Pech im Unglück: Dino-Asteroid könnte großes Ölreservoir getroffen haben

19. Juli 2016, 12:58
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Japanische Forscher versehen die Impakt-Hypothese mit einem neuen Twist

Sendai – Wie vergangene Woche berichtet, erlebt die Theorie wieder Aufwind, dass neben dem Einschlag eines Asteroiden auch massiver Vulkanismus entscheidend zum Untergang der großen Dinosaurier beitrug. Auch zum Einschlag selbst gibt es aber eine neue Hypothese: Laut einer japanischen Studie, die im Fachjournal "Scientific Reports" veröffentlicht wurde, könnte der Einschlag auch deshalb so verheerend gewesen sein, weil er eine besonders ungünstige Stelle traf.

Möglicherweise habe er nämlich just ein großes Ölreservoir erwischt. In der Nachbarschaft des Kraters in Mexiko existieren tatsächlich größere Ölvorkommen. Die Hypothese der Wissenschafter um Kunio Kaiho von der Tohoku University in Sendai lautet, dass das Öl durch die Wucht des Aufpralls bei hohen Temperaturen verbrannte und der entstehende Ruß in die Stratosphäre geschleudert wurde, wo er sich weltweit verbreitete.

Der gegenwärtige Stand

Die aktuell geläufigste Hypothese besagt, dass der Meteorit riesige Mengen an Schwefelsäure in die höhere Atmosphäre brachte. Über den ganzen Erdball verteilt, reflektierten sie als Schwebeteilchen in der Stratosphäre das Sonnenlicht und sorgten damit für eine globale Finsternis. Die auf Sonnenlicht angewiesene Photosynthese der Pflanzen kam zum Erliegen, es gab einen weltweiten Winter und sauren Regen.

Das Team um Kaiho hält diese Theorie aber für unwahrscheinlich: "Wenn dies geschehen wäre, wären Krokodile und viele andere Tiere ebenfalls ausgestorben".

Die Wissenschafter untersuchten Bodenproben aus Haiti und Spanien vom Ende der Kreidezeit. Sie fanden eine Zusammensetzung von Kohlenwasserstoffen, wie sie bei verbranntem Erdöl entsteht. Der über die Atmosphäre verteilte Ruß habe zwar viel Sonnenlicht von der Erdoberfläche ferngehalten, doch sei die Photosynthese der Pflanzen noch möglich gewesen, glauben die Forscher.

Modellrechnungen

In Klimamodellen berechneten sie drei mögliche Abläufe für Temperatur, Niederschlag, Sonneneinstrahlung und Bodenfeuchtigkeit abhängig von der Menge entstandenen Rußes – 500 Millionen Tonnen, 1,5 Milliarden Tonnen oder 2,6 Milliarden Tonnen. Ihr Schluss: Im ersten Fall hätten die Dinosaurier überlebt, im letzten Fall wären Krokodile und viele andere erhalten gebliebene Tierarten ebenfalls ausgestorben. Eine Rußmenge von 1,5 Milliarden Tonnen in der Atmosphäre sei die realistischste Annahme.

Der Meteoriteneinschlag hätte unter diesen Umständen zu einer Verringerung der Temperatur um sechs bis neun Grad und erheblich weniger Niederschlägen in mittleren und höheren Breiten – also näher zu den Polen – geführt. Das allein könne schon zum großen Artensterben geführt haben, schreiben die Forscher. In den Tropen sei der Temperatursturz weniger stark ausgefallen, dort sei es jedoch so trocken gewesen wie heute in der Sahara. Tiere in und an Seen, darunter die Krokodile, hätten diese Phase überleben können.

Für "sehr plausibel" hält Bernd Herkner, Leiter des Senckenberg-Museums in Frankfurt am Main, die Studie: "Es gehört zu dem Besten, was ich über dieses Thema gelesen habe". Dennoch blieben viele offene Fragen. Wichtig sei auch, dass man sich genau ansehe, was die japanischen Forscher bei der Erstellung der Klimamodelle vorausgesetzt haben. (APA, red, 16. 7. 2016)

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