Artenvielfalt dürfte vielerorts unter kritischer Schwelle liegen

15. Juli 2016, 07:00
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Konzept der "Planetaren Grenzen" ist aber umstritten

Cambridge/Wien – Wie gut ist es um die globale Biodiversität bestellt? Welchen Schaden hat die stets weiter wachsende Landnutzung des Menschen angerichtet? Diesen beiden Fragen geht eine Studie nach, für die an nicht weniger als 18.600 verschiedenen Standorten weltweit das Artenvorkommen analysiert wurde. Die Untersuchung ist die vermutlich größte zu diesem Thema, werteten die Forscher um Tim Newbold doch 2,3 Millionen Aufzeichnungen aus und berücksichtigten dabei mehr als 39.100 Spezies.

Das Ergebnis der Studie, die am Donnerstag im Fachblatt "Science" veröffentlicht wurde, fällt zumindest aus Sicht der beteiligten Forscher alarmierend aus: Die Artenvielfalt sowie die Größe der Populationen unterschreiten auf 58 Prozent der Erdoberfläche eine kritische Grenze. Damit seien auch entscheidende Ökosystemleistungen (wie beispielsweise die Bestäubung von Nutzpflanzen), die von der funktionellen Biodiversität einer Region abhängen, gefährdet.

Die Berechnungen der Forscher basieren auf dem Konzept der "Planetaren Grenzen" und einem Index, der die Intaktheit der Biodiversität (BII) misst. Umstritten ist allerdings, ab wann die Reduktion der ursprünglichen Artenvielfalt bedenklich wird: Die an der Studie beteiligten Forscher gehen von zehn Prozent aus, andere halten auch noch 70 Prozent für vertretbar.

Entsprechend ambivalent fallen auch die Reaktionen einiger unabhängiger Forscher auf die Studie aus. Für Carsten Neßhöver (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung) gehe diese von sehr vielen Annahmen aus, nicht zuletzt bei der Setzung der sogenannten "Planetaren Grenzen". Daher sei auch das Fragezeichen in der Überschrift der Studie gut gewählt: "Has land use pushed terrestrial biodiversity beyond the planetary boundary?" (tasch, 15.7.2016)

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