Wen Donald Trump als Vize an seiner Seite haben will

14. Juli 2016, 14:50
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Ein Überblick über die möglichen Vizepräsidentschaftskandidaten des voraussichtlichen republikanischen Bewerbers

Noch steht die formale Zustimmung für Donald Trump als Präsidentschaftskandidat der Republikaner aus, auf dem Parteitag nächste Woche wird die Entscheidung aber fallen. Am Freitagnachmittag will der umstrittene Immobilienmogul offiziell bekanntgeben, mit wem an seiner Seite er in die Wahl ums höchste US-Amt am 8. November ziehen will. In der engeren Auswahl sind US-Medien zufolge derzeit folgende Personen:

Newt Gingrich gilt als Architekt des Sieges der Republikaner bei der Kongresswahl 1994, der der Partei erstmals seit Jahrzehnten die vollständige Kontrolle über das Parlament verschaffte. 1995 wurde der heute 73-Jährige Vorsitzender des Repräsentantenhauses und damit wichtigster Gegenspieler des damaligen Präsidenten Bill Clinton. Seit 1999 ist er nicht mehr im Kongress; er arbeitete als Unternehmenslobbyist, 2012 bewarb er sich erfolglos um die Kandidatur der Republikaner für das Präsidentenamt.

Im Vorwahlkampf unterstützte Gingrich Trump zwar nicht offiziell, verteidigte ihn aber immer wieder gegen Kritiker (etwa in einem Beitrag für die "Washington Times"). Trump könnte einerseits von Gingrichs politischer Erfahrung profitieren. Andererseits gilt Gingrich schon länger nicht mehr als Teil des Establishments der Partei, das sich auch mit Trump schwertut, und ist für durchaus fragwürdige politische Vorschläge bekannt. So plädierte er etwa für die Wiedereinführung der Kinderarbeit und die Unterbringung von Kindern aus sozial schwachen Familien in Waisenhäusern.

foto: reuters/aaron p. bernstein

Mike Pence, Gouverneur des Bundesstaats Indiana, könnte Trump dabei helfen, innerparteiliche Kritiker umzustimmen. Der sozialkonservative Republikaner war zwölf Jahre lang Abgeordneter und hat enge Beziehungen zur Tea-Party-Bewegung sowie zu den milliardenschweren erzkonservativen Koch-Brüdern. Im Vorwahlkampf unterstützte der 57-Jährige allerdings Ted Cruz, hinter den sich viele Gegner Trumps scharten. Pence müsste sich zudem zwischen einem Antreten als Vizepräsident und dem Amt als Gouverneur von Indiana entscheiden. Neben Newt Gingrich gilt Pence als Favorit für die Position des Vizepräsidenten, erst am Mittwoch ist Trump mit beiden zusammengetroffen.

foto: ap photo/michael conroy

Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, bewarb sich zunächst selbst um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, gab nach durchwegs mageren Ergebnissen bei den Vorwahlen aber auf. Danach sprach er sich als erster Republikaner des sogenannten Establishments für Trump aus. Der 53-Jährige genießt in der Partei hohes Ansehen, weil er sich in der Demokraten-Hochburg New Jersey durchsetzte. Christie galt lange als Brückenbauer, mit ihm könnte Trump auch gemäßigtere Anhänger der Republikaner gewinnen.

Allerdings hat Christie wegen seines Schwenks ins Trump-Lager ein Vertrauensproblem inner- und außerhalb der Partei. Außerdem leidet er unter den Folgen des "Brückenskandals", bei dem seine Vertrauten aus politischen Gründen eine wichtige Verkehrsroute dichtmachten. In einer Umfrage unter den Bürgern New Jerseys zeigten sich nur 27 Prozent mit seiner Amtsführung zufrieden.

foto: ap photo/mel evans

Michael Flynn ist US-General im Ruhestand und stand der Trump-Kampagne bereits als Berater zur Verfügung. Flynn ist ein scharfer Kritiker der Außenpolitik von Präsident Barack Obama und für seine radikalen Äußerungen über den Islam bekannt. Zugleich ist er als demokratischer Wähler registriert. In einem TV-Interview sagte er kürzlich, er unterstütze die Möglichkeit zur Abtreibung, was zum Problem für strenggläubige Anhänger der Republikaner werden dürfte. Für den politisch unerfahrenen Trump gilt ein erfahrener Kongresspolitiker als Vizepräsident an seiner Seite als bessere Wahl.

foto: ap photo/lauren victoria burke

Jeff Sessions aus Alabama war der erste Senator, der sich offen für Trump als Kandidat aussprach. Der 69-Jährige ist auch einer der schärfsten Einwanderungskritiker im Kongress, was ihn unbeliebt bei vielen Hispanics macht, deren Stimmen bei der Wahl eine wichtige Rolle spielen würden.

foto: ap photo/alex brandon

Mary Fallin ist die erste Frau, die in Oklahoma Gouverneurin wurde. Die 61-Jährige ist eine erklärte Gegnerin eines liberaleren Einwanderungssystems. Trump könnte mit ihr bei der weiblichen Wählerschaft punkten, die er mit frauenfeindlichen Äußerungen gegen sich aufgebracht hat. Im Mai hatte sie bereits erklärt, sie würde sich "geehrt" fühlen, mit Trump gemeinsam "Amerika wieder großartig zu machen". Fallin ist zwar schon zum zweiten Mal zur Gouverneurin von Oklahoma gewählt worden, genießt landesweit allerdings kaum Bekanntheit.

foto: ap photo/sue ogrocki

(maa, 14.7.2016)

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