Forscher entdecken Maus mit sagenhaft langen Schnurrhaaren

17. Juli 2016, 13:03
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Insgesamt 28 neue Spezies auf Luzon identifiziert – Forscher bezeichnen Insel als Hotspot der Biodiversität

Manila – In Relation zur Körpergröße dürften es mit die längsten Schnurrhaare sein, die man je an einem Säugetier gesehen hat. Stolze Trägerin ist eine bislang unbekannte Maus, die Forscher auf der philippinischen Hauptinsel Luzon entdeckten. Genauer gesagt handelt es sich sogar gleich um vier miteinander verwandte Spezies kleiner Mäuse, die auf den Bäumen tropischer Bergwälder leben. Ihre Schnurrhaare bzw. Vibrissen reichen ihnen fast bis zu den Knöcheln.

Insgesamt vermeldet das Team um Larry Heaney vom Field-Museum in Chicago in der Fachzeitschrift "Frontiers of Biogeography" die Entdeckung von 28 zuvor unbekannten Tierarten. Dazu zählen auch fünf weitere Mäuseverwandte, die allerdings eher Spitzmäusen ähneln und sich hauptsächlich von im Boden lebenden Würmern zu ernähren scheinen. 15 Jahre lang hatten die Biologen die einheimische Fauna der Insel untersucht.

Zahlreiche endemische Arten

Dies führte die Forscher schließlich zur Bilanz, dass die Insel, die kaum größer als Island ist, eine der globalen Hotspots in Sachen Biodiversität ist. Hier gebe es so viele endemische – also ausschließlich hier vorkommende – Arten wie nirgendwo sonst auf der Welt.

52 der 56 flügellosen Säugetiere der Insel kommen demnach nur auf Luzon vor. Fast alle der einzigartigen Spezies leben in den Regenwäldern hoch oben in den Bergen der Insel. Überwiegend im Tiefland ist dagegen die geflügelte Säugetiergruppe Luzons beheimatet: 57 Fledertierarten – also Fledermäuse und Flughunde – sind bisher bekannt. Darunter befindet sich auch der Goldkronen-Flughund, der mit einer Flügelspannweite von über eineinhalb Metern eines der größten Fledertiere überhaupt ist.

Splendid Isolation

Dass Luzon in Sachen Tierwelt eine derartige Sonderstellung einnimmt, dürfte den Forschern zufolge unter anderem daran liegen, dass die Insel nie mit Kontinentallandmassen verbunden war. "Inseln bieten so etwas wie Evolution im Zeitraffer", schreiben die Wissenschafter. Wenn Tiere keine natürlichen Feinde hätten, könnten sie sich schnell an spezifische Umstände in ihrem Lebensraum anpassen und sich mit der Zeit als eigenständige Art entwickeln.

Zudem gebe es auf der Insel Bergregionen, die wie eigene "Inseln" einzigartige Lebensräume seien. Die dort isoliert lebenden Tiere passten sich immer weiter den örtlichen Gegebenheiten an. "Es gibt auf Luzon Berge, auf denen fünf einzigartige Säugetiere leben – mehr, als in jedem Land in Zentraleuropa", führt der Amerikaner Eric Rickart, Mitglied der Forschergruppe, die besonderen biologischen Verhältnisse vor Augen. (red, APA, 17. 7. 2016)

  • Die Maus mit den fantastisch langen Schnurrhaaren.
    foto: larry heaney, the field museum

    Die Maus mit den fantastisch langen Schnurrhaaren.

  • Auch Borkenkletterer und Riesenborkenratten kommen nur auf den Philippinen vor. Auf Englisch tragen die beiden Nagetiergattungen den schönen Namen "Cloud rats".
    illustration: velizar simeonovski, the field museum

    Auch Borkenkletterer und Riesenborkenratten kommen nur auf den Philippinen vor. Auf Englisch tragen die beiden Nagetiergattungen den schönen Namen "Cloud rats".

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