Die Chancen stehen gut, dass wir alle einen Doppelgänger haben

17. Juli 2016, 17:53
89 Postings

BBC widmet dem Zwillings-Phänomen einen ausführlichen Beitrag mit überraschendem Resümee

Eine alte Binsenweisheit besagt, dass jeder einen Doppelgänger besitzt – ein perfektes Gegenstück, das irgendwo auf der Welt lebt und einem bis aufs Haar gleicht. Manche von uns mögen ihm vielleicht schon begegnet sein. Die Idee jedenfalls existiert, seit Menschen ihre Geschichten niederzuschreiben begannen: Die erste bekannte Erwähnung eines Doppelgängers findet sich bereits im über 4.000 Jahre alten Gilgamesch-Epos.

Zieht man die Berichte in Betracht, die dank Twitter, Instagram und Co. in den vergangenen Jahren verbreitet wurden, könnte man fast annehmen, dass an der Redensart tatsächlich etwas dran ist. Der Fall von Neil Thomas Douglas im vergangenen Oktober jedenfalls klingt verblüffend: "Ich war der letzte, der das Flugzeug betrat, und musste feststellen, dass mein Platz bereits besetzt war. Ich bat den Mann, eins weiter zu rücken – und als er sich mir zuwandte, hatte er mein Gesicht", berichtete der bärtige Schotte.

Die Bilder (oben) gingen durch die Medien, und es lässt sich nicht leugnen: Douglas und sein Lookalike namens Robert Stirling aus London könnten eineiige Zwillinge sein. Kurioserweise begegneten die beiden einander am selben Tag noch einmal in einem Hotel und später am Abend in einer Bar. Dort akzeptierten sie schließlich das Offensichtliche, nämlich, dass das Universum wohl nicht eher ruhen würde, bis sie zusammen ein Bier tranken.

Die Mathematik sagt: Unwahrscheinlich

Nähert man sich diesen Anekdoten von der wissenschaftlichen Seite, spricht allerdings zunächst wenig dafür, dass wir tatsächlich alle irgendwo einen echten Doppelgänger haben: Eine im vergangenen Jahr im Fachjournal "Forensic Science International" veröffentlichte australische Studie kam zu dem Schluss, dass es eigentlich praktisch keine zwei gleichen Gesichter geben kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass unter allen 7,4 Milliarden Erdbewohnern bei zwei Menschen nur acht Grundeigenschaften genau gleich ausgeprägt sind, läge laut Hauptautor Teghan Lucas von der University of Adelaide bei 1 zu 1.000 Milliarden.

Sind unsere mutmaßlichen Doppelgänger also nur verschwindend seltene Einzelfälle? Vermutlich doch nicht, meint Zaria Gorvett, die sich auf den Internetseiten der BBC des Doppelgänger-Phänomens in üppiger Ausführlichkeit angenommen hat. Ihre Conclusio basiert nicht auf dem streng mathematischen Zugang der australischen Forscher, sondern zieht unsere individuellen Wahrnehmungen von Gesichtern ins Kalkül, und wie diese in unserem Gehirn abgespeichert werden.

Als Beispiel führt sie unter anderem die faszinierende Arbeit von Francois Brunelle an, der für sein Projekt "I'm not a lookalike" über 200 Doppelgänger-Paare fotografiert hat. Die von Gorvett zitierten Experten halten es demnach für plausibel, dass wir früher oder später unserem Double im Internet sogar begegnen könnten. Immerhin sorgt das digitale Zeitalter dafür, dass Bilder von so gut wie jedem Bewohner der Industriestaaten über kurz oder lang im Netz landet.

--> BBC: You are surprisingly likely to have a living doppelganger

--> Francois Brunelle: I'm not a lookalike

--> Forensic Science International: Are human faces unique? A metric approach to finding single individuals without duplicates in large samples.

(red, 17.7.2016)

Share if you care.