Wie ein chinesischer Betrüger ein deutsches Bundesland hereinlegte

15. Juli 2016, 07:00
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Rheinland-Pfalz wurde Opfer eines dubiosen Investors, der den Kauf eines defizitären Flughafens versprach, aber nie zahlte

Aufstehen, lächeln, weitermachen. Nach diesem Motto hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Donnerstag im Landtag von Mainz zwar einen Misstrauensantrag der Opposition überstanden, doch ihr bemühter Optimismus konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie das Debakel um den Regionalflughafen Frankfurt-Hahn schwer trifft.

Schließlich musste Dreyer, die mit der einzigen Ampelkoalition Deutschlands regiert, zugeben, beim geplanten Verkauf des Flughafens wohl auf Betrüger aus China hereingefallen zu sein.

Dubioser Investor

Vor kurzem noch wurde bei rheinland-pfälzisch-chinesischen Häppchen gefeiert. Das Land, das 82,5 Prozent Anteile an dem defizitären Regionalflughafen in der strukturschwachen Hunsrückregion hält, hatte einen Käufer für den "Hahn" gefunden. Für 13 Millionen Euro wollte der chinesische Baukonzern Shanghai Yiqian Trading übernehmen.

Dessen Generalbevollmächtigter Yu Tao Chou zeichnete eine rosa Zukunft für den ehemaligen Militärflughafen, der von den USA genützt worden war: Ausbau des Frachtgeschäfts, steigende Passagierzahlen durch attraktive Pauschalangebote für Asienreisende. Ein Altenheim und ein Luxushotel sollten auch noch errichtet werden.

Das Geld kam nicht

Doch dann kamen keine Zahlungen aus China. In Rheinland-Pfalz machte sich Unruhe breit, Randolf Stich (SPD), Staatssekretär im Mainzer Innenministerium, wurde nach China geschickt, um mal nach dem Rechten zu sehen.

Er fand es nicht. Vielmehr erklärte ihm die Bank of China, als er einen angeblich von ihr ausgestellten Liquiditätsnachweis für die Shanghai Yiqian Trading vorlegte, es handle sich um eine Fälschung. Zudem hatte das Unternehmen den Kauf in China nicht angemeldet. Der Firmensitz entpuppte sich als Autowerkstatt.

Kriminelle Absichten

In Rheinland-Pfalz war das Entsetzen groß. Bei der Prüfung des Käufers seien "schlimme Fehler" gemacht worden, räumte Dreyer ein: "Heute ist klar, dass der zum Zuge gekommene Bieter kriminelle Absichten hatte." Geklärt werden muss auch die Rolle von Wirtschaftsprüfer KPMG, die das Land beriet. Diese hat offenbar auf Unstimmigkeiten beim Handelsregistereintrag hingewiesen, aber nicht explizit vom Kauf abgeraten.

Das Debakel von Hahn lässt auch wieder Erinnerungen an einen anderen Megaflop aufkommen. Dreyers Vorgänger Kurt Beck (SPD) wollte die alte Rennstrecke des Nürburgrings in der Eifel privatisieren. Das Land steckte 350 Millionen Euro in eine Erlebniswelt, doch die Schecks des "Investors", eines angeblichen US-Milliardärs, waren nicht gedeckt.

Nun wird doch nicht mit den beiden anderen Bietern verhandelt, sondern neu ausgeschrieben, schreibt das Handelsblatt. (Birgit Baumann aus Berlin, 15.7.2016)

  • Yu Tao Chu landet künftig besser nicht mehr in Frankfurt-Hahn.
    foto: ap

    Yu Tao Chu landet künftig besser nicht mehr in Frankfurt-Hahn.

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