Wolford vertraut auf Bregenz

15. Juli 2016, 17:04
6 Postings

Wäscheriese arbeitet an Profitabilität und neuen Shops

Wien – "Wir haben kein Problem mit den Herstellungskosten, sondern eine hohe, herzeigbare Bruttomarge. Und wir glauben weiterhin an die Produktionsstätte Europa." Axel Dreher, über viele Jahre Chef des von starken Restrukturierungen betroffenen Dessousherstellers Triumph Österreich und seit 2013 Finanzvorstand des Bregenzer Strumpf- und Wäschekonzerns Wolford, hält in seinem aktuellen Job nichts von Kapazitätsverlagerungen aus Österreich und Slowenien.

Einsparungen in günstigeren Produktionsländern seien nicht selten fiktiv und stünden nur auf dem Papier, sagt er. Denn bis bestellte Ware von dort geliefert werde, könne sich der Markt schon längst wieder verändert haben.

Wolford zählt weltweit 1570 Beschäftigte. 660 fertigen in Vorarlberg, 300 in Slowenien. Und dabei soll es bleiben, verspricht das Management. Der Konzern ist mehrheitlich in Hand der Gründerfamilie Palmers, die sich schon vor langer Zeit von der gleichnamigen Wäschekette trennte. Mehr als ein Viertel der Anteile hält als größter Einzelaktionär Ralph Bartel; der Schweizer ist Gründer des Reiseportals Travelzoo. 33 Prozent sind Streubesitz an der Börse.

Wolford verarbeitet Garne zu Strümpfen, Lingerie und äußerst knapp geschnittener Damenoberbekleidung, angesiedelt im gehobenen Preissegment. 2015/16 legte der Umsatz dank positiver Währungseffekte und wachsenden Onlinehandels leicht auf 162 Millionen Euro zu. Das operative Ergebnis war positiv. Nach Steuern drehte die Gruppe nach der Auflösung latenter Steueransprüche jedoch mit sechs Millionen Euro in die Verlustzone. Dreher spricht von Einmaleffekten. Der Hauptversammlung schlägt er eine Dividende von 20 Cent je Aktie vor.

Der schwache Konsum hinterließ aber auch bei den Vorarlbergern, die 70 Prozent ihres Umsatzes mit eigenen Filialen erzielen, Spuren. Kernmärkte wie Deutschland und Frankreich schwächelten. Der Markt für persönliche Luxusgüter stagniert. Touristenströme aus Russland und China nahmen spürbar ab. Auch die Amerikaner konsumierten trotz starker Kaufkraft nur verhalten.

Wolford vertraut auf ein neues Shop-Konzept, das im Herbst in Berlin, Schanghai und Beverly Hills lanciert wird – und höhere Profitabilität. 2019/20 soll die Betriebsergebnis-Marge die Zehn-Prozent-Marke sprengen. (vk, 15.7.2016)

  • Artikelbild
    foto: arnd wiegmann
Share if you care.