Open Air Ottensheim: Trance vom Schrottplatz

14. Juli 2016, 17:22
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Zum 23. Mal geht die Veranstaltung dieses Jahr über die Bühne. Am Freitag gastiert dort die zehnköpfige Kombo Konono No. 1 aus der Demokratischen Republik Kongo

Ottensheim – Wie gewohnt findet auch die 23. Auflage des Open Air Ottensheim nahe der Donau statt, inhaltlich schwimmt das Undergroundfestival – unterstützt von den Linzer Gegenkulturinstitutionen Kapu und Stadtwerkstatt – aber gegen den Strom. Das liegt wesentlich am internationalen Line-up aus avancierter Rockmusik und Elektronik.

Ein Knüller steht bereits am Freitag an: Die zehnköpfige Kapelle Konono No. 1 kommt aus der Demokratischen Republik Kongo, einem Land, das seit Jahrzehnten von Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen, von Kriegsverbrechen, Plünderung und Vertreibung gebeutelt wird. Dabei hat der zentralafrikanische Staat mit dem schon in den 1960er-Jahren gegründeten Orchester wahre Soundinnovatoren zu bieten.

Kernstück dieser im Westen als Congotronics bezeichneten Do-it-yourself-Ästhetik ist das traditionelle Daumenklavier Likembe, dessen Klang mittels Eigenbauelektronik auffrisiert wird. Dazu kommen Sänger, Tänzer und Perkussionsinstrumente, deren Einzelteile von den Schrottplätzen Kinshasas stammen – angesichts des Elektroschrotts, den der Westen bevorzugt in Afrika "endlagert", ein mehr als ironischer Akt nachhaltigen Recyclings.

Lärmdröhnung

So wird aus der traditionellen kongolesischen Bazomba-Trance-Musik eine hochenergetische Lärmdröhnung, die mühelos die Intensität von Punk-, Noiserock- oder Acid-House-Partien erreicht.

Nach Konono No. 1 geht es mit Venetian Snares weiter: Der Kanadier ist einer der einflussreichsten Produzenten im Breakcore, einem Genre, in dem Rave-, Jungle- und Grindcore-Elemente mit Breakbeats, Noise-Attacken und Sprachsamples kollidieren.

Am Samstag dann u. a. die slowenische Sängerin und Lo-Fi-Elektronikerin Maja Osojnik, die mit Schlagzeuger Patrick Wurzwallner auf ebenso kalte wie verstörende Art die Probleme zwischenmenschlichen Verstehens und der Liebe erforscht: Improvisationen zwischen Chanson, Mantra und Musique concrète. (Gerhard Dorfi, 14.7.2016)

15. und 16. 7., Ottensheim, Rodlgelände. Freitag ab 18.00, Samstag ab 17.00

www.openair.ottensheim.at

  • Congotronics nennt sich die Do-it-yourself-Ästhetik der zehnköpfigen Kombo Konono No. 1.
    foto: crammed discs

    Congotronics nennt sich die Do-it-yourself-Ästhetik der zehnköpfigen Kombo Konono No. 1.

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