Enns-Hochwasseralarm in Steyr, Pegel an Inn und Donau steigen

14. Juli 2016, 13:54
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Feuerwehr alarmierte Steyrer Bürger mitten in der Nacht mit dreiminütigem Warnton – Kärntner Wurzenpass vorerst unpassierbar

Steyr – Teile Österreichs waren auch am Donnerstag von Unwettern betroffen. In Oberösterreich beobachtete vor allem die Bevölkerung entlang der Gewässer mit Sorge die Wetterentwicklung. Die Hochwasserwarngrenzen am Inn und an der oberösterreichischen Donau wurden vorerst nicht überschritten. Aber an den Hauptgewässern stiegen überwiegend die Pegel. In der Steiermark wurden weitere 100 Einsätze gezählt.

Für den Enns-Kai in Steyr wurde bereits in der Nacht dreiminütiger Alarm gegeben, damit Autobesitzer ihre dort geparkten Fahrzeuge in Sicherheit bringen. Der Enns-Pegel erreichte am Vormittag am Ortskai 5,26 Meter, am Montagabend lag er noch bei 1,80 Meter. Als kritische Grenze gelten 5,50 Meter.

Auch in Schärding am Inn begann die Feuerwehr mit dem Aufstellen des mobilen Hochwasserschutzes. Für den späten Nachmittag oder frühen Abend wurde dort sowie in Mauthausen an der Donau das Erreichen der Warngrenze erwartet. Der Hydrografische Dienst des Landes sah allerdings nur dann große Gefahr, wenn die Niederschläge in den kommenden Tagen anhalten und großflächig ausfallen sollten. Das sei aber laut Prognose vom Donnerstag nicht der Fall.

Auch in Bad Ischl ließ der Regen zwar die Pegel des Traun- und des Ischlflusses steigen, die Warnstufe sei aber außer Reichweite, berichtete die Freiwillige Feuerwehr. Die Stadt stand auch am Donnerstag im Zeichen der Aufräumarbeiten nach dem Unwetter vom Dienstagabend. Die Stadtgemeinde und private Unternehmen arbeiteten auf Hochtouren, um den Normalzustand auf den Straßen und Wegen wiederherzustellen. Das könnte allerdings noch mehrere Tage oder gar Wochen dauern. Auch die Behebung der Schäden an den Häusern war im Gang, ebenso wie Forstarbeiten in den Wäldern, wo der Wind unzählige Bäume umgeworfen oder geknickt hat. Immerhin wurden die Ischler Feuerwehren und Feuerwachen nicht zu neuen Alarmen gerufen.

Tausende Feuerwehrleute in der Steiermark waren auch am Mittwoch und in der Nacht auf Donnerstag bei Unwetterschäden gefordert: Es wurden rund weitere rund 100 Einsätze gezählt, teilte Thomas Meier, Sprecher der steirischen Wehren, mit. Die Grazer Murpromenade musste wegen des hohen Wasserstands der Mur gesperrt werden. Nahe Admont im Bezirk Liezen verschüttete eine Mure die Kaiserauer Landesstraße. In Mureck fielen Bäume auf Hausdächer.

Der steirische Landesfeuerwehrverband zog nach zwei Tagen Unwettern eine vorläufige Bilanz: Die Wehren seien insgesamt zu rund 370 Unwettereinsätzen gerufen worden, wobei etwa 2.500 Männer und Frauen freiwillig ihre Aufgaben erfüllten.

Starker Regen hat am frühen Donnerstagvormittag im Bregenzerwald in Vorarlberg zu 33 Einsätzen der Feuerwehr geführt und zwei Murenabgänge verursacht. Im Wesentlichen galt es, Keller auszupumpen, hieß es bei der Rettungs- und Feuerwehrleitstelle. Verletzt wurde niemand, auch die Murenabgänge gingen glimpflich ab.

Betroffen waren insbesondere die Gemeinden Egg und Alberschwende, wo auch die beiden Muren abgingen und die Bregenzerwaldstraße (L200) und die Müselbacher Straße (L25) verlegten. Auf der L200 wurde eine Umleitung eingerichtet, die L25 war kurz vor Mittag wieder befahrbar.

