Kabinettsumbildung: Boris Johnson neuer britischer Außenminister

    14. Juli 2016, 15:27
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    David Davis wird Minister für den britischen EU-Austritt – Michael Gove nicht mehr Justizminister

    Die neue britische Premierministerin Theresa May überrascht bei der Regierungsumbildung: Sie machte noch am Mittwochabend Boris Johnson (52), einen der Wortführer des Brexit-Lagers, zu ihrem Außenminister. In dessen Zuständigkeit fällt damit auch der britische Auslandsgeheimdienst MI6. Johnson hatte noch nie ein Regierungsamt inne.

    Johnson hatte als Favorit auf den Posten des Premierministers gegolten, nachdem die Briten für den von ihm betriebenen EU-Austritt gestimmt hatten. Er musste seine Bewerbung jedoch zurückziehen, weil ihm ein enger Vertrauter, Justizminister Michael Gove, das Messer in den Rücken rammte. Zuvor war der 48-Jährige im Rennen um den Tory-Vorsitz chancenlos geblieben, während Johnson vergeblich Mays Rivalin Andrea Leadsom unterstützte.

    Johnson muss nun als Außenminister die neue Rolle Großbritanniens in der Welt nach dem Ausscheiden aus der Europäischen Union vertreten und erbt zugleich das häufig schwierige Verhältnis seines Landes mit Russland.

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    Boris Johnson am Mittwochabend in der Downing Street. Der schillernde Ex-Bürgermeister Londons wird künftig das prestigereiche Foreign and Commonwealth Office leiten.

    Für den Austritt Großbritanniens wird ein eigenes Ministerium geschaffen, das der erzkonservative David Davis (67) leiten wird. Damit ist er der britische Chefunterhändler in den Verhandlungen mit Brüssel. Der entschiedene Brexit-Befürworter war zwischen 1994 und 1997 Europastaatssekretär im Außenministerium. Von 2003 bis 2008, als die Tories in der Opposition waren, hatte Davis die Position des Schatten-Innenministers inne. Zuvor war er bereits Schatten-Vizepremier gewesen.

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    Neuer Minister für den EU-Austritt: David Davis.

    Johnson ersetzt Philip Hammond (60), der kurz zuvor zum Finanzminister ernannt wurde. Der bisherige Finanzminister George Osborne trat zurück. Seit 1997 sitzt Hammond im Unterhaus und vertritt den südenglischen Wahlkreis Runnymede and Weybridge. 2011 stieg er zum Verteidigungsminister auf, 2014 wechselte er ins Außenressort.

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    Lächelnd vom Außen- ins Finanzministerium: Philip Hammond.

    Michael Gove wird nicht mehr das Amt des Justizministers ausüben, auf ihn folgt die bisherige Umweltstaatssekretärin Liz Truss (40), die seit 2010 im britischen Parlament sitzt. Sie sprach sich im Wahlkampf für den Verbleib Großbritanniens in der EU aus, argumentierte nun aber – ähnlich wie Premierministerin May – dass "Brexit Brexit bedeutet". Man müsse den Willen des Volkes durchsetzen.

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    Liz Truss folgt Michael Gove als Justizministerin nach.

    Die bisherige Energie- und Klimaschutzministerin Amber Rudd (52) wurde zur Innenministerin ernannt und folgt damit Theresa May nach, die sich sechs Jahre lang auf dem als politisches Himmelfahrtskommando geltenden Posten behauptete. Rudd sitzt seit 2010 im Parlament und war seit 2015 Staatssekretärin für Energie und Klimawandel.

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    Amber Rudd: Sie beerbt Theresa May im Amt der Innenministerin.

    Liam Fox (54), der gegen May um den Vorsitz der Konservativen antrat, wird internationaler Handelsminister. Seine Karriere als Verteidigungsminister im ersten Kabinett Camerons dauerte etwa eineinhalb Jahre. Im Oktober 2011 musste er zurücktreten, nachdem er mehrfach seinen Freund Adam Werrity auf Dienstreisen mitgenommen hatte, der als Lobbyist für die Rüstungsindustrie arbeitet. Fox trat sehr engagiert für den Austritt aus der EU ein, nach dem Referendum bemühte er sich um eine Einigung der beiden Lager der Konservativen.

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    Liam Fox wird Minister für internationale Handelsbeziehungen.

    Neue Bildungsministerin sowie Ministerin für Frauen und Gleichberechtigung wird Justine Greening (47), die Nicky Morgan nachfolgt. Greening, früher Staatssekretärin für Entwicklungszusammenarbeit, gilt als Vertraute von May und hatte sich im Wahlkampf für den Verbleib Großbritanniens in der EU eingesetzt.

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    Justine Greening wird neue Bildungs- und Frauenministerin.

    Verteidigungsminister Michael Fallon (64) kann seinen Posten behalten. Bereits in den frühen 1980er-Jahren zog er ins Unterhaus ein und war im Kabinett Margaret Thatchers als Staatssekretär in mehreren Ministerien tätig. 2012 wurde er Minister für Handel und Unternehmen, 2013 kam das Ministerium für Energie hinzu. Seit 2014 ist er Verteidigungsminister.

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    Michael Fallon bleibt Verteidigungsminister.

    (red, 14.7.2016)


    Minister im neuen Kabinett, die für den Brexit waren

    Boris Johnson, Außenminister

    David Davis, Minister für den britischen EU-Austritt

    Liam Fox, internationaler Handelsminister

    Minister im neuen Kabinett, die für den EU-Verbleib waren

    Philip Hammond, Finanzminister

    Amber Rudd, Innenministerin

    Michael Fallon, Verteidigungsminister

    Liz Truss, Justizministerin

    • Österreichs Außenminister Sebastian Kurz gratuliert Boris Johnson zu dessen Ernennung.

    • US-Außenamtssprecher Mark Toner schafft es nicht, mit ernster Miene auf Boris Johnsons' Ernennung zum Außenminister zu reagieren.

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