Aufreibender Dauerdruck auf Frankreichs Armee

14. Juli 2016, 17:12
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Terror-Daueralarm, dazu Militäreinsätze von Afrika bis Syrien: Frankreichs Armee stößt langsam an ihre Grenzen. Am Nationalfeiertag kündigte Präsident Hollande eine Neugewichtung der Militärpräsenz an.

Die traditionelle Truppenparade des "Quatorze Juillet" (14. Juli) wurde heuer einmal von neuseeländischen Maori-Kriegern angeführt. Der Barfußmarsch der tätowierten Ehrengäste sollte versinnbildlichen, dass die französische Armee wie die Republik keinen nationalistischen, sondern einen universellen Anspruch hat. Der waffenklirrende Umzug über die Pariser Prachtavenue stelle ein "republikanisches Rendezvous" dar, meinte denn auch ein TV-Moderator in der stundenlangen Live-Übertragung. Auch die Linke begeht den auf den revolutionären Bastille-Sturm zurückgehenden 14. Juli mit Inbrunst, und der Sozialist François Hollande zeigte sich stolz, die "herrliche Parade" abnehmen zu dürfen.

Weniger prächtig ist bei genauerem Hinsehen der Zustand der Armee: Unter dem Mantel der Verschwiegenheit erklären Soldaten und Offiziere in den Medien, die Einheiten seien müde, erschöpft und ausgelaugt von den sich überlagernden Spezialmissionen. 32.000 Männer und Frauen sind im Dauereinsatz – was auch für die bestandsmäßig größte europäische Berufsarmee nicht leicht zu verkraften ist.

Heikle Missionen

Seit den Terroranschlägen im Jänner 2015 läuft in Frankreich die Operation "Sentinelle". Und nicht minder heikel sind die Missionen im Sahelgebiet sowie in Syrien und im Irak. Dazu kommen Beteiligungen an Uno-Missionen im Libanon sowie EU-Operationen vor Somalia; tausende Soldaten sind zudem in afrikanischen, arabischen und deutschen Garnisonen stationiert, ebenso viele in Überseegebieten.

Generalstabschef Pierre de Villiers schätzt ebenfalls, Luftwaffe, Marine und Armee seien "ständig am Anschlag". Vor allem die gefährliche Operation "Barkhane" in Mali, Mauretanien, dem Tschad, in Niger und Burkina Faso absorbiert viel Energie. Die Islamisten wurden zwar 2013 aus ihrem Gottesstaat vertrieben; doch der geplante Rückzug der Franzosen verzögert sich immer mehr. Die in die Wüste geflüchteten Jihad-Gruppen sind zuletzt aktiver geworden, weshalb die 3500 französischen Elitesoldaten das riesige Gebiet kaum mehr kontrollieren.

Internationale Einsätze

Hollande bestätigte am Donnerstag zudem, dass im Irak nicht mehr nur Rafale-Kampfjets, sondern bald auch französische Soldaten am Boden zum Einsatz kommen sollen. Ob es sich dabei wirklich nur um "Militärberater" handelt, wie Hollande versichert, wird teils bezweifelt; auf jeden Fall sollen sie die irakische Armee bei der Rückeroberung von Städten wie Mossul unterstützen.

Um etwas Druck von den "Opex", den äußeren Operationen, zu nehmen, hat Hollande schon vor einiger Zeit eingewilligt, dass die französische Operation "Sangaris" (ursprünglich 2500 Mann) in der Zentralafrikanischen Republik bis zum Jahresende eingestellt wird. In Frankreich selbst will er auch die Operation "Sentinelle" – sichtbar vor allem durch die Militärpatrouillen auf Bahnhöfen und Flughäfen – leicht abbauen. Ihr Bestand soll von 12.000 stufenweise auf 7000 gesenkt werden.

Hollande gab ferner bekannt, dass der verfassungsrechtliche Ausnahmezustand, in dem Frankreich seit den Terroranschlägen vom vergangenen November im Musikclub Bataclan lebt, am 26. Juli auslaufen wird. Dieser Schritt war jetzt, nach dem Ende der Fußball-EM und der derzeit laufenden Tour de France, erwartet worden. Hollande meinte zwar, die Terrorgefahr sei "nicht am Abnehmen". Inzwischen habe seine Regierung aber Polizei und Nachrichtendienste verstärkt. Die Antiterrorplanung bleibe zudem auf der höchsten Alarmstufe.

Diese Vorsichtsmaßnahme bedingt eine Neuorganisation der flächendeckenden "Sentinelle"-Mission. Ein Parlamentsbericht hatte ihr ohnehin nur "beschränkte Wirkung für die nationale Sicherheit" attestiert. Auch General de Villiers räumt ein, die – für die Soldaten oft aufreibende – Dauerwache vor wenig besuchten Kultusstätten sei "zu statisch"; besser sei es, mit weniger Soldaten "mehr Mobilität und Überraschungscharakter" zu bewirken.

Politische Kehrtwende

Die aktuellen Engpässe in der französischen Armee sollen ab 2017 sukzessive behoben werden. Unter dem Eindruck der Terroranschläge hatte Hollande selbst eine wehrpolitische Kehrtwende vollzogen und den Abbau der Armeebestände in einem ersten Schritt gestoppt; insgesamt werden derzeit 15.000 neue Posten besetzt.

Auch der Rüstungsetat Frankreichs ist wieder im Steigen begriffen. Hollande begrüßte in seinem TV-Auftritt ausdrücklich, dass Nachbar Deutschland auch wieder größere Verteidigungsanstrengungen unternehmen will. (Stefan Brändle aus Paris, 14.7.2016)

  • Die Kunstflugstaffel "Patrouille de France" (PAF) legte am Mittwoch eine Trikolore über Paris aus.
    foto: apa / afp / stephane de sakutin

    Die Kunstflugstaffel "Patrouille de France" (PAF) legte am Mittwoch eine Trikolore über Paris aus.

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