Innovationsranking: Österreich weit von der Spitze entfernt

14. Juli 2016, 15:27
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Schweden ist Innovationsführer in der EU, Österreich liegt auf dem zehnten Platz, heimische Firmen sind aber vorne mit dabei

Wien – Schweden ist Innovationsführer in der EU. Österreich kommt im EU-Ranking auf den zehnten Platz und liegt somit knapp über dem EU-Durchschnitt. Dies geht aus dem aktuellen EU-Innovationsanzeiger hervor, den die Europäische Kommission am Donnerstag in Brüssel veröffentlichte. Nach Jahren des Abstiegs hat sich Österreich damit um einen Rang verbessert. Vom "Innovation Follower" wurde Österreich ein "Strong Innovator"- was allerdings nur mit der Änderung der Nomenklatur zu tun hat. 2009 rangierte Österreich noch auf Platz sechs.

In der Ländergruppe der "Starken Innovatoren" belegt Österreich den fünften Rang hinter Irland, Belgien, Großbritannien und Luxemburg und noch vor Frankreich und Slowenien. Von den "Innovation Leaders" Schweden, Dänemark, Finnland, Deutschland und Niederlande ist man aber noch weit entfernt.

Europa holt auf

Insgesamt würden die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass Europa gegenüber Japan und den USA aufhole, erklärte die EU-Kommission. Schweden verteidigte seine Rolle als innovativstes EU-Land vor Dänemark, Finnland, Deutschland und den Niederlanden.

Als "starke Innovatoren" bezeichnet die EU-Kommission die Verfolgergruppe, der Irland, Belgien, Großbritannien, Luxemburg, Österreich, Frankreich und Slowenien angehören. Als "moderate Innovatoren" werden Zypern, Estland, Malta, Tschechien, Italien, Portugal, Spanien, Griechenland, Ungarn, die Slowakei, Polen, Lettland, Litauen und Kroatien eingestuft. Schlusslicht ist Rumänien hinter Bulgarien. Beide Länder hätten nur bescheidene Innovationskraft, stellt die EU-Kommission fest.

Die Qualität der akademischen Forschung ist laut dem EU-Vergleich am höchsten in Schweden, gefolgt von Großbritannien, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und Dänemark. Diese Länder würden viel Zusammenarbeit mit internationalen Partnern pflegen, die Forscher seien international bestens vernetzt und der Forschungsoutput sehr hoch. Schweden schneidet auch am besten bei Humankapital in der Forschung ab, gefolgt von Slowenien, Irland, Großbritannien, Finnland und Lettland.

In Finnland sind die finanziellen Rahmenbedingungen für Innovation am besten, gefolgt von Estland, Schweden, den Niederlanden und Dänemark, erklärte die EU-Kommission. In diesen Ländern würden Forschung und Entwicklung vom öffentlichen Sektor unterstützt, Risikokapital für private Unternehmen sei vorhanden.

Auch heimische Firmen investieren viel

Bei den Investitionen von Firmen in Innovation führt Deutschland, gefolgt von Estland, Österreich und Finnland. Über die besten privat-öffentlichen Innovations-Netzwerke verfügen Belgien, Dänemark, die Niederlande, Schweden und Finnland. Führend bei Innovationen von Klein- und Mittelbetrieben sind nach Angaben der EU-Kommission Irland, Deutschland, Luxemburg, Frankreich und Österreich.

Lettland ist derzeit das Land mit dem größten Innovationswachstum. Die EU-Kommission hat hier den Zeitraum von 2008 bis 2015 verglichen. Österreich liegt beim Wachstum abgeschlagen unter dem EU-Durchschnitt an 18. Stelle in der EU.

Innovationsführer in ganz Europa bleibt weiterhin die Schweiz. Die EU habe allerdings den Abstand zur Schweiz etwas verringert, auch gegenüber den Vereinigten Staaten und Japan, erklärte die EU-Kommission. Globaler Innovationsführer ist Südkorea, das seinen Abstand gegenüber der EU ausbauen konnte. Ihren Vorsprung zu Australien, Kanada, Brasilien, Russland, Indien und Südafrika habe die EU verteidigt. China hole allerdings rascher gegenüber der EU auf, erklärte die Kommission.

EU-Binnenmarktkommissarin Elzbieta Bienkowska sagte, um mehr Innovation zu fördern, wäre eine konzertierte Kraftanstrengung erforderlich. "Auf EU-Ebene müssen wir das Mehrwertsteuerregime vereinfachen, die Insolvenzregeln anpassen, Informationen über Regulierungserfordernisse einfacher zugänglich machen und an einem klaren und KMU-freundlichen geistigem Eigentumsrecht arbeiten."

Export von High-Tech-Produkten

Österreich hat sich im aktuellen Ranking in den sechs Dimensionen Humanressourcen, Finanzierung und Förderung, Investition von Unternehmen, Entrepreneurship, Intellektuelles Vermögen und Innovatoren verbessert. In der Dimension "Exzellenz des Forschungssystems" gab es keine Veränderung, bei den "Economic Effects", zu denen etwa Exporte von High-Tech-Produkten oder wissensintensiver Dienstleistungen zählen, gab es einen leichten Abstieg.

Deutlich über dem EU-Durchschnitt (100) liegt Österreich u.a. bei den internationalen wissenschaftlichen Co-Publikationen (267), den F&E-Ausgaben des privaten Sektors (162) oder innovativen KMU mit Kooperationen (148). Deutlich unter dem EU-Schnitt rangiert Österreich dagegen bei den Lizenzeinnahmen im Ausland (46), Nicht-EU-Doktoratsstudenten (52), Exporten wissensbasierter Dienstleistungen (68) oder Venture Capital (80).

Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) freute sich in einer Aussendung wieder über einen Platz unter den Top-Ten, sieht aber "immer noch Aufholbedarf, um in die Spitzengruppe der Innovation Leader zu kommen und an diesem Ziel werden wir konsequent weiterarbeiten".

Auch Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) will konsequent daran weiterarbeiten, Österreich als Innovation Leader zu etablieren. Die Verbesserung in der Platzierung führt er darauf zurück, "dass unsere Maßnahmen in der Forschungsförderung immer besser greifen".

Um Österreich in die Topliga der innovativsten Länder zu führen, forderte die Forschungssprecherin der Grünen, Ruperta Lichtenecker, die "Vorlage eines Maßnahmen- und detaillierten Umsetzungsplans mit klaren Zeithorizonten bis 2025 sowie die Bereitstellung von ausreichend finanziellen Mitteln". (APA, 14.7.2016)

  • Österreich ist ein Land, wo auf Traditionen geschaut werden. Nur mit Innovationen tut man sich ein bisserl schwer.
    foto: apa/pfarrhofer

    Österreich ist ein Land, wo auf Traditionen geschaut werden. Nur mit Innovationen tut man sich ein bisserl schwer.

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