Nordkorea beschuldigt Überläufer der Spionage und Kindesentführung

15. Juli 2016, 11:23
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Behörden inszenierten öffentliches Geständnis

Pjöngjang/Seoul – In einem öffentlich inszenierten Geständnis hat Nordkorea einen ehemaligen Staatsangehörigen der Spionage und Kindesentführung beschuldigt. Ko Hyon-chol, der 2013 aus Nordkorea geflohen war und inzwischen die südkoreanische Staatsangehörigkeit hat, "gestand" am Freitag, dass er in seinem ehemaligen Heimatland zwei Waisenkinder habe entführen und nach Südkorea bringen wollen.

"Ich habe das unverzeihliche Verbrechen begangen, an einer Kindesentführung teilgenommen zu haben", sagte Ko unter Tränen bei einem Auftritt im Volkspalast der Kulturen in der Hauptstadt Pjöngjang. In einer 30-minütigen Erklärung bezeichnete er sich selbst als "Vaterlandsverräter" und schilderte detailliert seine Flucht, seine Rekrutierung durch den südkoreanischen Geheimdienst und seine "kriminellen Taten".

Derart inszenierte, scheinbar nach Drehbuch ablaufende öffentliche Geständnisse sind in dem kommunistischen Land üblich, wenn Nordkoreaner oder Ausländer wegen angeblich staatsfeindlicher Aktivitäten festgenommen werden.

Das südkoreanische Wiedervereinigungsministerium forderte am Freitag die sofortige Freilassung und Auslieferung von Ko. Nordkorea solle die "illegalen Festnahmen" südkoreanischer Staatsbürger stoppen und dürfe diese nicht für "Kriegspropaganda" einsetzen.

Ko war im Jänner 2013 aus Nordkorea geflohen, weil die Behörden wegen Schmuggels gegen ihn ermittelten. Er lebte ein Jahr in China, bevor er 2014 über Laos und Thailand nach Südkorea gelangte. Bei seinem Auftritt sagte er, er habe in Südkorea keine Arbeit gefunden und sich deshalb an eine Organisation geflüchteter Nordkoreaner gewandt, die ihn mit Geheimdienstagenten bekannt gemacht hätten.

Im Mai habe er den Auftrag bekommen, eine Entführung von nordkoreanischen Waisenkindern zu organisieren, wofür ihm 10.000 Dollar (9000 Euro) pro Kind angeboten worden seien. Ende Mai habe er mit einem Schlauchboot von China nach Nordkorea übergesetzt, um zwei Mädchen im Alter von acht und neun Jahren aus einem Waisenhaus zu entführen. Wenige Stunden später sei er festgenommen worden. (APA, 15.7.2016)

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