In Kärnten verzeichneten die Feuerwehren bis Donnerstagvormittag 250 Einsätze – insgesamt waren 80 Feuerwehren mit 450 Helfern damit beschäftigt, die Unwetterschäden zu beseitigen. Besonders schwer erwischt hatte es den Bezirk St. Veit, dort waren am Donnerstag noch vereinzelt Feuerwehren im Einsatz, teilte die Landesalarm- und Warnzentrale mit. Die Unwetter dürften zumindest in Kärnten aber vorbei sein.

Mehr Einsätze, aber kaum Schäden gab es in Wien selbst. Immerhin Auswirkungen auf das Freizeitverhalten hat das Hochwasser: Aufgrund des hohen Pegelstands wurde am Donnerstag ein Badeverbot in der Neuen Donau verhängt, wie die Gewässerabteilung MA 45 mitteilte. Der Pegel Korneuburg erreichte um 10 Uhr die Hochwassermarke von 5,22 Metern, er stieg weiter.

Das Ende des Hochwassers erwartet die MA 45 für das Wochenende. Das Badeverbot bleibt jedoch bestehen, bis die Wasserqualität im Entlastungsgerinne wieder erreicht ist. Auch der neue "Copa Beach" wurde teilweise geräumt, Mobiliar im Uferbereich wurde entfernt. Der Betrieb der neuen, fixen Lokale bleibt im ersten Stock aber aufrecht.

Fast 68.000 Blitzentladungen registrierte das System Aldis (Austrian Lightning Detection and Information System) am Dienstag österreichweit. Rund zehn Prozent davon schlugen auch im Boden ein, beim Rest handelte es sich um die häufigeren Luftblitze. Am Mittwoch gab die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik auch die Niederschlagsmengen der vergangenen 24 Stunden bekannt. An zehn Messstellen hat es dabei mehr als 50 Millimeter geregnet, am meisten in Frohnleiten in der Steiermark mit 76,7 Millimeter.

Die Prognosen für die kommenden Tage lassen immerhin Entspannung erwarten. Während es im Osten des Landes weiterhin trüb bleibt, macht sich im Westen am Wochenende sonniges Wetter breit. (APA, red, 14.7.2016)

  • Der Pegel der Enns stand am Donnerstagvormittag knapp unterhalb des Enns- und des Ortskais.
    foto: apa/fotokerschi.at

    Der Pegel der Enns stand am Donnerstagvormittag knapp unterhalb des Enns- und des Ortskais.

  • Wegen der regelmäßigen Hochwasser in der Eisenstadt stehen vorproduzierte Zusatzschilder bereit.
    foto: apa/fotokerschi.at

    Wegen der regelmäßigen Hochwasser in der Eisenstadt stehen vorproduzierte Zusatzschilder bereit.

  • Im Steyrer Vorort Garsten wurden die Schleusen des Enns-Kraftwerks geöffnet.
    foto: apa/fotokerschi.at

    Im Steyrer Vorort Garsten wurden die Schleusen des Enns-Kraftwerks geöffnet.

  • In Mureck in der Steiermark stürzte am Mittwochabend ein Baum auf ein Haus.
    foto: apa/ff ureck/petritsch

    In Mureck in der Steiermark stürzte am Mittwochabend ein Baum auf ein Haus.

  • Feuerwehrleute befreien wie auf vielen Verkehrsverbindungen in Österreich eine Straße von einem umgefallenen Baum in Straßburg, Kärnten.
    foto: freiwillige feuerwehr strassburg

    Feuerwehrleute befreien wie auf vielen Verkehrsverbindungen in Österreich eine Straße von einem umgefallenen Baum in Straßburg, Kärnten.

  • Der überflutete Bereich vor dem Seminarhotel Schloss Hernstein in Niederösterreich.
    foto: apa / stefan schneider

    Der überflutete Bereich vor dem Seminarhotel Schloss Hernstein in Niederösterreich.

  • Screenshot einer Webcamaufnahme der Gemeinde Steyr. Der Ennskai wurde bereits von parkenden Autos geräumt.

    Screenshot einer Webcamaufnahme der Gemeinde Steyr. Der Ennskai wurde bereits von parkenden Autos geräumt.

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