ÖOC nominiert Athleten für Rio

15. Juli 2016, 17:23
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Zwischen 68 und 70 Sportlerinnen und Sportler aus Österreich schmücken die Olympischen Spiele in Rio. Auf dem recht kleinen Team sollen keine Erwartungen lasten, aber es gibt Ziele – drei bis fünf Medaillen.

Wien – Ein Österreicher wird in Brasilien mit ziemlicher Sicherheit reüssieren – Karl Stoss, der Präsident des Österreichischen Olympischen Comités himself. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn der 59-jährige Vorarlberger am Tag vor der Eröffnung anlässlich der 129. Session des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht in den Kreis der Olympier Aufnahme findet.

Derzeit gibt es nur 91 stimmberechtigte Mitglieder, 115 könnten es maximal sein, acht Herrschaften, darunter Stoss, sind zur Aufnahme vorgeschlagen. Seit dem Rückzug von Leo Wallner, der im Dezember 2014 ausschied und im Juli des Vorjahres 79-jährig starb, entbehrt das mächtige Gremium eines Österreichers.

Besser als London

2012, bei den Spielen von London, entbehrte Österreich einer Medaille. Das führte zu allerlei Lamento und Schuldzuweisungen sowie – auf dass quasi diese Schweinerei eine andere werde – im Frühjahr 2013 zur Installierung von Skiverbandspräsident Peter Schröcksnadel als Chefkoordinator eines Olympia-Förderprojekts des Bundes mit dem ÖOC namens Projekt Rio.

Der Tiroler wollte Freitagmittag, anlässlich der Bekanntgabe des österreichischen Teams für Rio, nicht von Erwartungen sprechen, um die Athleten "nicht unter Druck setzen zu lassen". Wohl gebe es aber Ziele. "Ich denke, wir haben gute Chancen auf drei Medaillen, vielleicht sogar auf fünf." Dass schon eine Medaille eine ungleich bessere Ausbeute als jene von London wäre, sieht Schröcksnadel als Vorteil. "Wir haben nichts zu verteidigen, wir können nur was gewinnen." Tischtennisspielerin Liu Jia, die zum fünften Mal olympisch sportelt, hat schon etwas gewonnen. Der 34-Jährigen wird die Ehre zuteil, Österreichs Fahne bei der Eröffnungsfeier im Maracanã-Stadion zu tragen.

Enttäuschungen

Vom sogenannten Medaillenkader des Projekts Rio (28 Personen) haben es nur die drei Flachwasserkanutinnen Ana Roxana Lehaci, Yvonne Schuring und Victoria Schwarz sowie Tischtennisspieler Weixing Chen nicht ins bis Montag Mitternacht endgültig zu fixierende Olympiateam geschafft. Enttäuscht ist Schröcksnadel auch über das Scheitern der Beachvolleyballerinnen Stefanie Schwaiger und Barbara Hansel, die im sogenannten Hope-Kader gefördert wurden – unter anderem mit Trainingsmöglichkeiten auf jener Sorte Sand, wie er auch in Rio bespielt werden wird.

Noch weit größerer Aufwand wurde für die Segler betrieben, die seit vielen Monaten immer wieder im olympischen Revier in der Guanabara-Bucht trainieren konnten, dort quasi jede Welle kennen und auch die weitaus größten olympischen Hoffnungen Österreichs tragen.

grafik: apa
Das vorerst 66-köpfige Aufgebot des Österreichische Olympischen Komitees für die Sommerspiele von 5. bis 21. August in Rio de Janeiro. Insgesamt gehen 68 Athleten auf die Jagd.

Echte Nominierungshärtefälle gab es nicht. Die Tennisspieler Oliver Marach und Alexander Peya kamen für ein Doppel ins Aufgebot, nachdem Marach, der zuwenige Daviscup-Einsätze hatte, eine Ausnahmegenehmigung des internationalen Tennisverbandes erhielt. Der 400-m-Lagen-Schwimmer Jakub Maly und die Siebenkämpferin Verena Preiner könnten noch in das Aufgebot rutschen. Maly hat zwar das ÖOC-B-Limit, aber nicht die internationale Norm erbracht, die EM-Siebente Preiner könnte vom Auffüllen des Feldes profitieren.

Team

Das ÖOC ging 21 Tage vor Eröffnung der Spiele von 31 Damen und 38 Herren aus. Ein kleineres Team entsandte das ÖOC zuletzt 1976 nach Montreal (64). In Peking 2008 und London 2012 waren jeweils 70 Sportlerinnen und Sportler mit von der Partie. So oder so ist der Aufwand groß. Mit rund 30.000 Euro Entsendungskosten ist pro Kopf zu rechnen – inkludiert sind da die Flüge, die Ausstattung und die Betreuerkosten, nicht aber die Personalkosten des ÖOC und die zusätzlichen Aufwendungen für Sicherheit. Das Österreich-Haus wird privat bewacht, ortskundige Fahrer wurden angeheuert. ÖOC-Boss Stoss ist sich der Sicherheit von Athleten und Betreuern, nun ja, sicher. Auch die Gefahr durch das Zika-Virus sei beherrschbar.

Am Montag wird das Olympiateam in der Hofburg verabschiedet. In Ermangelung eines einzelnen Bundespräsidenten durch den zuständigen Minister Hans Peter Doskozil. Am 23. Juli reisen die ersten hoffnungsfrohen Österreicher nach Rio. (Sigi Lützow, 15.7.2016)

  • Liu jia wird in Rio Österreichs Fahne tragen.
    foto: apa/pfarrhofer

    Liu jia wird in Rio Österreichs Fahne tragen.

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