New Yorker Wolkenkratzer in der Einöde

Ansichtssache16. Juli 2016, 12:00
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Ein Mediendesigner versetzt berühmte New Yorker Bauwerke ins Nirgendwo und will dadurch ihre Architektur in den Fokus rücken

foto: anton repponen / repponen.com

Die Fassade ist eigentlich das Erste, was ins Auge sticht. Im Alltag findet sie aber nur wenig Beachtung. Sie wird oft von Gerüsten und Schildern versteckt und von Autos verparkt.

In seiner "Misplaced Series" nimmt der New Yorker Mediendesigner Anton Repponen New Yorker Bauwerke und versetzt sie in trostlose Einöde: Dadurch will er die Architektur mehr zur Geltung bringen. Einige der Gebäude werden so noch schöner – andere wiederum funktionieren in diesem isolierten Kontext plötzlich nicht mehr.

Im Bild: das Luxushotel "The Standard, High Line" von Ennead Architects

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foto: anton repponen / repponen.com

Wie es zu dem Projekt kam: Repponen beschäftigte sich mit Architekturfotografie und der Frage, wie Gebäude am schönsten abgebildet werden können.

Bei der Nachbearbeitung entfernte er daher nach und nach immer mehr "störende Elemente" wie Gerüste, Schilder, Menschen und Autos. "Irgendwann habe ich den Rest der Umwelt auch entfernt, bis nur noch das isolierte Gebäude übrig war", schreibt er in einem Blogpost dazu. Dann habe er sich entschlossen, eine surreale Landschaft als Hintergrund zu probieren.

Im Bild: das Whitney Museum, Architekt: Renzo Piano

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foto: anton repponen / repponen.com

Die Landschaften, in die Repponen die Gebäude versetzt, hat er selbst auf unterschiedlichen Reisen fotografiert – die meisten in Hawaii, einige in Costa Rica und Peru. Eine der Hauptherausforderungen: "Wichtig war, dass die Schatten in der Landschaft und die Schatten am Gebäude zusammenpassen", so Repponen. Er fotografierte viele seiner Gebäude um 5 Uhr morgens.

Im Bild: ein von Frank Gehry geplanter Turm in der Spruce Street in New York

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foto: anton repponen / repponen.com

In Midtown Manhattan fotografierte Repponen das Met Breuer, ein Museum für moderne Kunst, das von dem Architekten Marcel Breuer entworfen und 1966 fertiggestellt wurde.

Was man nicht sieht: Das Foto besteht eigentlich aus drei Aufnahmen, die der Designer zu einer zusammenstückelte. Die größte Herausforderung sei dabei die Spiegelung im Fenster gewesen, schreibt er.

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Das Solomon R. Guggenheim Museum, das von Frank Lloyd Wright und George Cohen geplant und 1959 fertiggestellt wurde, sei eines der zeitaufwendigsten Gebäude gewesen. Denn schon um 6 Uhr Früh hätten Touristenbusse davor geparkt – das Erdgeschoß musste er sich also aus unterschiedlichen Fotos zusammenbasteln.

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foto: anton repponen / repponen.com

Einfacher sei das Hauptquartier der Vereinten Nationen gewesen, das von Oscar Niemeyer und Le Corbusier geplant wurde. Hier steht es übrigens in einer Wüste in Brasilien. In der Fassade spiegelten sich im Original die benachbarten New Yorker Gebäude, nun ist es die Wüste.

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foto: anton repponen / repponen.com

Die Spiegelung war auch beim IAC Building, das von Frank Gehry entworfen wurde, problematisch, wie Repponen schreibt.

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foto: anton repponen / repponen.com

Das New Museum, von Sejima + Nishizawa entworfen, fotografierte Repponnen kurz vor Sonnenaufgang. Das Original sei daher sehr dunkel gewesen.

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foto: anton repponen / repponen.com

Die Metropolitan Opera (Architekt: Wallace Harrison) ist das Foto, das Repponen am wenigsten gefällt: Es seien zu viele Menschen auf den Balkonen gewesen und zu viele Spiegelungen an der Fassade.

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foto: anton repponen / repponen.com

Zeitwaufwendig war auch dieses Gebäude am Cooper Square (Architekt: Thom Mayne), zu dem Repponen fünfmal zurückkehrte, um es erneut abzulichten. Alleine das Nachbearbeiten habe 14 Stunden gedauert. Am Ende setzte der Mediendesigner sechs Fotos zu einem zusammen.

Ursprünglich war das Projekt gar nicht als Serie geplant. Repponen teilte die Fotos auf seinem Instagram-Account –bis dieser von den Medien entdeckt wurde. Um dem Projekt Leben einzuhauchen, wurden die Fotos auf der Seite mit humorvollen – und natürlich fiktiven – Geschichten des Journalisten Jon Earle versehen. (zof, 16.7.2016)

Nachlese

Wie die Emotionen ins Rendering kommen

Architekturfotografie: Auf den dritten Blick

Link

Misplaced Series

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