"Desaster für Innovation": Techbranche wettert gegen Donald Trump

15. Juli 2016, 11:00
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"Wut, Bigotterie, Angst vor neuen Ideen" – Manager von Apple, Facebook und anderen US-Firmen unterzeichnen Schreiben

Die beiden US-Großparteien stehen kurz vor ihren Parteitagen, auf denen sie offiziell ihre Kandidaten für das Rennen um die Präsidentschaft küren. Anfang November schreitet das Land zur Urne und kürt den Nachfolger von Barack Obama, der nach zwei Amtszeiten im Jänner 2017 aus dem Amt scheiden wird.

Während bei den Demokraten die einstigen Konkurrenten Bernie Sanders und die in den Vorwahlen siegreiche Hillary Clinton nunmehr Einigkeit demonstrieren, brodelt es bei den Republikanern nach wie vor ob der anstehenden Nominierung des umstrittenen Milliardärs Donald Trump. Doch nicht nur innerparteilich stößt Trump auf Widerstände, auch in der Tech-Branche scheint seine Anhängerschar überschaubar zu sein. In einem offenen Brief auf Medium äußern zahlreiche Manager nun harsche Kritik an ihm.

"Ein Desaster für die Innovation"

"Wir glauben an ein inklusives Land, das Möglichkeiten, Kreativität und faire Ausgangsbedingungen schafft. Donald Trump tut das nicht", heißt es einleitend in dem Text. "Seine Kampagne nährt sich von Wut, Bigotterie, Angst vor neuen Ideen und neuen Leuten und dem fundamentalen Glauben, dass Amerika schwach und im Abstieg begriffen sei."

Man habe seinen Botschaften lange zugehört und sei mittlerweile überzeugt, dass Trump "ein Desaster für die Innovation" wäre, da seine Vorstellungen gegen den offenen Austausch von Ideen, die Bewegungsfreiheit der Menschen und produktiven Austausch mit dem Rest der Welt stünden.

Kritik an rassistischen Äußerungen

"Vielfalt ist unsere Stärke. Großartige Ideen kommen aus allen Teilen der Gesellschaft", heißt es weiter. Eine progressive Einwanderungspolitik helfe der Branche, einige der "klügsten Köpfe dder Erde" ins Land zu holen und dort zu halten. Von den 500 wertvollsten Unternehmen des Landes seien immerhin 40 Prozent von Einwanderern oder deren Kindern gegründet worden.

Dem gegenüber stünden Trumps Verwendung rassistischer Stereotype, Beleidigungen gegenüber Frauen und Versprechen wie Massenabschiebungen oder die Errichtung einer Mauer an der Grenze zu Mexiko. Der republikanische Vorwahlsieger habe zudem angeregt, als Sicherheitslösung Teile des Internets "abzuschalten", was mangelndes Urteilsvermögen und technologische Unkenntnis demonstriere. Hinzu komme sein bedenklicher Umgang mit Pressevertretern.

Optimistische Vision gefordert

Die Regierung spiele eine wichtige Rolle für den Technologiesektor, indem sie in Infrastruktur, Bildung und Forschung investiere. Trump liefere in diesem Bereich nur "sprunghafte und widersprüchliche" Ansagen. Seine fehlende Achtung vor rechtlichen und politischen Institutionen sei eine Bedrohung für den Wirtschaftsstandort.

Ohne sich explizit für Clinton stark zu machen, erklärt man, "gegen Donald Trump einzustehen" und fordert "einen Kandidaten, der sich jene Ideale zu eigen macht, auf denen die US-Techindustrie erbaut wurde". Man verlange eine optimistische Vision für ein offenes, innovatives Land.

145 Unterzeichner

Formuliert wurde der Brief von Katie Stenton, CMO bei Color Genomics und ehemalige Medienchefin von Twitter. Ihr schließen sich 144 weiter Unterzeichner an, darunter auch einflussreiche aktuelle und ehemalige Mitarbeiter von Firmen wie Google, Apple oder Instagram. Auf der Liste finden sich etwa Apple-Mitgründer Steve Wozniak, Qualcomm-Vorstandschef Paul Jacobs, Tumblr-Gründer David Karp oder Arielle Zuckerberg, die jüngste Schwester von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg.

Es wird allerdings festgehalten, dass sie als Privatpersonen den Brief mittragen und ihre Einstellung nicht notwendigerweise die Position ihrer jeweiligen Firma reflektiert. Aber auch manche Unternehmen haben bereits ihren Protest gegen Trump bekundet. Im Gegensatz zu den Vorjahren verweigert Apple heuer jegliche Unterstützung für den anstehenden Parteitag der Republikaner. (gpi, 15.07.2016)

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  • Die republikanische Basis mag ihn, das Partei-Establishment eher nicht: Donald Trump.
    foto: ap

    Die republikanische Basis mag ihn, das Partei-Establishment eher nicht: Donald Trump.

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