Herrn Prosis Straßenfest in Wien-Neubau

Video15. Juli 2016, 08:19
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Augustin Pallikunnel eröffnete vor 17 Jahren den internationalen Supermarkt Prosi, der zu einem Begegnungsort im Grätzel wurde

Wien – Er fing im Jahr 1999 klein an: Auf 120 Quadratmetern bot er indische Lebensmittel an. Doch die Nachfrage nach Produkten, etwa aus afrikanischen Ländern oder Sri Lanka, war so groß, dass das Geschäft inzwischen siebenmal erweitert wurde.

derstandard.at

Heute verkauft Augustin "Prince" Pallikunnel in seinem internationalen Supermarkt Prosi in Wien-Neubau mehr als 8000 Produkte aus 60 Ländern. Er betreibt außerdem, ebenfalls in der Kandlgasse, einen Kosmetiksalon und eröffnete kürzlich ein indisches Restaurant. Die Geschäftsflächen erstrecken sich nun auf mehr als 1000 Quadratmeter – und Prosi ist zu einem Namen mit Wiedererkennungswert geworden.

"Die Leute im Bezirk kennen mich", sagt Pallikunnel. Er werde aber auch anderswo in Wien angesprochen: "Die Leute sagen dann 'Hallo, Herr Prosi' ." Er entschied sich für den Namen, weil er kurz und einfach auszusprechen ist: Die fünf Buchstaben stehen für Politeness (Höflichkeit), Respect, Obedience (Gehorsam), Service und Intimacy (Nähe).

foto: sarah brugner
Der 51-jährige kam als Wirtschaftsstudent vor 26 Jahren nach Wien.

Der 51-Jährige, einst Lehrer im südindischen Kerala, kam vor 26 Jahren als Wirtschaftsstudent nach Wien. Es sei damals nicht einfach gewesen – weder finanziell noch sprachlich: "Keiner in Wien wollte Englisch reden" , sagt Pallikunnel. Wohl deshalb ist er heute stolz darauf, dass sich die Kunden bei Prosi "wie zu Hause fühlen" können. Menschen, die etwa aus demselben südamerikanischen Dorf stammen, hätten sich bei ihm schon wiedergefunden – Freundschaften seien entstanden, erzählt Pallikunnel. Den Betrieb führt er gemeinsam mit acht Familienmitgliedern – darunter seine Mutter, Geschwister und eines seiner drei Kinder.

Kunden aus 130 Staaten

Prosi sei in den Communitys ein Begriff: Neu Zugezogene würden bald davon erfahren und vorbeikommen oder nach einem Job fragen. Die Mitarbeiter kommen aus Lateinamerika, Afrika und Asien. Der Supermarkt sei ein "Begegnungsort für verschiedene Kulturen" und ein "Ort für Integration" geworden, meint Pallikunnel. "Wenn sie einmal draußen zehn Minuten warten, sehen Sie verschiedene Farben, verschiedene Leute, die ganz selbstverständlich ein- und ausgehen." Das Grätzel werde durch Prosi immer offener, belebter und toleranter. Kunden aus 130 Staaten kaufen bei Prosi ein.

sarah brugner
Augustin Pallikunnel mit seinem Bruder im Prosi-Supermarkt.

Sie kommen nicht nur aus der Umgebung, sie reisen auch aus Salzburg, Innsbruck, der Slowakei, Ungarn und Polen an, sagt Pallikunnel. Denn bei Prosi würden sie "alles" bekommen, "was sie brauchen" – von Yamswurzeln über Kochbananen bis zu Chilisaucen. Prosi hebe sich durch das breite Sortiment ab, während andere Geschäfte sich auf Lebensmittel aus einem einzigen Land spezialisieren würden.

sarah brugner
Heuer seien 8000 Besucher zum Straßenfest gekommen.

Anfangs seien nur rund zehn Prozent seiner Kunden gebürtige Österreicher gewesen, sagt Pallikunnel. Heute liege ihr Anteil bei rund 35 Prozent. Zu seinen Stammkunden gehört auch der Neubauer Bezirksvorsteher Thomas Blimlinger (Grüne).

Das erste jährliche Prosi-Straßenfest organisierte Pallikunnel im Jahr 2000. Heuer seien 8000 Besucher gekommen. 200 Künstler und Tänzer gestalteten das Programm. Es sei "natürlich auch eine Werbung für Prosi" , aber vor allem sei ihm "sehr wichtig, Multikulturalität und Integration zu fördern", sagt Pallikunnel.

sarah brugner
Mit dem jährlichen Straßenfest will der Prosi-Geschäftsführer die Multikulturalität fördern.

An den Essensständen tummeln sich Leute aus dem Grätzel neben Besuchern aus anderen Stadtteilen, neugierige Passanten neben Stammkunden, Kinder und Jugendliche neben Pensionisten. Ein Ehepaar erzählt, dass es die Pallikunnels aus dem 14. Bezirk kennt, wo Augustins Bruder wohnt. Ein älterer Mann aus dem Grätzel sagt, er habe "sich das anschauen" wollen, denn "es schadet nicht, andere Kulturen kennenzulernen" – es gefalle ihm gut. Er fragt den Mann, der neben ihm sitzt, was für ein Bier er trinke. "Ein Tusker", sagt dieser und prostet dem Herrn zu: "Es kommt aus Kenia, meiner Heimat." (Video: Sarah Brugner, Text: Christa Minkin, 15.7.2016)

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