Casinos Austria wächst in allen Geschäftsbereichen

15. Juli 2016, 13:10
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Das Kartellgericht hat zum Novomatic-Einstieg einen Gutachter bestellt

Wien – Der teilstaatliche Casinos-Austria-Konzern, bei dem gerade der bisherige Erzrivale Novomatic einsteigt, war auch im ersten Halbjahr 2016 auf Wachstumskurs. Vor allem im Internet und in den zwölf heimischen Casinos rollte die Kugel. Im Ausland will Konzernchef Karl Stoss heuer die lang in Aussicht gestellte schwarze Null schaffen.

In allen Geschäftsbereichen seien in den ersten sechs Monaten 2016 Zuwächse erzielt worden, sagte Stoss am Freitag bei einer Pressekonferenz. In den österreichischen Casinos war das Umsatzplus von acht Prozent auf 156 Mio. Euro zu einem Gutteil ausländischen Besuchern zu verdanken (plus sieben Prozent auf 1,44 Millionen).

Jeder zweite Gast aus Ausland

Bereits 50 Prozent der Casinobesucher kommen aus dem Ausland, vor fünf Jahren waren es noch 40 Prozent, so Stoss. Während im Casino in der Wiener Kärntner Straße vor allem Araber und Asiaten Geld liegen lassen – und sich dabei sowohl bei Speisen als auch bei Spielen "völlig anders" verhalten als Österreicher -, sind es in Bregenz Schweizer und Deutsche, die für blendende Geschäfte sorgen. In Vorarlberg, dem Heimatbundesland Stoss', kommt den Casinos die Frankenstärke zupass. "Wenn Sie in der Schweiz eine Suppe bestellen und unter 20 Franken davonkommen, haben Sie Glück gehabt. Da kriegen Sie bei uns schon fast ein ganzes Menü", sagte Stoss.

Apropos Menü: Die Casinos Austria betrieben nun in elf ihrer zwölf Casinos das Restaurant selbst. Auch im neuen Casino in Zell am See (Bundesland Salzburg) hat der Konzern per April die Gastro übernommen. "Das Konzept geht auf. Im ersten Halbjahr haben wir bei den Restaurants ein Plus von 22,4 Prozent erzielt."

Millioneninvestitionen

Heuer wollen die Casinos Austria 36 Mio. Euro investieren, wobei ein Großteil auf den Tausch von 1.000 der insgesamt 2.100 Glücksspielautomaten entfällt. Sämtliche Automaten in Österreich müssen ans Bundesrechenzentrum (BRZ) angeschlossen werden. Die Casinos Austria haben vom Gesetzgeber zum Teil großzügige Übergangsfristen bis 2019 eingeräumt bekommen. Daneben will Stoss das Casino Graz einem Relaunch unterziehen und beim bereits umgebauten Casino Salzburg auch den Außenbereich aufhübschen. Die Spielstätte in Velden wurde erst kürzlich neu eröffnet.

Erneut als Umsatzbringer (plus 12 Prozent auf 1,67 Mrd. Euro) erwiesen sich die Lotterien, zu denen auch die Cashcow Online-Zocken (Win2day) und die WINWIN-Automatenhallen gehören. Im Internet sprang der Umsatz um fast ein Viertel auf knapp 779 Mio. Euro, dies dank zahlreicher neuer Spiele. "Mittlerweile haben wir 870.000 User auf unserer Plattform", so Stoss. Mehr und mehr zocken via Smartphone und Tablet.

Im klassischen Lotteriespiel stagnierte der Umsatz bei 651 Mio. Euro. "Stabilisiert" hat sich auch die Lage bei den WINWIN-Automatenhallen, die 2015 einen Verlust von 2,4 Mio. Euro geschrieben hatten. Die Sportwettentochter Tipp3 hat heuer dank Fußball-Europameisterschaft – wie auch die großen Konkurrenten im Online-Bereich – einen 13. Umsatzmonat. "Während der EM wurden mehr als 700.000 Wetten platziert", so Stoss.

Auslandstochter im Aufwind

Bei der lange Zeit Verluste schreibenden Auslandstochter CAI (Casinos Austria International) läuft es auch wieder besser; 2016 soll es auch unterm Strich ein positives Ergebnis geben. Operativ werfen alle Beteiligungen schon Gewinn ab, so Stoss. Vor allem in Kanada, Ungarn, der Schweiz und der ehemaligen "Problemspielbank" Niedersachsen (Deutschland) entwickelten sich die Umsätze in den vergangenen Monaten gut.

Insgesamt will Stoss das Konzernergebnis heuer auf mehr als 80 Mio. Euro steigern, nach 55 Mio. Euro im Jahr 2015. In den Inlandscasinos soll der Gewinn von knapp 21 Mio. auf 30 Mio. Euro erhöht werden und die Besucherzahl auf mehr als drei Millionen (2015: 2,7 Millionen).

Rochaden auf Eigentümerebene

Zur Eigentümersituation gab von Stoss am Freitag keine großen Neuigkeiten. Der Novomatic-Konzern hält durchgerechnet bereits 40 Prozent an den Casinos und will sich mit einem tschechischen Konsortium, das mehr als 11 Prozent der Casinos-Anteile innehat, zusammentun. "Das liegt jetzt beim Kartellgericht. Das hat einen Gutachter bestellt. Die Ergebnisse kennen wir nicht, weil wir sind nicht Partei in diesem Verfahren", so Stoss. Am Ende werde die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) beurteilen, "mit welchen möglichen Auflagen der Deal durchgeht". 2016 wird es nach Einschätzung von Stoss aber damit sicherlich nichts, zumal eine Reihe von aufsichtsrechtlichen Genehmigungen aus dem Ausland erteilt werden muss. Und die Behörden in Kanada, Australien und der Schweiz "prüfen sehr kritisch". Bis dahin heißt es puncto Expansion abwarten – das gilt sowohl für den Automatenbereich in Österreich, in dem Novomatic Branchenführer ist, als auch für Akquisitionen im Ausland. (APA, 15.7.2016)

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