maßgeblich durch die Verpaarungsdauer bestimmt: Je länger sich ein Männchen mit einem Weibchen verpaarte, umso mehr Nachkommen zeugte es. Überraschenderweise zeigte sich aber, dass jenes Männchen, das zuerst bei einem Weibchen aufreiten durfte, signifikant seltener der Vater ihrer Kinder war.

Bei Mäusen dient die erste Zeit der Verpaarung vor allem dazu, das Weibchen zu stimulieren und ihre Gebärmutter für die Einnistung der Embryonen vorzubereiten. Möglicherweise haben die Männchen, die zuerst aufreiten, noch wenig Erfolg beim Zeugen von Nachkommen, weil die Eizellen noch nicht bereit sind und der Zeitpunkt am weitesten vom Eisprung entfernt ist, erklärte die Wissenschafterin. Der frühe Zeitpunkt wäre demnach für eine erfolgreiche Empfängnis suboptimal. (APA, red, 16.7.2016)

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