Psychologe: "Pokémon Go" kann bei Depressionen helfen

14. Juli 2016, 09:58
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Das Spiel motiviere Personen, das Haus zu verlassen und neue Bekanntschaften zu schließen

"Pokémon Go" beflügelt nicht nur Nintendos Aktie. Das Spiel kann offenbar auch einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben. Menschen mit Depressionen und Angstzuständen könnten von dem Spiel profitieren. Davon ist der US-amerikanische Psychologe John Grohol überzeugt.

Virtuelle Monsterjagd in realer Umgebung

Das Augmented-Reality-Spiel für Smartphones hat sei dem Start vergangene Woche einen unglaublichen Hype ausgelöst. In den USA kletterte das Spiel binnen weniger Stunden auf Platz Eins der App-Store-Charts. Es soll auf mehr Smartphones installiert sein als die Dating-App Tinder und mehr aktive Nutzer als Twitter haben. "Pokémon Go" verwandelt die Umgebung des Spielers über das Smartphone-Display in ein Spielfeld, auf dem virtuelle Monster gesucht und gesammelt werden können. Das funktioniert zwar auch drinnen, hauptsächlich aber im Freien.

Grohol sieht in dem Spiel einen Ansporn an die frische Luft zu gehen und sich zu bewegen. Menschen mit Depressionen könne es mitunter sehr schwer fallen sich zu motivieren und außer Haus zu gehen. "Pokémon Go" schaffe das aber. Der Gründer des Netzwerks Psych Central habe bislang nichts Vergleichbares gesehen, wie er zu "Engadget" sagt. Auf Twitter berichten zahlreiche Nutzer, dass ihnen das Spiel bei Depressionen und Angstzuständen geholfen habe. Sie seien motiviert raus zu gehen und es helfe ihnen sich mit Freunden zu treffen oder neue Bekanntschaften zu schließen.

Kein Therapie-Ersatz

Zudem müsse man zum Spielen viel herumgehen und die Gegend erkunden. Bewegung und Sport haben laut Grohol ebenfalls positive Effekte auf Menschen mit depressiven Störungen. Vor allem Personen, die keine Therapie machen oder keine Medikamente nehmen, könnten von körperlicher Aktivität profitieren. Da es sich um ein Spiel handelt und nicht um ein Therapie-Werkzeug könnten auch Menschen damit erreicht werden, die sich nicht in Behandlung begeben wollen.

Grohol warnt allerdings davor, "Pokémon Go" als Ersatz für eine professionelle Therapie zu sehen. Es sei eine gute Ergänzung zu Psychotherapie oder Medikamenten, Depressionen könne man aber nicht alleine mit Spiel heilen.

Zudem darf man nicht vergessen, dass es sich dabei um ein kommerzielles Produkt handelt, das einerseits von technischen Ausfällen heimgesucht werden kann, und andererseits den Entscheidungen Nintendos unterliegt. Beschließt der Konzern das Spiel in Zukunft aus welchen Gründen auch immer wieder einzustellen, könnte das Depressionen theoretisch auch wieder verschlechtern.

Immerhin könne das Spiel aber der erste Schritt für Menschen mit psychischen Problemen sein, sich mit ihrer Erkrankung mehr auseinanderzusetzen und in ärztliche Behandlung zu geben, so Grohol. (red, 14.7.2016)

  • "Pokémon Go" hat einen unglaublichen Hype ausgelöst. Ein US-Psychologe geht sogar davon aus, dass das Spiel positive Effekte auf Menschen mit Depressionen hat.
    foto: apa/afp/dpa/sophia kembowski

    "Pokémon Go" hat einen unglaublichen Hype ausgelöst. Ein US-Psychologe geht sogar davon aus, dass das Spiel positive Effekte auf Menschen mit Depressionen hat.

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