Album der Woche: Black Heino – "Heldentum und Idiotie"

15. Juli 2016, 10:47
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Black Heino grölen und hacken sich auf "Heldentum und Idiotie" Richtung Hausbesetzer-Poppunk und des Grauschleiers von 1980

Es ist tatsächlich nicht ganz einfach, sich diese Musik als eine zeitgenössische vorzustellen. Und ein wenig seltsam mutet es schon auch an, dass sich mitteljunge deutsche Männer 2016 daran versuchen, die Musik ihrer Eltern nachzustellen. Allerdings kann es ja nicht das Problem der Alten sein, wenn den Jungen nichts Neues mehr einfällt. Das haben die Alten ohnehin schon immer behauptet. Das ist auch der Zweck des sogenannten Generationenkonflikts, der in den letzten Jahren allerdings von Rentnerseite her etwas einseitig verläuft.

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Auf jeden Fall gilt es heute mehr denn je als notwendig, nach all dem geschmäcklerischen Retro-Käse in Sachen New Wave und softer 1970er-Jahre-Kokser-Pop Klartext zu sprechen. Bass, Gitarre, Schlagzeug. Gotterbärmliche Künstlernamen: Diego Castro, Kpt. Plasto, Max Power. Die Riffs kommen von Iggy Pop und David Bowie in deren Berlin-Phase. Auf dem Cover werden ja auch The Idiot und Heroes zitiert.

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Der Sänger singt nicht, weil er es nicht können muss. Er spuckt. Er quengelt. Manchmal klingt das in seiner stumpfen Riff-Hackerei zwischen I Wanna Be Your Dog und The Passenger ganz arm. Manchmal klingt es verdammt gut. "Eigenheim, Eigenheim, ich bau dich kurz und klein", heißt es da. Oder auch: "Träum schlecht von Sex mit Beate Zschäpe." In den Texten kommen schreckliche alte Wörter vor wie Abschiebehaft, Volkswirtschaft, Kontrollgesellschaft.

Grubenhunde

Black Heino führen im Bandnamen nicht nur den alten rechten deutschen Schlagerzombie Heino vor, dem sie auf Konzertplakaten gern mittels der radikalen afroamerikanischen Hip-Hopper Public Enemy eine neue Bedeutung zuordnen: Fear of a black Heino. Mit Textzeilen wie "Weniger Staat hab ich mir anders vorgestellt" und dem Lied Die Rache von Jürgen Ponto samt seinen RAF-Referenzen wird hier auch pophistorische Grubenhund arbeit geleistet, die man sich im Wesentlichen schon länger gewünscht hätte. Irgendwann muss ja auch wieder Schluss sein mit dieser gefühligen Bauchnabelumkreisung namens Thees-Uhlmannerei. Paul ist tot, kein Freispiel drin. (schach, Rondo, 15.7.2016)

  • Black Heino – Heldentum und Idiotie (Tapete)
    cover: tapete

    Black Heino – Heldentum und Idiotie (Tapete)

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