Brexit, Schmexit, Uxit, Wixit

Kolumne15. Juli 2016, 17:00
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Die große Lust an der Sezession

Get lost, continent! Seit die Briten der EU mit ihrem Brexit die lange Nase gezeigt haben, kommen wir mit der Erfindung neuer Exit-Wörter kaum mehr nach. Der französische Nationalistenbazi träumt vom Frexit, der finnische vom Fixit, der griechische vom Grexit, der österreichische vom Öxit. Und dies ganz zu Recht! Denn etwas Geileres als ein vom Rest der Welt separiertes Österreich lässt sich schwerlich vorstellen. Da würde endlich alles gut!

Auch in den USA hat der Brexit die Lust am Sich-Abseilen mächtig angefacht. Für das Texas Nationalist Movement unter seinem klodeckelbärtigen Chef Daniel Miller ist es spätestens jetzt an der Zeit, sich mit einem "Texit" von den präpotenten Bundesdeppen loszusagen. Solche Ideen kommen in der amerikanischen Provinz immer gut an. Bei den Landeiern ("local yokels") ist Washington, D.C., mindestens ebenso beliebt wie Brüssel bei der Kronen Zeitung.

Was aber wäre, wenn Texas sich wirklich aus dem amerikanischen Dachverband schleichen sollte? Dann käme, frei nach dem Motto "E unum pluribus", vielleicht noch der Alxit in Alabama, der Haxit in Hawaii, der Kaxit in Kansas, der Nexit in Nebraska, der Uxit in Utah und der Wyxit in Wyoming. Die Landkarte würde ein bisschen unübersichtlicher, dafür aber könnte jeder seine Sezessionsgamsigkeit nach Herzenlust ausleben.

Hier in Österreich bräuchten wir dringend ein Referendum über einen Austritt Wiens aus dem Bundesgebiet. Die Gründe für einen Wixit liegen auf der Hand: Wer von uns Wienern braucht etwa diese Schülerhorden aus St. Johann im Pongau oder Hinterbraz, die uns jedes Jahr auf ihren "Wienwochen" die Straßenbahnen verstopfen? Wie kommen wir Wiener dazu, konstant die Fehlleistungen der Gscherten ausbaden und den Zahlmeister für burgenländische Blödheiten, Kärntner Kapriolen und Tiroler Trotteleien spielen zu müssen? Dass jeder Steuerzahler für den Hypo-Schaden, den uns eine entfesselte Klagenfurter Defraudantenpartie eingebrockt hat, mitbezahlen darf, sollte reichen.

Die Gscherten sollen sich nicht aufregen, sie haben ja selber etwas davon, wenn wir einander los sind. Schließlich ist ja auch manche Wiener Spezialität nicht jedermanns Sache: der Grant, der Hamur oder eine Erdberger Zumutung wie Hazee Strache zum Beispiel. (Christoph Winder, Album, 15.7.2016)

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