Fußball ist Alltag statt Verdruss

15. Juli 2016, 10:14
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In gut einer Woche startet die Fußballbundesliga. Das schwache EM-Abschneiden des Nationalteams soll keine negativen Auswirkungen haben. Hofft Vorstand Christian Ebenbauer. Die Zehnerligen sind bald Geschichte, an der beschlossenen Reform wird gefeilt

Wien – Die Nationalmannschaft ist der Turbo im österreichischen Fußball. Sagt nicht nur Verbandspräsident Leo Windtner. Bei der EM in Frankreich ist dieser Motor allerdings ziemlich abgesoffen. Christian Ebenbauer, der Vorstand der Bundesliga, bedauert das. Andererseits solle man die Abhängigkeit nicht überschätzen. "Wir sind der Alltag, müssen schauen, wie wir das Beste rausholen. Ich warne vor Verdruss."

Am 23. Juli beginnt die Tipico-Bundesliga, am Tag davor die Sky Go Erste Liga. Es ist praktisch der Abschied von den zwei professionellen Zehnerligen. Die nächste Saison ist dann ein Übergang, ab 2018/19 wir das Land in eine professionelle Zwölfer- und eine halbprofessionelle 16er-Liga geteilt. Ende Mai wurde die Reform beschlossen. Laut Ebenbauer ist sie weder das "Optimum" noch "der Weisheit letzter Schluss", aber "eine Notwendigkeit. Alles andere wäre realitätsfremd. Wir stemmen keine 20 Profivereine, es wäre zum Zusammenbruch gekommen." In der 16er-Liga, die ein Mischmasch ist, können die Klubs ihre Budgets halbieren. Die Gefahr, dass Schwarzgeldzahlungen ein Comeback feiern, leugnet Ebenbauer nicht. "Ich setze auf Selbstkontrolle und Vernunft."

"Verwirrend"

In diversen Gremien wird am Modus getüftelt, man ist auch auf Namenssuche. Der momentane Zustand, dass sich die Zweite Liga Erste Liga nennt, sei, so Ebenbauer, "suboptimal und verwirrend". In welcher Form die Profimeisterschaft abgewickelt wird, ist offen, 44 Runden passen nie und nimmer in den Kalender. Playoffs sind eine (Not-)Lösung. Der Verband möchte, dass aus der zweiten Klasse drei Vereine ab- und die drei Regionalligameister aufsteigen, der Bundesliga ist das ein bisserl zu viel.

Gesucht werden zudem potente Titelsponsoren. Ebenbauer: "In der Zwölferliga bin ich diesbezüglich zuversichtlich." Neue TV-Verträge müssen ausverhandelt werden, das Interesse von Sky am Gesamtpaket soll dem Vernehmen nach nicht gerade ausufernd sein. Dass es in der Übergangssaison aufgrund der Aufstockung keinen Absteiger gibt, ist für Ebenbauer "fast undenkbar. Der Letzte muss in die Relegation, sonst wäre die Meisterschaft entwertet."

Seit 2007/08 ist der Zuschauerschnitt in der Tipico von 9.284 auf 6.270 pro Partie gesunken. Ebenbauer ist von einer Trendumkehr überzeugt. "Ich wette, wir kommen diesmal auf weit mehr als 7.000. Die Vision von 10.000 bleibt."

Boom

Das neue Rapid-Stadion werde einen Boom auslösen. Zudem sei Aufsteiger St. Pölten gewiss attraktiver als Absteiger Grödig. Die Austria, die für zwei Saisonen ins Happel-Stadion ausweicht, werde zulegen. "Obwohl das Happel für die Austria zu groß ist. Zu den Derbys werden mehr Leute kommen."

Punkto Infrastruktur sei, sagt der Vorstand, einiges weitergegangen. "Die Austria baut ein neues Stadion, Rapid hat ein neues, in Altach wurde investiert, die Richtung stimmt, der Komfort wächst."

Entscheidend sei natürlich der sportliche Erfolg. "Das Niveau ist besser, als viele glauben. Da müssen wir Überzeugungsarbeit leisten. Es ist klar, dass die besten Spieler ins Ausland wechseln. Aber sie sollen davor zwei bis drei Jahre in Österreich tätig gewesen sein. Florian Kainz ist ein Musterbeispiel. Er reifte bei Rapid, ist jetzt bei Werder Bremen."

Wirtschaftlich dürfte es zu keinen Turbulenzen kommen, sieben der zehn Klubs haben die Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft vollzogen. Ried, Admira und Mattersburg stehen kurz davor. Ebenbauer sagte dem Standard: "Hoffentlich startet das Nationalteam gut in die WM-Qualifikation. Es ist der Turbo." (Christian Hackl, 15.7.2016)

  • Christian Ebenbauer rechnet mit mehr Fans.
    foto: apa/hochmuth

    Christian Ebenbauer rechnet mit mehr Fans.

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