Spitalsarzt bringt Land Niederösterreich vor Gericht

14. Juli 2016, 18:29
57 Postings

Ein Neurochirurg aus Wiener Neustadt fürchtet um seine Fertigkeit, weil man ihn nicht operieren lässt. Arbeitgeber Land wehrt sich gegen seine Klage

Wien – In St. Pölten hat am Donnerstag der Prozess jenes Neurochirurgen vom Landesklinikum Wiener Neustadt begonnen, der das Land Niederösterreich geklagt hatte. Der Arzt arbeitet in der neurochirurgischen Station, wird aber laut Klage gegen seinen Arbeitgeber Land seit Juli 2014 nicht mehr regelmäßig zum Operieren eingeteilt. Dadurch verliere der "hochqualifizierte Spezialist" seine Fertigkeiten und Karrieremöglichkeiten, erklärte sein Anwalt, Johannes Öhlböck, bei der ersten Tagsatzung. Das Land solle daher für etwaige Schäden geradestehen.

Dessen Rechtsanwalt Thomas Reisch beantragte die Abweisung der Klage. Er sehe "kein völliges Brachliegen der Fähigkeiten" des Chirurgen, der seit November nur noch 15 Wochenstunden arbeite.

Abteilung mit Problemen

Damit war er am Knackpunkt angelangt. Denn die kurze Arbeitszeit sei Folge des "Mobbings", dem der Arzt laut Öhlböck ausgesetzt sei, auch das ist gerichtsanhängig. Der Primar und ein Großteil seiner Chirurgen haben sich entfremdet. Wie berichtet hat sich die Innenrevision der Landesklinikenholding mit den Zuständen an der Abteilung befasst, ihr Bericht "zeigt angeblich erhebliche Missstände auf", so Öhlböck. Details könnten die Zeugenaussagen ab Oktober ergeben: Befragt werden Ärzte der Abteilung, der Chef der Abteilung und der Klinik sowie Landesbeamte.

Ob der Chirurg vielleicht woanders arbeiten wolle, fragte der Richter dann noch – laut Anwalt des Landes seien Versetzungen ja jederzeit möglich. Das wusste sein Vertreter nicht, aber: "Der Kläger möchte keine graue Maus sein und auch kein weißer Elefant. Er will nur operieren." (Renate Graber, 15.7.2016)

Share if you care.